Andacht 17. So. n. Trinitatis, 09.10.2022, von Lektorin Gerlinde Abel

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Unser Glaube vertraut darauf, dass es Aussicht gibt auch in scheinbar aussichtslosen Situationen. Es ist ein Glaube, der mit der großen Kraft Gottes rechnet und auf sie hofft. Wir erfahren es so in unserem Leben; so stimmen wir voller Gewissheit ein:   Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. (Wochenspruch   1. Johannes 5,4)

Lied: ( EG+ 96,1-3) Ich sing dir mein Lied

Psalm 73

Du bist doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun. Amen

Gebet

Herr Gott, himmlischer Vater, das Licht vertreibt die Dunkelheit der Nacht. Wir bitten dich: Stelle uns in dein Licht, das du in Jesus Christus der Welt gegeben hast, damit unser Leben hell werde und wir erkennen, was zu unserem Heil und Frieden dient. Amen

Liebe Leser*innen, man spürt es immer wieder, ob ein Mensch mit seinem Herzen dabei ist oder nicht, wenn er etwas sagt. Manchmal haben wir den Eindruck, dass jemand nicht wirklich dahinter steht, wenn er etwas sagt. Wenn wir jedoch den Eindruck haben, dass bei einem Menschen Herz und Mund zusammenpassen – also das, was er sagt und was ihn wirklich im Innersten bewegt – dann ist er für uns authentisch also echt und glaubwürdig. Dann nehmen wir ihm ab, was er sagt. Dann haben seine Worte eine positive Wirkung, dann können sie auch unser Herz erreichen.

Lesung: Römer 10, 9-18

Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet. Denn die Schrift spricht (Jesaja 28,16): »Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.« Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. Denn »wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden« (Joel 3,5). Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jesaja 52,7): »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!« Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht (Jesaja 53,1): »Herr, wer glaubt unserm Predigen?« So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.   Ich frage aber: Haben sie es nicht gehört? Doch, es ist ja »in alle Lande ausgegangen ihr Schall und ihr Wort bis an die Enden der Welt« (Psalm 19,5).

Liebe Leser*innen,

der Apostel Paulus sagt den Christen in Rom in seinem Brief: Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Beides gehört zusammen: Das Bekennen mit dem Mund und der Glaube im Herzen. Wenn nur viele Worte gemacht werden, ohne dass das Herz dabei ist, dann sprechen wir vom Lippenbekenntnis, das eben nicht aus der Tiefe

des Herzens kommt. Wenn allerdings der Glaube im Herzen eingesperrt bleibt und nicht nach außen dringt, dann fehlt auch etwas. Wie ein Glaube, der mit dem Munde bekannt wird, rettet, davon erzählt aufs Schönste das Evangelium dieses Sonntags von der kanaanäischen Frau. Sie glaubt ganz fest bei sich selbst, dass Jesus ihrer kranken Tochter helfen werde. Was sie im Herzen glaubt, das bekennt sie auch mit dem Mund, dreimal. Viele Menschen möchten etwas von solchem Glauben haben. Sie beneiden andere und denken: „ Könnte ich doch auch so glauben wie sie! Dann könnte ich mich wehren gegen meine oft so düsteren Gedanken.“ Wie kommt man zum Glauben, der selig macht und nicht „zuschanden werden lässt“? Paulus sagt, wenn in unserem Herzen die Gewissheit ist, dass der auferstandene Jesus bei uns ist und wenn wir zuversichtlich davon erzählen können, dann ist uns die Tür zum Himmel geöffnet. Dann geht es uns richtig gut. Dann haben wir eine Hoffnung, die über dieses Leben hinausgeht. Aber auch schon jetzt haben wir Trost und Halt im Leben, weil wir glauben, dass Gott unser Leben in seinen Händen hält und wir zu ihm gehören, was auch kommen mag. Weil wir gewiss sind, dass er uns in unserer Taufe dem ewigen Tod entrissen hat. Dann kommt Paulus ins Nachdenken und fragt: Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Ja, wie sollen Menschen zum Glauben an Jesus kommen, wenn sie nichts von ihm wissen, weil sich noch nichts von ihm gehört haben? Damals war das die normale Situation in dieser Welt. Die meisten Menschen hatten noch nie etwas von Jesus gehört bis auf die wenigen Menschen in den paar christlichen Gemeinden, die es gab. „Der Glaube kommt aus der Predigt“, schreibt der Apostel Paulus. Mancher von uns könnte davon erzählen, wie durch Predigten, die er bis heute nicht vergessen hat, Glaube in ihm geweckt und gestärkt wurde. Es gibt aber auch Predigten, auf die kein Glaube folgt?   Paulus hat das selber erfahren müssen. Nicht alle, die seine Predigt hörten, glaubten ihr auch, vor allem die Mehrzahl seiner jüdischen Schwestern und Brüder nicht. Beeindruckt von der Botschaft, dass Gott seinen treuen Sohn Jesus von den Toten auferweckt hat; dass Gott ausgerechnet diesen Gekreuzigten zum Herrn aller Herren gemacht; dass der Gott Israels in Jesu Tod und Auferweckung allen Menschen sein Herz geöffnet hat – weit über die Grenzen seines ersterwählten Volkes Israel hinaus. Aber mit dem Munde bekennen wollte Israel als Ganzes das nicht. Und Paulus konnte es auch nicht erzwingen. Das war ein tiefer Schmerz für ihn. Paulus verzweifelt darüber nicht. Er behält Geduld in seiner rastlosen Arbeit und bleibt fest in der Hoffnung auf den Tag, an dem es einen Gottesdienst gäbe, der von allen Völkern gemeinsam mit Israel gefeiert würde zum Heil der ganzen Menschheit und zum Lobe Gottes. Diejenigen, die seiner Predigt nicht glauben, verweist er darauf, dass dieser Gottesdienst schon begonnen hat, dass bereits eine, wenn auch verstreute, Gemeinde da ist, die in ihren Versammlungen mit dem Munde bekennt, was sie im Herzen glaubt, weil es ihr verkündigt worden ist. Davon, können wir lernen, wenn wir fragen, wie man Glauben bekommen kann, der rettet und selig macht. Nicht allein durch die Predigt bekommen wir ihn. Der Gottesdienst, zu dem wir uns Sonntag für Sonntag versammeln, ist mehr als die Predigt. Im Gottesdienst machen wir miteinander den Mund auf. Wir rufen Gott um Hilfe an, wir loben ihn und danken für seine Zuwendung und bekennen den Glauben miteinander. Die Predigt darf sich darauf beschränken, der Gemeinde ein Stückchen aus der Fülle dessen, was sie glaubt und bekennt, neu lieb zu machen, es ihr neu ans Herz zu legen, und zwar mit verständlichen Worten. Sie hat auszulegen und in die Herzen zu schreiben, was es heißt, mit dem Munde zu bekennen, dass Jesus der Herr ist, weil Gott ihn von den Toten auferweckt und zum Herrn erhöht hat; dass dieser Herr mehr zu respektieren ist als die Mächtigsten der Welt; dass er Herr ist auch über das, was dich ängstigt und was du nicht erzwingen kannst, so sehr du dich auch anstrengst. „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ Wenn du in deinem Innersten berührt worden bist von dem, was du am Sonntag im Gottesdienst zu hören bekommen hast in der Predigt und schon vorher und auch nachher durch das, was alle gemeinsam haben laut werden lassen durch ihr Mundaufmachen beim Singen, Beten und Bekennen, dann regt sich herzlicher Glaube in dir. Dann möchte auch dein Mund übergehen, und du kannst in der neuen Woche zu deinem eigenen Erstaunen, wenn es darauf ankommt, sagen, was du glaubst. Du kannst es vor allem am Ende, wenn du vor Gottes und Christi Richterstuhl stehst, wo dich niemand vertreten kann. Gerade daran denkt der Apostel Paulus. „Da wird einer ja nach nichts anderem gefragt, ob er es fertig bringt, seinen Mund aufzumachen. Wird gefragt, ob er die Liebe Gottes in seinem Herzen hat verkümmern lassen oder ob seine Liebe glücklich geworden ist, durch Reden und Tun in der Gemeinschaft von Menschen. Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater (Mt 10,32). So wird ein Mensch zeitlich und ewig gerettet durch Mundaufmachen des Herzens.“ Amen.

Lied: (EG+ 96, 4+5) Ich sing dir mein Lied

Fürbittengebet/Vaterunser

Jesus Christus, bleibe bei uns mit deinem Licht, das das Dunkel unserer Welt durchdringt. Gib uns Augen, dein Licht zu sehen. Gib uns Herzen, dein Licht aufzunehmen. Gib uns Kräfte, dein Licht weiterzugeben, dass viele Menschen von ihm erfüllt werden und zur Freude finden. Jesus Christus, bleibe uns nahe mit deinem Wort, das den Lärm der Welt zum Schweigen bringt und das Schweigen des Todes zerbricht. Gib uns Ohren, dein Wort zu hören. Gib uns Herzen, dein Wort zu empfangen. Gib uns Worte, dein Wort weiter zu sagen, dass viele Menschen es aufnehmen und zum Leben finden. Jesus Christus, bleibe bei uns mit deinem Sakrament: Zeichen des Lebens, das uns Anteil gibt an dir. Gib uns Hände, dich zu empfangen. Gib uns Herzen, dich zu erfahren. Gib uns Liebe, die in deiner Liebe geborgen ist, die aus dir nehmen und weitergeben kann, dass viele Menschen sich von dir umgeben wissen und Grund haben zur Hoffnung. Jesus Christus, wir danken dir, dass du gekommen bist, zu retten und zu heilen. Dir dürfen wir vertrauen, heute und alle Tage unseres Lebens. Dir sei Ehre in Ewigkeit. – Vater unser im Himmel…

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Amen

 

Bleiben Sie behütet und gesund!

Es grüßt Sie herzlichst, Ihre

Lektorin Gerlinde Abel

 

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