Andacht 08.05.2022 Jubilate von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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Jubilate – jauchzet, frohlocket – heißt der heutige Sonntag. Als erstes ging mir durch den Kopf: Jauchzen? Wieso? Die Corona-Pandemie scheint immer noch kein Ende zu nehmen, der Krieg in der Ukraine dauert nun schon schon seit Ende Februar und auch dort ist kein Ende in Sicht. Die Preise für Lebensmittel, Gas und Öl etc steigen rasant,…Frohlocken? Nee, ganz sicher nicht. Aber darum geht es nicht an diesem Tag. Der Name des Sonntags Jubilate leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: Jubilate Deo, omnis terra!. (Ps 66, 1: Halleluja! Jauchzet Gott, alle Lande, Halleluja! Lobsinget zur Ehre seines Namens! Halleluja!) Diesem Aufruf sollen wir heute folgen.

Meditation zu Psalm 66

Jubelt im Lande, lasst alle Welt zu Gottes Ehre singen. Rühmt seinen Namen heute und morgen und rufet vor aller Augen: Wunderbar sind deine Werke, Gott, alle müssen sich vor deiner Macht beugen, du Höchster. Du handelst in Liebe und dein Werk ist Erbarmen. Für deine Kinder verwandelst du das Meer, machst es zum gangbaren Weg, zur trockenen Bahn. Wo es kein Entkommen gibt, führst du sie aus der Falle. Durch deine Hand wird unser Leben erhalten; und du bewahrst uns, dass unsere Füße nicht gleiten. Darum beten dich an die Völker der Erde und preisen deinen Namen. Du lenkst unsere Geschicke, und deine Augen blicken auf unser Tun. Jubelt ihr Lande, lasst alle Welt zu Gottes Ehre singen. Rühmt seinen Namen heute und morgen und rufet vor aller Augen: Wunderbar sind deine Werke, Gott, alle müssen sich vor deiner Macht beugen, du Höchster.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet

Du Schöpfer aller Dinge,

wie du die Natur zu neuem Leben erweckst, so willst du auch uns Menschen erneuern und einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, in denen Gerechtigkeit wohnt. Belebe uns, wecke uns auf aus aller Verzagtheit, dass wir den Mut haben zu glauben und auferstehen zum Leben mit dir. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen

Lied: Anker in der Zeit (EGPlus 93,1-3)

Ansprache zu Apg 17,22-34

Liebe Leser*innen,

weiterhin Schutzmaske tragen oder nicht? Die einen sprechen von einer wichtigen Maßnahme gegen das Corona-Virus, die anderen abwertend von einer Lappenpflicht. Es gibt also immer wieder Themen an denen sich die Geister scheiden und das ist beim Sachgebiet Glaube und Religion nicht anders: Manche sagen, die Europäer werden immer gottloser, aus der Sicht anderer, glauben viele weiterhin an etwas Höheres, eben aber nicht so, wie sich die Kirchen das wünschen. Auch der Apostel Paulus begegnet auf seinen Reisen unterschiedlichsten Vorstellungen. So kommt er zum Beispiel nach Athen und damit in eine Stadt, in der verschiedenste Überzeugungen aufeinandertreffen. Das erkennt Paulus, als er dort durch die Straßen geht und dabei auf unterschiedlichste Tempel und Götterstatuen stößt. Davon bewegt und gleichzeitig herausgefordert setzt er selbst zur Rede an und diese Ansprache lesen wir in der Apostelgeschichte:

Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat. Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. So ging Paulus weg aus ihrer Mitte. Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

Irgendwie hat doch jede/r von uns seinen Glauben oder ahnen zumindest die Meisten, dass da etwas über ihnen gibt. So scheint es Paulus jedenfalls zu sagen und macht es daran fest, dass die Athener sogar „dem unbekannten Gott“ einen Altar gebaut haben. Auch die Menschen damals spüren offenbar: hinter den sichtbaren Dingen, hinter dem, was wir kennen, gibt es womöglich noch eine weitere Macht, eine Macht, die in unser Leben einwirkt. Ich meine dies heutzutage ebenfalls in vielen Ansätzen zu erkennen, sogar in solchen, die nichts mit Gott zu tun haben. Ich denke da – um nur ein Beispiel zu nennen – an die Homöopathie, also, dass bestimmte Gifte weiter und weiter runterverdünnt werden, damit sie letztlich heilend wirken. Ob diese Annahme richtig oder falsch ist, darüber streitet man sich. Eine Reihe von Medizinern sagt schlicht: Es fehlt der wissenschaftliche Nachweis, ob diese oder ähnliche Dinge tatsächlich helfen. Trotzdem: Viele Menschen schwören darauf. Und entsprechend sagen sie: Vielleicht gibt es Kräfte in dieser Welt, die wir mit der kalten Wissenschaft nicht nachweisen können und die dennoch auf uns wirken. Vielleicht steht hinter dem Sichtbaren also noch ein größeres Unbekanntes und in ihm leben, weben und sind wir. Ja, auch ich erkenne Dinge, die ich mit einer Logik nicht erklären kann. Und so wird es Ihnen sicherlich auch ergehen. Etwa, wenn ich im Frühling das Wiedererwachen der Natur erblicke. Da fällt es mir schwer zu glauben, dass dies alles durch Zufall entstanden sein soll oder eben nur, weil sich aus Versehen die richtigen Stoffe zusammengefunden haben. Im Gegenteil: Trotz der Probleme dieser Erde hat Gott sie doch wunderbar gestaltet und auch wir sind ein Teil davon. Also egal ob wir uns das eingestehen wollen oder nicht: in ihm leben, weben und sind wir. Allerdings bedeutet das nicht, dass unser Tun gleichfalls immer wunderbar und göttlich ist. Paulus sagt das sehr deutlich. „…Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht…“ Die Griechen damals drückten ihre Vorstellung über Gott bzw. die Götter in deutlichen Abbildungen aus. Aber Paulus betont: All diese Kunstwerke sind …durch menschliche Kunstwerke und Gedanken gemacht.“ Heißt: Egal wie gut sie sind, sie kommen niemals an das heran, wie Gott wirklich ist. Und das müssen wir uns ebenfalls für die heutige Zeit vor Augen halten. Egal wie begeistert wir von den eigenen Ideen, Leistungen oder Maschinen sind – sie bleiben doch weit hinter dem Unendlichen, hinter dem Vollkommenen zurück. Und doch deutet Paulus an: Was wir nicht schaffen, das schafft eines Tages ein anderer, nämlich, dass die Welt sich ändert, dass die Dinge endlich und ganz in Ordnung kommen. „…Denn er [Gott] hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat…“ Die Reaktion auf die Worte des Apostels ist ziemlich eindeutig: „…Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten…“ Vermutlich ist es heutzutage ähnlich. Die einen rollen beim Wort Auferstehung mit den Augen, die nächsten versuchen dem Thema höflich aus dem Weg zu gehen. Auferstehung –wie kann man als gebildeter Mensch des 21. Jahrhunderts daran glauben, wie auf so etwas Unmögliches hoffen? Natürlich: Die Auferstehung lässt sich mit wissenschaftlichen Mitteln nicht nachweisen. Aber sie ist mit Sicherheit nicht unlogischer als vieles andere, was Menschen glauben und worauf sie sich verlassen. Und darauf möchte Paulus hinaus. Er sieht: Viele Menschen sind religiös, glauben an etwas und sind bereit sich mit Hand und Verstand dafür einzubringen. Jedoch: Nicht durch meine eigenen Leistungen und Rituale komme ich an Gott heran, sondern allein durch den Glauben, allein dadurch, dass ich Jesus vertraue. Sicherlich fällt es uns schwer das anzunehmen, gerade, wenn sich daran die Geister scheiden, wenn sich unsere Logik dem entgegenstellt. Doch selbst da, wo wir tiefe Zweifel haben, wo wir es nicht verstehen, können wir uns Gott öffnen. Nämlich indem wir ehrlich sind, indem wir mit der Jahreslosung des Jahres 2020 sprechen: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ Ich bin mir sicher, dass Gott uns dann beim Wort nimmt, dass er uns im Vertrauen-Können zu sich zieht. Amen.

Fürbittengebet / Vaterunser

Schöpfer aller Dinge, niemand ist dir fern, in dir weben, leben und sind wir. Nicht wenige Menschen spüren dich und dein Wirken. Sie merken es zum Beispiel an der Schönheit der Natur oder an der Kraft der Liebe. Und doch fällt es vielen von ihnen schwer, ein klares Bild von dir zu bekommen und damit einen Zugang zum erfüllten Leben. Mit Blick auf diese Not denken wir an jene, die noch auf der Suche sind. Lass sie finden, wonach sie sich sehnen und begegne ihnen in Jesus selbst. Wir bitten für jene, die derzeit wegen CoVid19 oder irgendeinem anderen Leiden im Krankenhaus liegen. Schenke ihnen Genesung und stärke sie bei dem, was sie jetzt durchmachen müssen. Auch wollen wir die Menschen in den Kriegsgebieten nicht vergessen. Wir beten zu dir, Gott: für die unschuldigen Opfer, für die, die zwischen die Fronten geraten und Heimat und Geborgenheit verlieren, für die Flüchtenden, die Hungernden, die Kinder, Frauen und alten Menschen, die ohnmächtig dem Krieg ausgesetzt sind. Sei du bei ihnen. Vater unser im Himmel,…

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich; er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; er erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden. Amen. Amen. Amen

Bleiben Sie behütet und gesund,

Ihre Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt,

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