Andacht 15. So. n. Trinitatis, 25.09.2022, von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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Im Namen Gottes, des Vaters, der uns das Leben schenkt und erhält, im Namen Jesu Christi, des Sohnes, der uns erlöst und befreit, und im Namen des Heiligen Geistes, der uns zur Gemeinde verbindet. Amen.

Lied: Morgenlicht leuchtet (EG 455)

Psalm 127,1-2

Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst. Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

Gebet

Herr Jesus Christus, wir hören, wie du zu uns sagst: „Sorgt euch nicht um euer Leben.“ Aber wir können uns nicht recht auf deinen Ruf einlassen. Wir können es nicht lassen, uns zu sorgen und zu ängstigen um unser Leben. Befreie uns von unserer Sorge und unserer Angst vor dem Leben. Hilf uns, dass wir auf dich vertrauen, der du täglich für uns sorgst. Lass uns – frei von der Last unserer Sorge – dir den Weg bereiten, damit das Reich der Himmel sich unter uns ausbreite. Amen.

Evangelium Mt 6,25-34

Lied: So jemand spricht: Ich liebe Gott… (EG 412, 1-4+7-8)

Predigt Gal 5,25-6,10

Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden. Brüder und Schwestern, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid. Und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.   Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern. Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen. Wer aber unterrichtet wird im Wort, der gebe dem, der ihn unterrichtet, Anteil an allen Gütern. Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten. Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen. Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.

Liebe Leser*innen, Carpe diem – nutze den Tag, kaufe den Augenblick aus. So kann man die vielen unterschiedlichen Ermahnungen des Apostels Paulus im heutigen Predigttext wohl in aller Kürze zusammenfassen. Nutzt den Tag, konzentriert euch auf das Wesentliche im Leben, und vergeudet eure Lebenszeit nicht mit Umwegen und erst recht nicht mit Abwegen. Carpe diem – die Weisheit des antiken Dichters Horaz, lässt sich jedenfalls auch auf Christenmenschen anwenden. Paulus beschwört seine Gemeinde geradezu, den Weg des Geistes einzuschlagen. Gott selbst lässt sich nicht an der Nase herumführen. Er sorgt dafür, dass Menschen zu gegebener Zeit das zurückerhalten, was sie gesät haben! Wer sich selbst auf Wege begibt, die nicht gut sind, wird irgendwann durch sein Gewissen wieder eingeholt, wird darunter leiden, dass er oder sie nicht so gehandelt hat, wie er es für gut befunden hätte. Wie aber nutzt man nun nach Paulus den Tag? In welchem Geist soll man ihn angehen? – Drei Schwerpunkte zeichnen sich gegen Ende des Galaterbriefes ab, in dreilei Weise wird der Geist besonders charakterisiert, der Christenmenschen prägen sollte: Es ist ein Geist der Solidarität mit den Schwachen, ein Geist der Demut und ein Geist der Wohltaten. Solidarität tut gut! Das gilt besonders auch dann, wenn wir im Gegenüber Schwachstellen und Fehler entdecken. Menschen neigen besonders dazu, solche Fehler bei anderen festzustellen. Es tut vermeintlich einfach gut zu sehen, dass der oder die andere noch viel mehr Fehler hat als man selbst. Darüber reden hilft mir, mich selbst in einem besseren Licht zu sehen. Vom Lästern bis hin zur üblen Nachrede dürfte uns all das bekannt sein. Unangenehm wird es, wenn das Gegenüber mitbekommt, dass man vor anderen über dessen Fehler spricht und ihn damit als Mensch verurteilt.

Wirklich weiter führt ein solches Gerede nicht – ganz im Gegenteil! Das Gegenüber versinkt dadurch nur noch immer tiefer in dem Morast seiner Verfehlungen. Paulus ermahnt nicht nur damit, mit den Fehlern der anderen solidarisch und mit Sanftmut umzugehen, ja, ihre Lasten sogar mitzutragen. Er ermutigt vielmehr auch, das eigene Päckchen, das man mit sich selbst herumträgt, nie aus dem Blick zu verlieren. Er ermutigt zum Geist der Demut. Demut ist eine Tugend, die heutzutage sehr unpopulär geworden ist. Demut wird als unnötige, ja, sogar zerstörerische Selbsterniedrigung verstanden: „Mach dich doch nicht selbst klein, steh zu dir! Du bist großartig und hast alle Möglichkeiten in der Hand!“ So hören wir es in unserer Zeit in der Regel. Menschen müssen heute immer besser, stärker und selbstbewusster sein. Schwächen darf man weder anderen zeigen noch sich selber eingestehen. Das Gefühl, einmal etwas falsch gemacht oder gar versagt zu haben, das darf man zumindest nach außen gar nicht mehr zeigen und eigentlich auch sich selbst nicht eingestehen. Wie selten hört man in unserer Gesellschaft ein: „Ich kann nicht mehr, bitte hilf mir, ich weiß nicht mehr weiter!“ Oder gar ein: „Vergib mir, ich hab da wirklich was falsch gemacht, hilf mir, es besser zu tun!“

Der Geist der Demut ermutigt zu einer realistischen Selbsteinschätzung: Auch ich mache Fehler und darf das auch mal. Mein Ehrgeiz darf Grenzen haben! Es kommt nicht darauf an, vor anderen immer als der Größte, die Beste oder gar der Frömmste dazustehen. Es kommt darauf an, mit mir selbst im Reinen zu sein und mit dem, was mir mitgegeben ist, möglichst das Beste zu machen. Der gute Wille ist dabei entscheidend, nicht das manchmal bescheidene Ergebnis. Wenn Paulus dazu auffordert, sich selbst zu prüfen, dann geht es genau darum: Zu schauen, ob guter Wille bei meinem Tun und Lassen vorhanden ist. Wer dies für sich festhalten kann, der wird auch seine eigene Last, ja selbst sein eigenes Scheitern und Versagen viel besser tragen können. Wer von einem solchen Geist geprägt ist, der braucht nicht zu sorgen. Auch deswegen nicht, weil andere seine Lasten mittragen. Wer in einem solchen Geist sät, der wird – mit den Worten des Paulus – das ewige Leben ernten. Der wird Ruhe finden für sein Gewissen und daher eine gute Zukunft haben. Paulus fordert aber auch den Geist des Wohltuns von seinen Gemeinden, wörtlich: anderen gegenüber „gut“ zu sein. Was Paulus damit genau meint, lässt sich nur erahnen. Wer mit den anderen und mit sich selbst im Reinen ist, kann jedenfalls auch ganz konkret helfen: da, wo Not ist, da, wo Bedürfnisse herrschen. Wahrscheinlich geht es Paulus dabei um die Werke der Barmherzigkeit, wie sie Jesus selbst gefordert hat: Nackte bekleiden, Kranke pflegen, Hungrige satt machen, aber auch Einsamen beistehen, Traurige trösten und Sterbende begleiten. Paulus wird hier nicht konkret, setzt nur eine bemerkenswerte Grenze: In erster Linie soll man sich um die eigenen Glaubensgenoss*innen kümmern. – Das klingt zunächst ausgrenzend! Das klingt so, als ob man die Flüchtlinge an den Grenzen Europas, die Opfer von Krieg und Gewalt in fernen Ländern unserer Welt nicht im Blick haben müsste. Paulus hält aber keineswegs fest, dass man nur denen helfen soll, die einem nahe stehen. Er schreibt vielmehr, dass man ihnen vor allem helfen soll. Das bedeutet eine gewisse Entlastung für diejenigen, die im Geist des Wohltuns handeln. – Wenn man von vorneherein die ganze Welt retten will, dann verliert man schnell den Mut. Paulus sagt dementsprechend: „Konzentriere dich erst einmal auf das, was du schaffen kannst! Werde erst einmal in deinem eigenen Umfeld tätig. Und wenn du mehr zu tun in der Lage bist, dann geh auch selbstverständlich darüber hinaus.“ Dies haben die frühen Christen auch getan: Sie kümmerten sich nicht nur um ihre Glaubensgeschwister in Zeiten von Pest, Verfolgung und Not, sondern um alle Menschen. Sie kauften sogar Opfer von Krieg und Gewalt aus Feindesland frei. Und damit handelten sie sicher auch im Sinne des Paulus. – Carpe diem – nutze den Tag, kaufe den Augenblick aus. Konzentriere dich auf das Wesentliche, lebe in einer Welt mit weniger Sorge und Not! Wer nach dem Gesetz Jesu im Geist der Solidarität, der Demut und des Wohltuns lebt, der oder die dürfte bereits beim Wesentlichen angekommen sein, sich nicht mehr sorgen zu müssen, weil er, Gott, für ihn und sie sorgt. Amen.

Fürbittengebet / Vaterunser

Gütiger Gott, du gibst uns täglich, was wir zum Leben brauchen: das Brot auf unserem Tisch, die wärmende Kleidung, die Liebe und Geborgenheit. Lass uns mehr darauf vertrauen, dass du dich um uns kümmerst, lange bevor wir für uns selbst sorgen. Darum bitten wir dich: Gib uns, was wir für ein erfülltes Leben brauchen, dass wir zu essen und zu trinken haben, dass sich über unseren Köpfen ein Dach spannt und wir in unseren Wohnungen sicher leben. Gib uns, dass wir gebraucht werden in unseren Familien und Gemeinden, dass wir zu unserem Lebensunterhalt mit der Arbeit unserer Hände beitragen. Gib uns, dass wir gesund leben können und in der Krankheit nicht allein gelassen sind, dass wir mit Nachbarn und Freunden in Frieden zusammenleben. Gib uns, dass die alten Menschen in unserer Gemeinde nicht allein gelassen sind, dass sie Menschen haben, die sich um ihre Seele und ihren Lein kümmern. Gib uns, dass die Erde, auf der wir leben, uns und unseren Enkeln und Urenkeln erhalten bleibt, dass der Klimawandel gestoppt wird und wir verantwortungsvoll mit den Rohstoffen umgehen.   Gib uns, dass sich Frieden ausbreitet in unserer Welt, dass nicht die Waffen das letzte Wort haben, dass nicht Krieg und Terror regieren, sondern Verständigung zwischen den Völkern.

Gib, dass auch wir dazu beitragen, mitzubauen an einer Welt, in der Gerechtigkeit sich mehr und mehr ausbreitet. – Vater unser im Himmel,…Amen

Lied: Bewahre uns, Gott (EG 171)

Segen

Der Herr segne und behüte dich, er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen+++

 

Bleiben Sie behütet und gesund! Es grüßt Sie herzlichst, Ihre Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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