Andacht 10. So. n. Trinitatis 08.08.2021 von Prädikant Dr. Thomas Mandel

Shalom.
Friede sei mit Dir.

An jedem 10.Sonntag nach Trinitatis feiern die evangelischen Kirchen diesen Sonntag als Gedenktag an unsere jüdischen Schwestern und Brüder, denn auch Jesus war Jude.
Seine Aussagen im Neuen Testament wurzeln in der jüdischen Glaubenstradition und damit in der Torah.

So soll dieser Sonntag Anregung für uns Christen sein, sich mit den jüdischen Wurzeln unseres christlichen Glaubens zu beschäftigen, ihnen nachzuspüren und vielleicht neue oder auch überraschende Erfahrungen zu machen.

Leider ist auch heute wieder Antisemitismus und Antijudaismus im wahrsten Sinne alltäglich geworden-trotz Holocaust und Shoa. Als es im Mai d.J. wieder zu Kampfhandlungen und Bombardierungen zwischen palästinensischen Terroristen der Hamas und Israel kam, wurde auch in Deutschland gegen Juden protestiert.

Gebet:

Wir denken an die Menschen, zu denen Du zuerst gesprochen hast und Dich ihnen in unterschiedlicher Weise gezeigt hast:
Als Schöpfer, als Versöhner, als Erlöser.
Mose hat Dich im brennenden Dornbusch erfahren, Elias im Windhauch.
Du hast gestritten mit Jakob und ihn dann Israel genannt (Gott streitet).
Mit Hiob hast Du ausgiebig über das Leiden diskutiert.
Wie erfahren wir Dich?
Wir bitten Dich um deine Nähe, die dein hebräischer Name auch uns verheißt: Ich bin da.
Amen.

Andacht:

Die Basis der jüdischen Religion ist die Torah- die ersten 5 Bücher des Alten Testaments.
Eine der für mich schönsten Textstellen darin ist die folgende, die ich Ihnen nun in der Originalsprache Hebräisch aufschreibe:

jewarechecha Adonai wejischmerecha

ja’er Adonai panaw elecha wichuneka

jissa Adonai panaw elecha wejasem lecha schalom

 

Mit diesen Segensworten hat Gott sein auserwähltes Volk Israel gesegnet.

Es ist der sog. Priestersegen- Birkat kohanim-; er wurde Mose und seinem Bruder Aaron von Gott für das Volk Israel gegeben, die Worte stehen bei Numeri(5.Buch Mose) 6, Vers 22 ff.

Sie kennen ihn als sog. aaronitischen Segen, den wir immer am Ende des Gottesdienstes sprechen.

Ich empfinde diesen Text als einen der schönsten Torah-Texte, nicht nur da die Worte so klangvoll sind, sondern da uns darin mitgeteilt wird, dass wir behütet also beschützt sind.
Und zudem wird uns zweimal mitgeteilt, dass wir angesehen werden und im Licht stehen, so wie wir sind.
Es wird kein grelles Scheinwerferlicht auf uns gerichtet und wir werden weder ausgeleuchtet noch durchleuchtet. Wir werden gnädig betrachtet, nicht bloß gestellt oder kritisiert.
Und dieses Licht strahlt auch von uns ab auf andere, wir reflektieren förmlich dieses Licht an andere Menschen.
So ist dieser Segen ein Liebesbeweis Gottes primär an das Volk Israel, sein Volk – und wir Christen dürfen daran teilhaben, da Jesus Jude war.
Uns begleitet dieser Segen immer beim Übergang vom Gottesdienst zum Alltag; er trägt uns förmlich in den Alltag, wir sind gesegnet und sollen ein Segen für die Andere und den Anderen sein.

Ich wünsche Ihnen diese Erfahrung des gnädig   Angesehen- Werdens und die persönliche Erfahrung dieses Lichtes auf dem Weg zu einem Leben im Shalom.

Amen.

Da der Gottesname heilig=kadosh ist, darf er in der jüdischen Tradition nicht genannt werden. Deshalb werde ich auch in der Fürbitte heute traditionelle hebräische Worte für den Gottesnamen verwenden, wie Hashem (Name) oder Adonai (Herr) oder Eli (Götter) oder Elohim (Gott)oder Shaddaj (Allmächtiger).

Fürbitten

So wie Berge um Jerusalem sind, so schützt Adonai sein Volk Israel.
Elohim wir bitten Dich um Frieden für Israel, seine Nachbarn und für die gesamte Welt.
Wir bitten Dich, Hashem, dass wir unseren Nächsten lieben können wie uns selbst.
Wir bitten Dich Elohim, dass Du immer vor, hinter, unter und über uns bist, wie Du dies seit Generationen verheißt. Dass Du bei uns bist im Weinen und in der Freude.

Und dies bitten wir insbesondere für unsere Mitmenschen in den Flutgebieten der Ahr und der anderen Flüsse in Rheinland-Pfalz und NRW.
Shaddaj, so unterschiedlich deine Namen sind, so unterschiedlich sind auch wir Menschen. Du hast dies so gewollt. Du betrachtest jede und jeden von uns gnädig und stellst uns in dein Licht, dass auch wir leuchten.
Daher lass uns diese Vielfalt bei unseren Mitmenschen achten und nicht verachten. Stelle uns alle in Dein gnädiges Licht.

Und daher bitten wir Dich -Allmächtiger- auch um Kraft, Zuversicht und dein Licht für alle Menschen, die krank sind, die Leid tragen, Not erleben und sich dem Lebensende nähern: sei bei ihnen mit deinem Frieden und behüte sie.

Und wir bitten Dich, dass Du bei uns bleibst, wie dein Name das verheißt, dass Du uns Vater und Mutter bist.

Amen.

 

Der Herr segne und behüte Dich.
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über Dir und sei Dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden.

Dr. Thomas Mandel, Prädikant

 

 

 

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