Andacht 14. So. n. Trinitatis, 05.09.2021, von Diakonin Margaretha Eidam

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Liebe Gemeinde, der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Thessalonichi wie es im Leben ums rechte beten und danken gehen kann, auch für uns heute noch Anlass genug, darüber nachzudenken, wo wir doch täglich von ganz unterschiedlichen Medien gewollt oder ungewollt in die Irre geführt werden.

Der Wochenspruch der uns in der neuen Woche begleiten soll steht in Psalm 103 Vers 2 und lautete: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Lied: Nun lasst uns Gott, dem Herren

Gebet:

Herr, unser Gott und Vater!

in deinem Namen sammeln wir uns, um dein Wort zu lesen und darüber nachzudenken. Wir kommen zu dir, der du die Quelle unseres Lebens bist. Als Geber aller Gaben danken wir dir für alles, was du uns in der vergangenen Woche geschenkt hast. Was wären wir ohne die Kraft, die du uns gibst! Was wären wir ohne deine Bewahrung und Hilfe. Was wären wir ohne die Menschen, die du uns, in unseren Familien und Freundschaften schenkst! Amen

Der Friede Gottes sei und bleibe bei euch allen. Amen

Der heutige Predigttext steht im1.Brief an die Thessalonicher im 5. Kap die Verse 14-24

Wir ermahnen euch aber: Weist die Nachlässigen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig mit jedermann. Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach, füreinander und für jedermann. Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch. Den Geist löscht nicht aus. Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt. Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für das Kommen unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft; er wird’s auch tun.

Liebe Gemeinde,

vielleicht kennen einige die Szene noch aus ihrer Kindheit, mir ist sie noch sehr vertraut. Wenn Besuch kam und eine Tante oder ein Onkel von uns drei Kindern zu Hause etwas mitgebracht hatten, z. B. eine Tafel Schokolade was in meiner Kindheit noch etwas Besonderes war, habe ich mich immer sehr gefreut, doch bevor ich reagieren konnte, sagte mein Vater oder meine Mutter, wenn die Großeltern dabei waren auch die: „Gib die feine Hand und sage Danke und schau die Tante oder den Onkel an.“ Als ich später selbst Kinder hatte, merkte ich plötzlich wie lange ich, wir trainieren mussten, bis es die beiden Kleinen gelernt hatten….eine Aufgabe: Sagt immer schön Danke. Nicht, dass das falsch wäre. Bitte und Danke sind so etwas wie das Höflichkeitsschmieröl in unserem Zusammenleben. Ein bisschen kommt mir Paulus in diesen letzten Zeilen, die er in seinem Brief an die Gemeinde in Thessaloniki schreibt und die wir eben als Predigttext gehört haben, auch vor wie ein eifriger Vater oder eine eifrige Mutter, der/die seinem/ihrem Kind Benimm beibringt. Ermahnungen aneinander gereiht wie Perlen auf einer Kette. Nun, wer will sich schon so eine Kette um den Hals hängen oder gar an den Spiegel stecken? „Putz dir die Nase, pack deinen Ranzen, schalt endlich mal den Fernseher aus, trag den Müll raus. Etwas später dann vielleicht: bleib nicht so lange weg, und trink nicht so viel Alkohol. So schicken wir unsere Kinder ins Leben. Und auch noch als Erwachsene werden wir ständig von uns selber oder den anderen ermahnt. Wir stehen ja unter dem Druck der permanenten Selbstoptimierung. „Beweg dich mehr, treibe Sport, achte auf deine Haltung, ernähre dich gesund, kauf fair gehandelte Waren, spare Energie, nimm dir ab und an eine Auszeit.“ Ja selbst im Alter werden wir noch angetrieben. Oft habe ich folgende Worte im Pflegeheim von den Bewohnerinnen und Bewohnern gehört: „Ich muss jetzt in die Turnstunde“, sie meinten damit das Bewegungstraining. Und ausgerechnet am Sonntagmorgen hören wir nun von Paulus auch noch Ermahnungen. Nicht, dass irgendetwas daran falsch wäre, was Paulus so schreibt. Ja manches gehört ja sozusagen zum bürgerlichen oder christlichen Allgemeingut. Böses nicht mit Bösem vergelten, die Schwachen mittragen, geduldig sein. Und wir tun ja irgendwie alle unser Bestes. Oder versuchen es zumindest. Aber so einfach ist das ja gar nicht. Jagt allezeit dem Guten nach, schreibt Paulus. Woher weiß ich denn, was das Gute ist? Neulich schrieb mir meine beste Freundin, nachdem sie Nachrichten geschaut hatte, sie bräuchte jetzt eigentlich einen Seelsorger, manches würde sie sehr bewegen und auch belasten…ich konnte ihr auch nicht wirklich helfen…..was mich traurig gestimmt hat. Ich weiß leider auch nicht, ob unsere verantwortlichen Politiker immer wissen was gut ist. Wie sollten sie auch! Die Lage in der Welt ist komplex und es ist höchst umstritten was gut ist. Aber ganz gewiss macht es jetzt keinen Sinn in dieser Predigt alle Ermahnungen des Apostels auf ihre Sinnhaftigkeit oder Alltagstauglichkeit hin zu untersuchen. Das würde uns alle komplett überfordern, oder auch langweilen. Aber gehen wir in Gedanken noch mal zurück in unsere Kindheit, wir haben so artig Danke gesagt. Hier finde ich nämlich einen wichtigen Unterschied zwischen dem artigen Danke und den Ermahnungen des Apostels. „Seid dankbar in allen Dingen.“ Ich glaube, Paulus meint hier mehr als Bitte und Danke. Mehr als Schmieröl für unser Zusammenleben. Paulus will uns Mut machen, Dankbarkeit als Lebenseinstellung auszuprobieren. Er meint damit wahrscheinlich die Dankbarkeit gegenüber Gott. Wir sind ja ehrlich gesagt gern ein bisschen undankbar und nörglerisch. All das, was nicht gut ist, all das, was uns nicht passt, schieben wir dem lieben Gott, den Genen, der schweren Kindheit, dem Leben oder wem auch immer, sogar uns selber in die Schuhe. Ausgesprochen oder unausgesprochen. Mein kaputtes Knie, mein nerviger Vater, meine undankbaren Kinder, mein langweiliger Beruf, mein vergesslicher Mann, die Weltpolitik, die Umweltzerstörung, meine doofen Haare usw. und sofort….. Und nun sollen wir es mal anders herum versuchen. Ausgesprochen oder   unausgesprochen, meint jedenfalls Paulus. Gott oder dem Leben Danke zu sagen. Danke für den goldenen Rand an der Wolke gestern Abend, danke für die Menschen mit denen wir im Leben gute   Erfahrungen gemacht haben. Danke für die Geduld meiner Kinder mit mir, danke für die Lachfältchen im Gesicht meines Mannes, meiner Frau. Danke für die wunderbare Kirche mit den Blumen hier auf dem Altar… So zu denken und zu danken wäre ein Anfang. Denn, liebe Gemeinde, es geht um Gott. Es geht ums Gotteslob. Nicht um meiner selbst willen Danke sagen, sondern um Gottes Willen. Danke: weil er mich beschenkt, danke: weil es mich gibt, danke: weil es mich noch immer gibt, obwohl ich schon den ein oder anderen Einschlag gespürt habe. Danke: weil es die anderen gibt… Von Paulus lasse ich mir sagen, dass wir das Gott schuldig sind. Nicht, weil wir so gut trainierte Gotteskinder sind, die immer artig bitte und danke sagen, sondern, weil unser Leben ganz und gar Geschenk und unverdient ist. Ich habe mich nicht gemacht. Ich habe meinen Mann, meine Frau und meine Kinder nicht gemacht. Ich darf das einfach alles genießen und nutzen und muss nichts dafür bezahlen. Gnade sagt ein altes Wort dazu. Unsere Dankbarkeit ist die Antwort auf die Gnade Gottes. Diese Gnade Gottes trägt mich durchs Leben und noch darüber hinaus. Wie sagt Paulus am Ende nach allen Ermahnungen: Der Gott des Friedens aber heilige euch durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. AMEN

Fürbittengebet/Vaterunser

Herr Gott, himmlischer Vater, du lässt deine Gnade und Barmherzigkeit offenbar werden unter uns. Dafür danken wir dir und bitten: lass uns das nicht vergessen, sondern stets deine Nähe suchen. Lass uns Gemeinde sein, die ausstrahlt, so dass sich viele Menschen an ihr freuen können und deine Herrlichkeit erkennen. Hilf, dass wir zum Segen für viele Menschen werden. Wir bitten dich um klare Gedanken, um ein wachsames Gewissen, um ein ruhiges, offenes Herz, dass wir deinen Namen mit getrostem Mut verkünden. Wir bitten um Verständnis für unsere Mitmenschen, um Hilfsbereitschaft und um Mut, die Wahrheit zu sagen, wo die Lüge herrscht. Wir bitten dich für die Menschen, die in Not und Bedrängnis sind. Wir bitten für die Kranken und Verzweifelten: lass sie deine Barmherzigkeit erfahren. Wir bitten dich für unsere Kirche, für die ganze Christenheit, dass sie über allem Trennenden eins werde im Glauben, Reden und Handeln.

Wir beten gemeinsam: Vater unser im Himmel…

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich, er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. Amen.

Ihnen allen wünsche ich eine gute Woche, bleiben sie behütet und gesund, Ihre Margaretha Eidam, Diakonin

 

 

 

 

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