Andacht 12. So. n. Trinitatis, 22.08.2021, von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

  • Beitrags-Kategorie:Andacht
  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare

„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ (Jes 42,3) Mit dem Spruch für die heute beginnende neue Woche begrüße ich Sie recht herzlich.

Psalm 147 (Meditation)

Gott zu loben, ist ein köstlich Ding, und ihn zu preisen tut meiner Seele gut. In Gottes Haus finden Zuflucht, die auf ihn trauen, und den Verstreuten gibt er Heimat. Gott ist bei denen, die zerbrochenen Herzens sind, tröstet sie und heilt ihre inneren Wunden. Kein Stern, den er nicht zählt, und kein Mensch, dessen Namen er nicht kennt. Gott richtet die Elenden auf und stößt die Stolzen vom Thron. Gott freut sich über alle, die ihm vertrauen und auf seine Güte trauen. Gott zu loben, ist ein köstlich Ding, und ihn zu preisen tut meiner Seele gut. Amen.

Lied: Wir haben Gottes Spuren festgestellt (EG+ 112, 1-3)

Andacht zu Mk 7,31-37

Und als er wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, dass er ihm die Hand auflege. Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und spuckte aus und berührte seine Zunge und sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf! Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig. Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen. Je mehr er’s ihnen aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus. Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hören und die Sprachlosen reden.

Liebe Gemeinde,

die Angestellten haben Feierabend. Der Arbeitgeber bittet seine Mitarbeiter, sich für den Notdienst bereit zu halten. „Rufbereitschaft“ heißt das im Dienstplan von Hilfs- und Rettungsdiensten, bei Ärzten, Apotheken, bei Polizei, Feuerwehr und der Energieversorgung. In der Freizeit können die Angestellten machen, was sie wollen; aber sie müssen über den Piepser, das Telefon oder ihr Handy erreichbar sein, wenn sie zum Dienst für ihre Mitmenschen gerufen werden. Einen Dienst haben auch die Leute im heutigen Evangelium einem Taubstummen erwiesen. Er konnte sich selbst nicht helfen. Er brauchte andere Menschen. Es heißt im Evangelium: „…. Und sie brachten zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, dass er ihm die Hand auflege…“. Die Leute wollten, dass der Taubstumme wieder hören und reden konnte. Stellen wir uns vor, wir könnten keine Musik mehr hören und würden nichts mitbekommen, wenn Menschen neben uns sich unterhalten. Das wäre für uns ein bitteres Los. Ich erinnere mich an einen oscargekrönten amerikanischen Film aus dem Jahr 1987: Gottes vergessene Kinder – heißt er und erzählt die ergreifende Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe: James kommt als Lehrer an eine Taubstummenschule, wo er sich gleich am ersten Tag in die 25-jährige ehemalige Schülerin Sarah verliebt. Sarah hat sich aufgrund ihrer Erfahrungen in der Welt der Hörenden völlig verbittert zurückgezogen und arbeitet als Putzfrau in der Schule. Ganz behutsam gelingt es James, die junge Frau aus ihrer Isolation herauszuholen… „Gottes vergessene Kinder“ wurden die Gehörlosen im Film genannt. Sind sie wirklich vergessen? Wenn wir in Illustrierten blättern, bekommen wir einen solchen Eindruck. Wir sehen da fast nur Bilder von Menschen, die jung und gesund sind, die schöne Kleider tragen und prächtige Wohnungen haben; fast nie sehen wir Menschen, die krank, alt oder behindert sind. Dass die Taubstummen nicht vergessen sind, verdanken wir Jesus und dem Evangelisten Markus, der die Geschichte von der „Heilung eines Taubstummen“ in sein Evangelium aufgenommen hat. Jesus war östlich des Jordan im heidnischen Gebiet unterwegs. Er war früher schon einmal in dieser Gegend. Damals hatte er einen seelisch Kranken geheilt. Er war im Dorf bekannt. Und die Leute richteten an ihn die Bitte: Lege dem Taubstummen die Hand auf und berühre ihn. Und Jesus tat das auf seine Weise. „Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und spuckte aus und berührte seine Zunge und sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf! Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig.“ Eine große diakonische Einrichtung in Schwalmstadt-Treysa heißt Hephata. Ich selber habe dort meine Ausbildungen zur Erzieherin und Diakonin absolviert. Dort gibt es viele Häuser für Menschen mit Behinderungen. Hunderte von Menschen leben und arbeiten in Hephata. Viele Einheiten und Wohnstätten. Alle zusammen beruhen namensmäßig auf einem einzigen aramäischen Wort, das Jesus in unserem heutigen Predigttext spricht: Hefata. Heutzutage können Gehörlose verschiedene Berufe ausüben. Sie haben ihre Vereine und ausgebildete Lehrer. Früher war das nicht so. Den Anfang dieser Entwicklung machte einst Jesus. Doch bei allem Fortschritt bleiben Gehörlose Behinderte. Sie müssen um ihr Recht kämpfen. Und jene, die sich für Behinderte einsetzen, verdienen unsere Aufmerksamkeit. Im Evangelium heißt es weiter: „Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen. Je mehr er’s ihnen aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus.“ Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht. So wurde das Evangelium aufgeschrieben und überliefert um aufzuzeigen, dass Jesus der Messias ist. Und alle die von dem wunderbaren Geschehen hörten, staunten und glaubten.

Es ist uns bekannt, dass man in den Familien nicht mehr aufeinander hört und immer weniger miteinander spricht. Das ist eine ungute Entwicklung. Wie kann da Heilung geschehen? Wie kann Jesus heute seine Finger in die Ohren legen und die Zunge berühren? Es muss das Gespräch miteinander beginnen, wenn Heilung geschehen soll. Eine Aktion muss es nicht sein. Es könnte schon genügen, wenn zwei Menschen, die lange nicht mehr miteinander gesprochen haben, wieder aufeinander hören und miteinander reden. Ein Anfang wäre dann gemacht. Im Blick auf das Heilungswunder Jesu, liebe Gemeinde, sind wir diejenigen, denen Gehör und Sprache wieder gegeben werden soll, und wir sind auch jene, die die Taubstummen zu Jesus bringen sollen. Aus unserer Hörbereitschaft könnte dann die Rufbereitschaft für die Frohe Botschaft Jesu werden. Amen.

Lied: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt (EG 638, 1-3)

Fürbittengebet / Vaterunser

Du Gott, Licht im Dunkel der Welt, öffne mit dem Glanz deiner Herrlichkeit unsere Augen, damit wir deine Wunder sehen in dieser Welt. Wir bitten dich für alle, die krank sind oder mit einer Behinderung leben müssen. Schenke ihnen das Licht deiner Liebe und stelle ihnen hilfreiche Menschen zur Seite. Wir bitten dich für alle, deren Herzen erfüllt sind von Trauer und die unter dem Verlust eines geliebten Menschen leiden. Wir bitten dich für alle, die unter Ungerechtigkeit und Gewalt leiden und deren Leben gezeichnet ist von Krieg und Terror. Wir bitten dich für uns,   dass wir auf dein Wort hören und deiner Weisung folgen.

Lass unsere Ohren nicht verschlossen sein vor der Stimme unseres Nächsten, der in Not ist. Wir bitten dich für uns, dass du unseren oft verschlossenen Mund wieder öffnest, damit wir deinen Namen preisen.

Vater unser im Himmel, …

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen + + +

Es grüßt Sie herzlich, Ihre

Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

 

Bleiben Sie behütet und gesund!

Schreibe einen Kommentar