Andacht 14. So. n. Trinitatis, 18.09.2022, von Pfarrerin Dr. Anna Scholz

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Friede sei mit Euch! Wir feiern Gottesdienst, heute am Abend. Wir sind hier zusammen, um unseren Herzen und Köpfen eine Pause zu geben im Alltag. Und um gemeinsam Kraft zu tanken, für unser Leben, jede und jeder hier auf seine eigene Art. Wir sind zusammen, um Platz für Hoffnung zu machen. Und das tun wir im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Lied: (EG 446, 1-4) Wach auf, mein Herz und singe

Psalm 103 (EG 742) Ehr sei dem Vater…

Gebet

Gott, manchmal fühlen wir uns verlassen. Wir spüren Deine Nähe nicht, oder es kommt uns sogar vor, als träfe uns ein großer Zorn. Wir fühlen uns welk und kraftlos und ohne Mut. Wir bitten Dich: Hilf uns darauf zu vertrauen, dass Du uns neue Kraft schenkst, wenn wir uns elend fühlen, dass Du unsere Gebrechen heil machst, und uns Freiheit schenkst. Das bitten wir durch Jesus unseren Bruder, der mit Dir uns dem Heiligen Geist lebt und Leben schenkt, heute und an allen Tagen. Amen.

Lied: (EG plus 87) Lobe den Herrn meine Seele

(Jesaja 11)

Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.  Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN.  Und Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des HERRN. Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, noch Urteil sprechen nach dem, was seine Ohren hören,  sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande, und er wird mit dem Stabe seines Mundes den Gewalttätigen schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten.  Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und die Treue der Gurt seiner Hüften.  Da wird der Wolf beim Lamm wohnen und der Panther beim Böcklein lagern. Kalb und Löwe werden miteinander grasen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten.  Kuh und Bärin werden zusammen weiden, ihre Jungen beieinanderliegen, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind.  Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein kleines Kind wird seine Hand ausstrecken zur Höhle der Natter.  Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land ist voll Erkenntnis des HERRN, wie Wasser das Meer bedeckt.  Und es wird geschehen zu der Zeit, dass die Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker. Nach ihm werden die Völker fragen, und die Stätte, da er wohnt, wird herrlich sein.  Und der Herr wird zu der Zeit zum zweiten Mal seine Hand ausstrecken, dass er den Rest seines Volks loskaufe, der übrig geblieben ist in Assur, Ägypten, Patros, Kusch, Elam, Schinar, Hamat und auf den Inseln des Meeres.  Und er wird ein Zeichen aufrichten unter den Völkern und zusammenbringen die Verjagten Israels und die Zerstreuten Judas sammeln von den vier Enden der Erde.  Und der Neid Ephraims wird aufhören und die Feinde Judas werden ausgerottet. Ephraim wird nicht mehr neidisch sein auf Juda und Juda Ephraim nicht mehr feind.  Sie werden sich nach Westen auf die Hänge der Philister stürzen und miteinander berauben alle, die im Osten wohnen. Nach Edom und Moab werden sie ihre Hände ausstrecken, die Ammoniter werden ihnen gehorsam sein.  Und der HERR wird mit dem Bann belegen die Zunge des Meeres von Ägypten und wird seine Hand ausstrecken über den Euphrat mit seinem starken Wind und ihn in sieben Bäche zerschlagen, sodass man mit Schuhen hindurchgehen kann.  Und es wird eine Straße da sein für den Rest seines Volks, das übrig geblieben ist in Assur, wie sie für Israel da war zur Zeit, als sie aus Ägyptenland zogen.

Glaubensbekenntnis

Lied: EG Plus 96, 1,4,5 Ich sing dir mein Lied

Predigt

Jesaja hat eine Vision. Er träumt von einem Ort ohne Angst, einem Safe-Space. Ein Ort, an dem alle Gefühle erlaubt sind. Ein Ort, an dem sich keiner verstecken muss und niemand auf der Flucht ist. Ein Ort, an dem es kein Fressen und Gefressenwerden mehr gibt. Und an dem Du Dich nicht mehr abrackern musst für das, was das Leben von Dir fordert. Ein Ort, an dem alle, die mühselig und beladen sind, einen guten Platz finden. Wo Bosheit und Schaden keinen Raum haben. Ein Ort, wo die Dankbarkeit wohnt. Dankbarkeit, die Du nicht aus Pflichtgefühl empfindest, sondern die Dein Herz einfach erfüllt und überquellen lässt. Die das Leben leicht macht und frei. Jesaja hat diesen Traum. Obwohl, oder vielleicht gerade WEIL er so ganz anderes erlebt. Für Jesaja gibt es diesen Ort nicht, denn er und seine Leute leben in einer riesigen Krise. Die politischen Verhältnisse sind desolat, korrupte Herrscher bringen die Ordnung der Gesellschaft ins Wanken. Und drum herum versuchen sich Großmächte daran, das kleine Land, in dem Jesaja lebt, zu okkupieren und durch gezielte Deportationen der gebildeten Oberschicht zu destabilisieren, ja die Identität der Bevölkerung vollständig auszulöschen. Aber Jesaja gibt nicht auf und malt ein Bild der Hoffnung. Eine Vision des Friedens, die klingt wie ein Märchen. Und er spricht seinen Leuten Mut zu, darüber, wie das sein könnte, wenn der Traum wahr wird:

(Jes 12, 1-6)

Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, HERR! Du bist zornig gewesen über mich. Möge dein Zorn sich abkehren, dass du mich tröstest. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil. Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Brunnen des Heils.  Und ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem HERRN, rufet an seinen Namen! Machet kund unter den Völkern sein Tun, verkündiget, wie sein Name so hoch ist! Lobsinget dem HERRN, denn er hat sich herrlich bewiesen. Solches sei kund in allen Landen! Jauchze und rühme, die du wohnst auf Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir!

In Jesajas Vision da gibt es Trost und Hilfe. Da gibt es Erfrischung und Erneuerung, nach einer Zeit der Angst. Und da gibt es Freude über das, was das Leben dann eben doch bereithält, nachdem Du erlebt hast, wie alles den Bach runtergegangen ist und das Gefühl hattest, Gott meint es auf einmal nicht mehr gut mit Dir. Jesaja träumt. Und er nimmt uns mit in die Welt seines Traums.   Denn ohne Träume können wir nicht leben. – In einer Welt, in der auch heute nicht viel in Ordnung ist. Ein Krieg ist uns nahgekommen. Es gibt Teuerungen und Inflation. Menschen fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, und ja, manchmal scheinen die führenden Politiker tatsächlich etwas planlos und hilflos im Angesicht so einer großen Krise. Und auch bei den Menschen untereinander passieren schreckliche Dinge: Beim Christopher- Street- Day in Münster ist vor kurzem ein junger Mann, der einfach nur in einem Streit helfen wollte, totgeschlagen worden. Und es gibt viele, die in Angst leben, weil sie in ihrer Orientierung oder Hautfarbe nicht der mehrheitlichen Norm entsprechen. Und in einigen amerikanischen Bundesstaaten soll die Prügelstrafe in Schulen wieder eingeführt werden – ja und das im 21. Jahrhundert, in dem es schon solange die Charta der Menschen- und Kinderrechte und so vieles andere gibt, das die Freiheit der Menschen eigentlich schützen soll. Ich bin da manchmal ratlos und möcht´s manchmal auch einfach ausblenden, wie viel in unserer Welt im Argen liegt. Und zugleich schreit es alles hervor aus den sozialen Medien und von den Titelblättern der Zeitungen und aus dem Radio beim Autofahren. Und da fang ich auch an zu träumen. Von einem Ort ohne Angst, einem Safe-Space. An dem es Freiheit gibt und liebevolle Zuwendung für alle. Ein Ort , an dem jede und jeder so sein darf, wie er und sie sich fühlen. Einen Ort, an dem wir zusammen lachen können, und auch weinen. Und wo immer jemand ist, der seine Hand ausstreckt und Dich festhält, wenn Du strauchelst. Und wo keiner den anderen mit schiefem Blick anschaut und hinter vorgehaltener Hand etwas flüstert, nur weil ihm das Leben des anderen irgendwie komisch vorkommt. Ich träum von so einem Ort. Und ich glaube, dass es ihn geben kann, genau hier. Ich wünsch mir, dass so ein Ort in unserer Kirche ist. Das es hier wächst, so ein Reis aus dem Stamm Isais, von dem Jesaja erzählt. Die Menschen, die zu Jesu Zeiten gelebt haben und die sich ihm angeschlossen haben, dass waren ja jüdische Menschen, die Jesajas Schriften kannten und geglaubt haben, dass in ihm, Jesus, etwas davon sichtbar und erfahrbar wird. Von dieser tröstenden Kraft Gottes, der seine Hand ausstreckt und Dir Stärke gibt in allen Nöten, auch wenn sie ja eigentlich genau miterleben mussten, dass die Welt nicht bereit war für eine Botschaft von Liebe und Freiheit und dieser Jesus, aus den sie ihre Hoffnungen gesetzt haben, jämmerlich am Kreuz gestorben ist. Sie haben gespürt: Die Hoffnung darf nicht untergehen, sondern soll auferstehen, immer wieder. Und Resignation und Gleichgültigkeit klein machen. Aus dieser frühen Gemeinschaft ist unsere Kirche gewachsen und über die Jahrhunderte auch in manche Falle getappt und manchen Irrweg gegangen, bis heute. Aber ich möchte das trotzdem immer noch glauben: Dass in all dem, was unser Leben bedroht und uns Angst macht: Auf der Welt im Großen und auch in unseren ganz persönlichen Leben, wo es ja auch nicht immer alles glatt läuft, doch immer wieder eine Hoffnung auf einen neuen Anfang ist. Und ein Trost, der größer ist als das, was wir mit unseren Menschenaugen und Menschenköpfen erfassen können. Einen Tröster, uns aufatmen lässt und uns Flügel verleiht wie Adlern. Und der das dunkle und zerbrochene in Dir und mir und uns allen so anschaut, dass es heil wird und hell, zumindest immer mal wieder für einen Moment. Und dass dieser Trost auch hier wohnt, in unserer Kirche. Und wir ihm zusammen den Weg frei machen können in unseren Herzen, und so zusammen leben, dass es Träume gibt und Hoffnung. Und den Glauben, dass aus einer schlimmen Krise doch auch wieder etwas Neues und Besseres werden kann. Und wir hier zusammen einen Ort dafür haben, an dem wir sagen können und auch zeigen: Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat. Amen.

Lied: (EG 398) In dir ist Freude

Fürbitten

Gott, wir bitten Dich um Trost und Hilfe für unsere Welt in der so vieles kaputt ist. Und für die Menschen, die in Angst und Schrecken leben müssen. Für die Menschen, die krank sind und einsam. Für die, die eine große Trauer bewältigen müssen und manchmal nur noch schwarz sehen können. Und für die, die von Anfang an keine guten Chancen im Leben hatten. Guter Gott, wir bitten Dich um Deine Kraft! – Ja, Gott, wir bitten Dich für unsere Kirche von der wir manchmal ja auch das Gefühl haben, sie interessiert fast keinen mehr. Hilf uns, sie zu einem Ort zu machen, an dem sich alle willkommen fühlen. Hilf uns, in ihr etwas von unserer Hoffnung lebendig zu machen hier im kleinen in unseren Gemeinden, aber auch darüber hinaus in der Welt, die wir mitgestalten. Gott, wir bitten Dich, dass Du uns Kraft gibst zum Fröhlichsein und zum Geduldigsein, auch wenn wir manchmal nicht wissen, wie es weitergeht und uns fürchten. Hilf uns, das Gute, dass uns wiederfährt, nicht zu übersehen. Hilf uns, in unserem Leib und unserer Seele Platz für Dich zu machen und zu wissen: Alles kann neu werden. Guter Gott, wir bitten dich um Hoffnung! – Stille –   Vaterunser…

Lied: (EG 487, 1,2,4) Abend ward, bald kommt die Nacht

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen +++

Bleiben Sie behütet und gesund! Es grüßt Sie herzlich, Ihre Pfarrerin Dr. Anna Scholz

 

 

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