Andacht 1. Advent, 28.11.2021, von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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Friede sei mit euch!

Es ist erster Advent, liebe Leser*innen. Ein neues Kirchenjahr beginnt. Advent ist Zeit der Erwartung. Voller Hoffnung sind wir, dass Neues wird und dass manches schöner, leichter wird. Leider müssen wir auch in diesem Jahr pandemiebedingt weiter voneinander wegrücken, anstatt enger zusammen. Dennoch: Wir bereiten vor. Weihnachten soll schön werden, und wir freuen uns jetzt schon am Plätzchenbacken, an Deko-Sternen und Schmuck-Engelchen. Wir freuen uns am warmen Kerzenlicht, am Adventskranz und Adventskalender. Advent ist die Zeit der Erwartung.

Lied: Macht hoch die Tür (EG 1)

Psalm 24

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! – Wer ist der König der Ehre? – Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit. – Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! – Wer ist der König der Ehre? – Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre.

Gebet

Jesus Christus, auf dich warten wir nicht vergeblich. Du wirst kommen und uns deine Nähe schenken. Wir bitten dich: Mache uns bereit, in dieser Adventszeit dich zu empfangen. Der du lebst und regierst jetzt und alle Zeit. Amen

Ansprache

Liebe Leser*innen, ich möchte heute mit Ihnen über ein Lied aus unserem Gesangbuch nachsinnen, das mir in jedem Jahr immer wieder neu gefällt. Ein Text voller wunderschöner Bilder, mit einer alten und doch hochmodernen Theologie, voller Sehnsucht und Trost, voller Liebe zu Gott und einem intensiven JA zum Leben: O Heiland, reiß die Himmel auf (EG 7) von Friedrich von Spee.

  1. O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf; reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für.

Das ganze Lied ist ein Gebet und nimmt die Verse aus dem Jesajabuch Kapitel 63, 3.15-64,8 auf. Es bittet um das Kommen des Heilandes, sehnsuchtsvoll erwartend, voller drängender Hoffnung. Komm, Gott, öffne den Himmel, sprenge die Barrieren zwischen Mensch und Gott, komm von deiner Seite, öffne du, was uns nicht zugänglich ist, ebne uns den Weg zu dir, die wir diesen Weg aus eigener Kraft nicht gehen können. Komm, Gott, reiß den Himmel auf, wie die Sonne die Wolken aufreißt und das helle Licht auf die Erde schickt. Komm, Gott, komm zu uns herab, überwinde den Abstand, den Graben, schlag die Brücke von dir zu mir. – Gott kommt zu den Menschen, mächtig und herrlich. Friedrich von Spee beschreibt es in wunderbaren Bildern aus der Natur.

  1. O Gott, ein’ Tau vom Himmel gieß, im Tau herab, o Heiland, fließ. Ihr Wolken brecht und regnet aus den König über Jakobs Haus.
  2. O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd, dass Berg und Tal grün alles werd. O Erd, herfür dies Blümlein bring, o Heiland, aus der Erden spring.

Gott kommt, mit der sanften und zarten Macht der alltäglichen Naturereignisse. Gott kommt wie Tau, der an einem Sommermorgen kühl auf den Gräsern liegt, alles befeuchtet und im ersten Licht der aufgehenden Sonne glitzert wie Juwelen, wie Regen, den die Wolken aus sich fließen lassen; weich und ergiebig, der die Haut streichelt, der die Erde duften lässt nach Fruchtbarkeit und Wachstum. Wie Tau und Regen kommt der verheißene König Israels, der verheißene Messias, der verheißene Retter der Menschheit, der Sohn Gottes. – Und die Erde antwortet, wölbt sich entgegen, bewegt sich, öffnet sich, bringt hervor, gebiert das Leben, neues Leben, neue Lebendigkeit, aus ihrem Zentrum, aus dem Segen Gottes: Berge und Täler begrünen sich, wie im Frühjahr, wenn die Natur vor werdendem Leben überläuft. So kommt die neue Pflanze aus dem alten Baumstamm, so erwächst aus Davids Stamm der Heiland, der Heil bringt und neues Wachsen in den Winter der Welt.

  1. Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt? O komm, ach komm vom höchsten Saal, komm, tröst uns hier im Jammertal.
  2. O klare Sonn, du schöner Stern, dich wollten wir anschauen gern; o Sonn geh auf, ohn deinen Schein in Finsternis wir alle sein.

Aus dem Himmel, von oben, aus dem Bereich des Heils, kommt Gott hierher, zu uns, in eine Welt, in der Not und Leid, Jammer und Schmerzen, Verzweiflung und Trauer zum Leben gehören. In diese dunkle Welt, in unsere Dunkelheiten, unsere Traurigkeiten scheint Gottes Licht hinein wie eine strahlende Sonne. Gerade jetzt in der Winterzeit fehlt vielen Menschen die Sonne, ihr Licht, das uns Lebensenergie gibt, das uns wärmt, das die Pflanzen wachsen lässt. Wo das Licht der Sonne fehlt, herrscht Dunkelheit, äußere Dunkelheit, die nach innen strahlt. Wo Gottes Licht fehlt, herrscht innere Dunkelheit, die nach außen strahlt, die weitere Not, Leid, Trauer erzeugt. – „Gottes Liebe ist wie die Sonne“ sagt ein Kinderkirchenlied. Gottes Liebe ist eine ansteckende Sonne: Sie entzündet in den Herzen der Menschen lichte Wärme, die die Welt verändert, die Finsternis erhellt, die Raum greift in einer Welt, in der die Finsternis immer wieder überhand zu nehmen droht. – Gott kommt wie die Sonne und erleuchtet die Finsternis, langsam und stetig, wie in wenigen Tagen die Sonne im Tageslauf umkehren wird und die Tage wieder länger werden. Gott kommt in die Welt, in unser Herz.

  1. Hier leiden wir die größte Not, vor Augen steht der ewig Tod. Ach komm, führ uns mit starker Hand vom Elend zu dem Vaterland.
  2. Da wollen wir all danken dir, unserm Erlöser, für und für, da wollen wir all loben dich zu aller Zeit und ewiglich.

Aus der Zerrissenheit unseres Lebens reißt er uns heraus, der Heiland, der das Heil bringt, die Verheißung, dass am Ende unseres Lebens nicht der letzte Riss, sondern Heilung steht. Was zerrissen und unvollkommen war, soll heil werden. Wo wir versagen und die Geister nicht vertreiben können, wird Gott die Wunden verbinden. Er löst die Knoten in unseren Seelen und die Bänder um unsere Herzen. Er löst das Leben, dass es wächst und sich ausbreitet.

Gott kommt vom Himmel auf die Erde, damit wir von der Erde in den Himmel kommen, damit unsere Welt weiter wird, zu Gott hin. Amen

Lied: Nun jauchzet all, ihr Frommen (EG 9)

Fürbittengebet / Vaterunser

Gott, wir danken dir, dass du zu uns kommst, getrieben von Liebe und der Sehnsucht, uns nahe zu sein, uns herauszurufen aus allem, was uns lähmt und gefangen hält, und uns glücklich zu machen in Gemeinschaft mit dir.

Wir bitten dich: Komm zu allen, die zu erschöpft sind, um noch auf irgendetwas zu hoffen, für die jeder Tag wie ein Berg ist, die froh sind, wenn die Adventszeit vorbei ist, weil sie dann ihre innere Leere nicht mehr so spüren: Hülle sie ein in deine Nähe und schenk ihnen neue Kraft.

Komm zu denen, die das Leben enttäuscht hat, die hart geworden sind,
die sich und die Welt aufgegeben haben und über deine Verheißungen nur noch spotten. Erwecke sie auf`s Neue zu Hoffnung und Mitgefühl.

Komm zu denen, die Hunger und Elend leben, deren Leben bedroht ist
von Gemeinheit und Gewalt. Komm zu den Kindern, die um ihre Kindheit betrogen werden, die sehen müssen, was ihre Seele beschädigt und ihnen ihre Träume nimmt. Steh ihnen bei. Tröste und heile sie mit dem Geist deiner Barmherzigkeit.

Gott, wir bitten dich: Komm und schaff Frieden in unserem Herzen und in unserer Welt, lehre uns, die Spaltung in unserer Gesellschaft zu überwinden, und nimm uns mit auf den Weg mit dir in eine neue Zeit.

Vater unser im Himmel, …

(Adventssegen)

Der Herr segne euch im Advent; er schenke eurer Seele Ruhe, um sich auf ihn auszurichten.

Er lasse den Tau des Himmels auf euch herabkommen, damit sich euer müder Glaube erfrische.

Er schenke euch die Geduld für sein Kommen, auf dass ihr sehen werdet, wer er ist: Immanuel – Gott mit uns.

So segne und behüte euch der dreieinige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Bleiben Sie behütet und gesund!

Ihre Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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