Andacht 15. So. n. Trinitatis, 12.09.2021, von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es um Ihren Glauben bestellt ist? Auch die Jünger damals scheinen sich die Frage gestellt zu haben. Es scheint, als hätten sie ihren Glauben bewertet und festgestellt: Der Glaube, den wir haben, reicht uns nicht. Da ist mehr drin. Also wenden sie sich an Jesus. – So feiern wir diese Andacht im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: Auf und macht die Herzen weit (EG 454)

Gebet

Guter Gott, immer wieder kommt unser Glaube ins Wanken. Wir kämpfen mit unseren Zweifeln oder lassen uns von ihnen unterkriegen. Immer wieder braucht unser Glauben eine Stärkung. Wir bitten dich: Inspiriere und bewege uns und lass uns dich an unserer Seite spüren. Lass diese Andacht zu einer Kraftquelle für uns alle werden. Amen

Psalm 127 (Meditation)

Wenn du, Gott, nicht das Haus baust, arbeiten alle umsonst, die daran bauen. Wenn du, Gott, nicht die Stadt bewahrst, wachen umsonst, die sie bewachen. Es ist alles umsonst, früh aufzustehen oder abends noch lange zu sitzen, und das Brot in Sorge zu essen. Wo aber Gott ist, gibt er den Seinen reichlich. Seinen Freunden gibt er es im Schlaf. Du schenkst uns Segen, Gott, von dir kommt das Leben. Von dir sind unsere Kinder, du bewahrst sie vom Mutterleib an und lässt sie munter aufwachsen.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Ansprache zu Lukas 17,5-6

Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und verpflanze dich ins Meer!, und er würde euch gehorsam sein.

Liebe Leser*innen,

„Klein, aber oho.“, so ist es mit dieser Bibelstelle für den heutigen Sonntag. Sie ist winzig klein, genauer gesagt, eine 42-Wörter-Szene, zwei kurze Verse aus dem Lukas-Evangelium. Aber obendrüber steht dick und fett: Von – der – Kraft – des – Glaubens. Was die Jünger von Jesus erbeten haben, das ist etwas Gutes. Sie baten: „Stärke uns den Glauben!“ Auch wir tun gut daran, als heutige Jünger Jesu so zu beten. Die Antwort Jesu fällt jedoch anders aus, als wir erwarten. Ich selbst muss gestehen, dass mich seine Antwort sehr überrascht hat, als ich dieses Wort für die Andacht über­dachte. Ich selbst würde für die Glaubens­stärkung raten: Halte dich an Gottes Wort, halte dich an die Sakramente und halte dich zur christ­lichen Gemeinde, dann wird dein Glaube gestärkt werden. Jesus aber ant­wortete: „Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeer­baum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde ge­horchen.“ Sehen wir uns die Antwort Jesu ganz genau an! Das Senfkorn gilt als kleinstes Samenkorn aller Stauden­gewächse in Palästina. „Glaube so groß wie ein Senfkorn“ bedeutet also „winzig­kleiner Glaube“, „aller­geringster Glaube“. Die Sache mit dem Maulbeer­baum ist der Inbegriff des Un­möglichen. Maulbeer­bäume sind besonders fest und tief im Erdreich ver­wurzelt. Es ist absolut un­vorstell­bar, dass so ein Baum sich selbst ent­wurzelt, wie von Geister­hand zum Meer fliegt, dort im Salzwasser Wurzeln schlägt und weiter­wächst. Jesus drückt also sehr an­schaulich Folgendes aus: Wenn ihr auch nur den aller­geringsten Glauben hättet, dann könntet ihr Un­mögliches voll­bringen. Oder, wie er ein andermal gesagt hat: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“ (Markus 9,23). Diese Antwort Jesu kann uns schockie­ren, denn sie stellt den Glauben der Jünger in Frage, und sie stellt auch unsern Glauben in Frage. Oder trauen wir uns zu, mit unserm Glauben Un­mögliches zu voll­bringen? Ich denke nicht. Wenn aber schon der aller­kleinste Glaube Un­mögliches voll­bringen kann, dann müssen wir uns fragen, ob wir denn überhaupt Glauben haben. Und hatten die Jünger damals überhaupt Glauben? Man kann also aus Jesu Antwort heraus­hören: Euren Glauben soll ich stärken? Habt ihr denn überhaupt Glauben? Wenn ihr auch nur ein kleines bisschen Glauben hättet, dann könntet ihr Un­mögliches tun! Ja, es ist äußerst über­raschend und irri­tierend, aber Jesus macht den Jüngern mit diesem Wort ihr ganzes Glaubens-Selbst­bewusst­sein kaputt. Er lässt sie (und uns) an unserem Glauben ver­zweifeln. Halten wir an dieser Stelle einmal inne und denken wir darüber nach, was denn eigentlich solch ein Glaubens-Selbst­bewusst­sein ist, das Jesus hier zerstört. Könnte es nicht sein, dass die Jünger ein wenig stolz auf ihre Jesus-Nachfolge waren? Immerhin hatten sie doch etwas Besonderes getan: Sie hatten für Jesus ihre Arbeit und ihre Familien verlassen. Sie nannten Jesus ihren Meister, erlebten Großes mit ihm und hofften, in der Gemein­schaft mit ihm Anteil am Gottes­reich zu haben. Nun strebten sie auch noch an, dass ihr Glaube stärker wird. Sie wollten nun richtige Glaubens­protze werden – Menschen, die so fest in der Nachfolge stehen, dass ihnen niemand etwas anhaben kann. Auch hofften sie, durch ihren Glauben große Taten voll­bringen zu können – Wunder, wie Jesus sie tat. Ebenso hofften sie, bedeutende Positionen in Gottes Reich zu erlangen. Ich denke, unter uns heutigen Jesus-Jüngern ist das Glaubens-Selbst­bewusst­sein sicher nicht so aus­geprägt. Aber eigentlich halten doch auch wir recht viel von unserem Glauben. Wir haben ja immerhin einiges gelernt: wir kennen unser Glaubens­bekenntnis, die Zehn Gebote, Psalm 23, das Vaterunser, … Zwar halten wir uns nicht für prefekt, aber wir denken doch, dass wir relativ anständige Menschen sind, die sich redlich um Nächsten­liebe und gute Werke bemühen. Wir würden uns jedenfalls vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn jemand zu uns sagte: Du hast ja eigentlich gar keinen Glauben. Kurz: Auch wir haben ein gewisses Glaubens-Selbst­bewusst­sein. Und es kann uns dabei sogar passieren, dass wir nach unseren Glaubens­maßstäben auf andere herabsehen – dass wir nämlich am Glauben derer zweifeln, die nicht so sichtbar glauben wie wir. Wie oft hört man Christen sagen: Ich habe meinen Glauben!, und es klingt so, als ob sie damit sagen wollten: Zweifelst du etwa daran? Halte mich nur ja nicht für ungläubig! Ich sitze fest im Sattel, mir passiert schon nichts! Solches Glaubens-Selbst­bewusst­sein stellt Jesus, wie gesagt, in Frage. Er tat es nicht nur einmal, sondern immer wieder. Er entlarvte immer wieder schonungs­los die Glaubens­armut seiner Jünger, ihr fehlendes Vertrauen. Als sie beim Sturm auf dem See Genezaret Angst bekamen, da stillte er den Sturm und fragte dann: „Habt ihr noch keinen Glauben?“ (Markus 4,40). Als sie einen epi­leptischen Jungen in Jesu Abwesen­heit heilen wollten und es ihnen nicht gelang, da sagte er ihnen hinterher: „Das liegt an eurem Glaubens­mangel!“ Hätte Christus nicht auch bei uns allen Grund, unsern Unglauben zu schelten? Wovor haben denn wir Angst? Vor wirtschaft­licher Not, vor Be­gegnungen mit bestimmten Menschen, vor Krank­heiten, vor Unfällen, vor Kata­strophen, vor dem Tod? Wo ist denn da unser Glaube? Und wenn wir Gott um etwas bitten für uns und andere, denken wir dann nicht oft im Stillen: Es wird sich ja wohl doch nichts ändern? Wo ist da unser Glaube? Oder wenn wir traurig, nieder­geschlagen und ver­zweifelt sind, tun wir dann nicht so, als wäre Jesus in seinem Grab vermodert und nicht auferstanden? Wo ist da unser Glaube? In Jesu Antwort ist enthalten, was den rechten Glauben ausmacht. Wer Glauben hat wie ein Senfkorn, der kann zu dem Maulbeer­baum sagen: „Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!“, und er wird gehorchen. Bei den Menschen ist es unmöglich, aber bei Gott sind alle Dinge möglich. Nur der, der den Maulbeer­baum und das Meer geschaffen hat, der kann dies bewirken. Jesus will damit sagen: Nicht die Stärke unsers Glaubens bewirkt und bewegt etwas, sondern Gott allein; der Glaube aber traut Gott alles zu. Und so gilt auch: Nicht der Glaube versetzt Berge, sondern Gott, der die Berge geschaffen hat; aber der Glaube traut ihm das zu. Nicht der Glaube macht einen Kranken gesund, sondern Gott, der den Menschen geschaffen hat; aber der Glaube bittet Gott um Heilung und traut sie ihm zu. Nicht der Glaube an sich macht selig, sondern Gott, der allein Sünden vergeben und ewiges Leben schenken kann; aber der Glaube vertraut darauf, dass durch Christi Opfer wirklich alle Sünden getilgt sind und dass ein Mensch in der Taufe dieses Heil zugesprochen bekommt. Der Glaube ist keine Kraft, keine Leistung, keine besondere Begabung, sondern einfach nur die Bitte um Gottes Gnade und das Vertrauen, dass er auch wirklich so gnädig ist, wie er verheißen hat. Liebe Leser*innen, das ist ein großer und wunder­barer Trost für alle, die keine Glaubens­protze sind. Für alle, die mit dem Glauben Schwierig­keiten haben. Für alle, die immer wieder von Zweifeln geplagt werden. Für alle, die wissen, dass sie nur schwan­kende Halme und glimmende Dochte sind. Ist mein Glaube groß genug? Freuen wir uns darauf, dass unser Glaube sich natürlich verändern und dazulernen darf, aber in Gottes Augen immer groß genug und ausreichend ist. Amen

Fürbittengebet/Vaterunser

Wir bitten dich für diejenigen, die erste Schritte im Glauben wagen. Wir bitten dich für Kinder, dass sie alle Fragen stellen dürfen. Wir bitten dich für Jugendliche, dass sie mit ihren Fragen und Zweifeln ernst genommen werden. Wir bitten dich für Erwachsene, die den Mut finden, ihr bisheriges Leben im Licht des Glaubens neu zu betrachten. Wir bitten dich für diejenigen, die schon lange im Glauben unterwegs sind. Wir bitten dich für Ehepaare und Familien, dass sie ihren Glauben gemeinsam leben. Wir bitten dich für engagierte Ehrenamtliche und treue Gottesdienstbesucher, dass sie immer wieder neue Kraft von dir erhalten. Wir bitten dich für diejenigen, die in diesen Wochen und Monaten in ihrem Glauben schwanken. Wir bitten dich für Kranke und Leidende, dass du sie heil machst. Wir bitten dich für Trauernde, dass du ihnen nah bist und sie tröstest. Wir bitten dich für Einsame, dass du ihnen deine Gegenwart schenkst und ihnen andere Gläubige schickst.

Vater unser im Himmel,…

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich; er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; er erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.

Amen, Amen, Amen.

 

Bleiben Sie behütet und gesund!

Es grüßt Sie herzlichst Ihre

Sabine Klatt, Diakonin/Prädikantin

 

 

 

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