Andacht 13. So. n. Trinitatis, 11.09.2022, von Diakonin/Prädikantin Margaretha Eidam

  • Beitrags-Kategorie:Andacht
  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes   Amen

Herzlich grüße ich alle Leserinnen und Leser am 13. Sonntag nach Trinitatis.

Lied: EG 447

Lobet den Herren alle, die ihn ehren; lasst uns mit Freuden seinem Namen singen und Preis und Dank zu seinem Altar bringen. Lobet den Herren!

Psalm 112

Halleluja! Wohl dem, der den HERRN fürchtet, der große Freude hat an seinen Geboten! Sein Geschlecht wird gewaltig sein im Lande; die Kinder der Frommen werden gesegnet sein. Reichtum und Fülle wird in ihrem Hause sein, und ihre Gerechtigkeit bleibt ewiglich. Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis, gnädig, barmherzig und gerecht. Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht und das Seine tut, wie es recht ist! Denn er wird niemals wanken; der Gerechte wird nimmermehr vergessen. Vor schlimmer Kunde fürchtet er sich nicht; sein Herz hofft unverzagt auf den HERRN. Sein Herz ist getrost und fürchtet sich nicht, bis er auf seine Feinde herab sieht. Er streut aus und gibt den Armen; seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich. Amen

Tagesgebet

Herr Jesus Christus, wenn wir Gemeinschaft mit Dir haben wollen, dann finden wir Dich bei denen, die unsere Hilfe brauchen. Öffne unsere Herzen, dass wir weitergeben, was wir von Dir empfangen haben. Das bitten wir dich, der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und regierst in Ewigkeit. Amen

Der Friede Gottes sei und bleibe bei euch allen. Amen

Text zur Predigt 1.Mose 4 1-16

Und Adam erkannte seine Frau Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain und sprach: Ich habe einen Mann gewonnen mithilfe des Herrn. Danach gebar sie Abel, seinen Bruder. Und Abel wurde ein Schäfer, Kain aber wurde ein Ackermann. Es begab sich aber nach etlicher Zeit, dass Kain dem Herrn Opfer brachte von den Früchten des Feldes. Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der Herr sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick. Da sprach der Herr zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick? Ist’s nicht so: Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie. Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: Lass uns aufs Feld gehen! Und es begab sich, als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot. Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein? Er aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.Und nun: Verflucht seist du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen. Wenn du den Acker bebauen wirst, soll er dir hinfort seinen Ertrag nicht geben. Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden. Kain aber sprach zu dem Herrn: Meine Strafe ist zu schwer, als dass ich sie tragen könnte.Siehe, du treibst mich heute vom Acker, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen und muss unstet und flüchtig sein auf Erden. So wird mir’s , dass mich totschlägt, wer mich findet.Aber der Herr sprach zu ihm: Nein, sondern wer Kain totschlägt, das soll siebenfältig gerächt werden. Und der Herr machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand erschlüge, der ihn fände. So ging Kain hinweg von dem Angesicht des Herrn und wohnte im Lande Nod, jenseits von Eden, gegen Osten.

Herr segne an uns allen dein Wort. Amen

Liebe Leser*innen, erzählte uns nicht das Evangelium gerade von der Barmherzigkeit Gottes? Und von der Liebe, die Gott uns schenkt Und dann diese Geschichte mit dem dunklen schrecklichen Ausgang. Liebe Schwestern und Brüder. Darf ich Sie überhaupt noch so nennen? Die Anrede bekommt nach dieser Geschichte einen anderen Klang. Einen unheimlichen, bedrohlichen Klang. Gerade der Bruder, der Nächste, der aus dem gleichen Stall kommt, der die gleichen Eltern hat, gerade er schlägt zu. Bruder und Bruder. Einander so nah. Bruder und Schwester, Schwester und Schwester. Das Lächeln der Mutter, die Stimme des Vaters, in beiden Kinderherzen haben sie ihre Spuren hinterlassen. Man müsste doch so vertraut miteinander sein. Geschwistergeschichten, viele von uns könnten davon erzählen. Und die Erfahrungen sind selten nur von reiner Harmonie geprägt. Eigentlich sollte es doch eigentlich sein, dass eine für die andere durchs Feuer geht, dass man sich versteht ohne viele Worte, einander beisteht, komme was wolle. Denn Blut ist dicker als Wasser.   Da erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot.Ungezählt sind die Konflikte, die sich zwischen Geschwistern abspielen. Die Eifersuchtsdramen, die Machtspiele und Intrigen das ist die andere, die dunkle Seite der Geschwisterliebe. Kain erschlug den Abel. Jakob betrog Esau Damit begann es, sagt die Bibel.   Mit dieser Mordsgeschichte. Ganz am Anfang, zu Beginn der Welt war es schon so. Da drängt sich die düstere Ahnung auf: Es war immer so, und es wird immer so sein. Wir leben im Schatten dieser Kains-Geschichte. Wir sind Kains Erben. Eine Menschheit jenseits von Eden. Ein Weg der Gewalt wurde beschritten und wir ahnen, wie viele Lichtjahre von dort zu dem Liebesgebot zurückzulegen sind:Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten und auch dich selbst. Aber wo befinden wir uns auf dieser Sternenspur?   Blutiger Krieg in der Ukraine…. Terroranschläge weltweit. Missbrauch an unschuldigen Kindern.

Und so weiter und so fort, vieles ließe sich ergänzen… Liebe Leser*innen, wenn man das alles so aufreiht, wird es unentrinnbar. Dicht ist die Geschichte, die mit Kain begann. Gibt es kein Entrinnen? Ist das schon die ganze Wahrheit? Fängt nicht mit jedem Kind, das geboren wird, etwas Neues an?Mit jedem ersten Schritt, den die kleinen Füße tun, eine neue Möglichkeit. Mit jedem Tag, an dem die Sonne aufgeht, kann etwas anders werden. Es gibt nicht nur Verhängnis und Schicksal. Es gibt auch eine Wahl. Es gibt auch Entscheidungen, Vielleicht könnte es auch einmal anders ausgehen. Deshalb wollen wir noch einmal zu Kain gehen, an den Ort seiner Kindheit, in seinen Alltag, als alles begann. Kain, der Erstgeborene. Das Wunschkind! Mit einem Jubelruf seiner Mutter wurde er im Leben begrüßt. Der Herr hat mir einen Sohn geschenkt! Besser hätte es nicht anfangen können. Später kam der Bruder, der Zweite, das Nesthäkchen. Wurde er von den Eltern bevorzugt? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur: Abel, der Zweite, hatte mehr Glück. Und Kain starrt darauf und kann es nicht fassen. Warum der –warum nicht ich? Warum rackere ich mich ab, und dem anderen fällt alles zu. Warum streng ich mich an, und bleibe immer nur im Schatten, während der andere den ganzen Glanz abbekommt? Eifersucht quält ihn. Aber vielleicht auch etwas anderes.In einem Vers lesen wir dann: Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick. Da sprach der Herr zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick? Ist’s nicht so: Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Den Blick senken, die Augen niederschlagen, was ist das? Kain ist gleichermaßen wütend, neidisch und er schämt sich. Er ist wütend, weil er sich als Erstgeborener zurückgesetzt fühlt. Er ist neidisch und eifersüchtig auf seinen kleinen Bruder. Und er schämt sich vor seinen Eltern. Bei Kain verwandelt sich die Scham in Wut und schlägt zu. Ja, Abel hatte mehr Glück. Immer ist es so. Immer sitzt einem, einer oder eine vor der Nase, die schöner ist, begabter. Der alles glückt.Immer gibt es einen, den die anderen lieber mögen, der im Mittelpunkt steht, die Hauptrolle spielt. Und du bist immer der Dumme. Aber, ich frage dich, Kain, siehst du das eigentlich richtig? Sei vorsichtig, denn der nächste Schritt ist entscheidend. Immer vergleichst du dich mit anderen und wertest dann dein Eigenes ab. Und quälst dich rum mit deiner Enttäuschung.Ja, es sieht so aus, als hätte Gott den anderen mehr gesegnet als dich. Es sieht so aus, als würdigte dich Gott keines Blickes. Ich weiß nicht, was Gott sich dabei gedacht hat. Keiner weiß es. Keiner kann es deuten.Auch Kain, nicht, deshalb sollen und müssen wir vorsichtig sein! Es könnte ja sein, dass Gott etwas mit dir, vorhat. Liebe Leser*innen, wir müssen unseren Schmerz, den wir manchmal im Leben erleiden, nicht verdrängen. Sehen wir uns den Schmerz an. Alles ganz genau .Legen wir die Kränkungen, den Neid, die Verletzungen. und die vielen geweinten Tränen darüber, vor uns hin .und vergessen dabei auch nicht unsere Träume….Was wolltest du nicht alles im Leben erreichen? Denken wir an unsere Kindheitsträume, und verachten sie nicht, aber du weißt, sie werden nicht mehr in Erfüllung gehen.Und dann sieh dir deine Wut über die vielen Kränkungen und Verletzungen im Leben an und dann möchte man schreien : Ich bring dich um, ich möchte dich loswerden, diesen Konkurrenten, diesen Liebling der anderen, diesen Bruder, der dir das Licht nimmt und die Luft zum Atmen, und wenn er nur fort wäre, wäre alles besser…Aber Halt….so sollen wir nicht denken ,wir sind keine Kinder, das ist soviel Kinderkram. Wir sind erwachsen! Wir können und dürfen all das hinter uns lassen und neu anfangen.Legen wir den Stein , so wie ihn auch Kain in der Hand hielt, nieder, dann kann es anders weiter gehen, in Liebe. Liebe Leser*innen, wie oft mag Kain gewünscht haben, er könne das Geschehene rückgängig machen? Die Uhr zurückdrehen. Wie oft mag er davon geträumt haben, sein Bruder, Abel, würde wieder aufstehen von dem Feld. Und das Blut würde endlich schweigen, und er könnte stattdessen die Stimme seines Bruders wieder hören. Aber Abel ist tot. Haben wir Hoffnung, dass es einmal anders werden könnte zwischen Bruder und Bruder, Schwester und Schwester, Mensch und Mensch? Ja, ich habe Hoffnung auch in unserer noch so kalten Welt, denn wir haben Jesus Christus. Der ist vom Acker wieder auferstanden. Er hat mit seinem Blut das Blut Abels von unseren Händen gewaschen. Es kann anders weitergehen mit uns. Jeden Tag. Er ist an unserer Seite und will uns stärken mit Brot und Wein. Er spricht: für dich! Damit dir vergeben ist. Für dich. Damit du leben kannst! Ganz anders. Ganz neu. Mach anders weiter. Amen.

Gebet

Allmächtiger Gott und Vater, mache uns zu einem Werkzeug deines Friedens. Hilf uns, dass wir Böses nicht mit Bösem vergelten, sondern lass uns das Böse mit Gutem überwinden. Mache uns fest in der Zuversicht, dass du letztlich alles richten wirst, aber lass uns darum auch nicht die Hände in den Schoß legen. Wir bitten dich für die Mächtigen dieser Welt, dass auch sie erkennen mögen: Friede kann nicht mit Gewalt erzwungen werden.   Hilf, dass auch sie deine Liebe erfahren, damit sie die Not der Bedürftigen erkennen und Entscheidungen treffen, die allen zum Leben verhelfen. Wir bitten dich für die, die keinen Ausweg aus ihrer Lage wissen, die verzweifelt oder verängstigt sind: Hilf,     dass sie erkennen, wie sehr du auch sie liebst, damit sie erfahren: sie sind nicht allein. Lass dein Licht in unsere dunkle Welt leuchten, damit wir alle den Weg erkennen, der zu Freiheit und zum Frieden führt. Herr Gott, lass uns Gutes tun, denn du hast uns so viel Gutes getan. –

Vater unser …. Amen

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Amen

Ihnen allen wünsche ich eine gute und behütete Zeit

Ihre Margaretha Eidam

Schreibe einen Kommentar