Andacht 17. So. n. Trinitatis, 26.09.2021 von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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Für viele Menschen, die an einem Gottesdienst teilnehmen, hat der Segen, der ihnen am Ende zugesprochen wird, eine besondere Bedeutung. Sie wollen als von Gott Gesegnete zurückkehren in den Alltag, wollen die neue Woche mit dem Segen Gottes beginnen. Was aber bedeutet es, gesegnet zu sein und anderen zum Segen zu werden? Segen ist wie ein Regen, der trockenes Land befeuchtet, der Leben ermöglicht, Wachstum und Gedeihen. Segen ist wie ein Bad in einem kühlen See, das graue Gedanken vertreibt und die Seele erquickt. Segen ist wie ein Schluck Wasser an einem heißen Tag, der die Glieder erfrischt und neue Kraft schenkt. Segen ist wie ein Licht, das dunkle Schatten vertreibt und blockierende Ängste löst. Segen ist wie eine Energiequelle, die innere Stärke schenkt und Verzagende ermutigt. Segen ist wie ein durch Wind geblähtes Segel, das Versuche glücken und Werke gelingen lässt. Gott spricht zu jedem von uns: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“

Lied: Ausgang und Eingang (EG 175)

Psalm 1 (nach Gottesdienst in gerechter Sprache)

Gesegnet sind alle, die der Macht Gottes trauen und nicht erstarren in errechneten Wahrheiten und vordergründigen Sicherheiten. Gesegnet sind alle, die aus der Macht Gottes leben bei Tag und bei Nacht und einstehen für alles, was sich bewegt. Gesegnet sind alle, die nach der Macht Gottes suchen und nicht zufrieden sind mit Brot und Spielen allein.

Gesegnet sind sie wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und dessen Wurzel fest in die feuchte Erde reicht. Gesegnet sind sie wie ein Baum, dessen Zweige sich in den Himmel strecken, dessen Blätter nicht verwelken und der Frucht bringt zur rechten Zeit. Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Schriftlesung 1.Mose 32,23-30

Und Jakob stand mitten in der Nacht auf und nahm seine beiden Frauen und die beiden Mägde und seine elf Söhne und zog an die Furt des Flusses Jabbok, überquerte sie mit den seinen, blieb aber allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm bis zum Morgengrauen. Und als dieser sah, dass er Jakob nicht überwinden konnte, schlug er ihn auf das Gelenk seiner Hüfte, dass sie ausgerenkt wurde. Und der Mann rief: „Lass mich los, denn die Morgenröte bricht an.“ Aber Jakob antwortete: ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich.“ Und er fragte ihn: „Wie heißest du?“, und er antwortete: „Jakob.“ „Du solltest von nun an nicht mehr Jakob heißen“, antwortete der Mann, „sondern Israel, weil du mit Gott und mit Menschen gekämpft und gewonnen hast.“ Da fragte Jakob: „Wie lautet dein Name?“ Er aber sprach: „Warum fragst du wie ich heiße?“ Und statt zu antworten, segnete er ihn.

Ansprache

Jakob ist auf dem Weg zurück in seine alte Heimat. Als erwachsener und erfolgreicher Mann kehrt er zurück zur Stätte seiner Kindheit und Jugend. Was würde ihm dort begegnen? Wer von den Menschen lebte noch, die er vor etlichen Jahren verlassen hatte? Vieles hatte sich seit damals verändert. Vor allem er selbst war ein anderer geworden. Als er vor vielen Jahren aus seiner Heimat floh, hatte er sich den Segen seines Vaters ergaunert. Er hatte dem sterbenskranken Vater vorgespielt, er wäre nicht Jakob, sondern der erstgeborene Esau. Er hatte sich den Erstgeborenensegen erschlichen und seinen Bruder darum betrogen. Und doch hatte der Segen seine Wirkung getan, denn Jakob war inzwischen von Gott gesegnet worden. Gott hatte ihn begleitet, wohin er auch gegangen war und er gab Segen zu allem, was Jakob tat. Ganz äußerlich war Jakob mit Reichtum gesegnet worden, aber auch indem er mit einer Familie beschenkt wurde, mit Liebe, mit Kindern. Wie sehr Jakob gesegnet worden war, zeigte sich gerade jetzt bei seinem Weg in die Heimat. War er damals voller Angst geflohen, allein und hilflos, so kehrte er nun als wohlhabender Familienvater zurück. War er damals als Flüchtling bei seinem Onkel Laban erschienen, so ist er nun in die Familie integriert. War er bisher ein Betrüger gewesen, so besitzt er nun die Erfahrung, dass Gott ihm Segen zuteil werden lässt und er sich nicht mehr alles ergaunern muss. Und doch ist die Rückkehr in die Heimat nicht leicht – wie würde ihm Esau begegnen, den er um den Erstgeburtssegen betrogen hatte? Es muss Jakob schwer gefallen sein, den Grenzfluss Jabbok zu überqueren, um auf der anderen Seite mit dem einst betrogenen Bruder zusammen zu kommen. Er kann nicht einfach mit seiner Familie durch die Furt ziehen. Er muss diese Grenze allein überwinden. Niemand kann ihm diese Entscheidung, diesen notwendigen Schritt abnehmen. Jakob muss den entscheidenden Teil des Weges in die Heimat, in die dunkle Vergangenheit allein gehen, so wie auch wir manche Wege letztlich allein gehen müssen. Als sich Jakob endlich entschließt, den Fluss zu überqueren, da wird er irgendwie daran gehindert. Er kann nicht weiter, wird mitten im Wasser festgehalten – ist es der Gedanke an seine frühere Schuld, der ihn hindert, den Weg in die Heimat fortzusetzen? Wer oder was Jakob auch zurückhält, er begegnet in seinem Gegenüber Gott. Wer oder was Jakob auch zurückhält, er wird in der Auseinandersetzung damit ein anderer mensch, mit einer neuen Identität, einem neuen Namen. Der Kampf zwischen Jakob und seinem Gegenüber dauert lange. Jakob will sich nicht unterkriegen lassen, bis zum Morgen kämpft er mit Gott oder mit seinem Innern, das ihm zum Gegenüber geworden ist. Und als Jakob endlich sein Ziel erreicht, als der Weg für ihn frei wird, da lässt er sein Gegenüber nicht los, sondern bittet um den Segen: „Ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich.“Es ist ganz erstaunlich, dass Jakob sein Gegenüber nicht loslässt, als der ihm den Weg freimachen will. Er kämpft diesen Kampf doch nur, weil er auf die andere Seite des Flusses gelangen will. Aber nun ist es ihm zu wenig, diesen seinen Willen durchzusetzen. Nun will er mehr, er will gesegnet werden und als Gesegneter hinübergelangen, auf die andere Seite des Flusses. Jakob ringt so lange, bis ihn sein Gegenüber endlich segnet und ihn zugleich verletzt. Auch wenn Jakob während des Kampfes eine Wunde erhält, geht er doch gesegnet über den Grenzfluss. Äußere und innere Auseinandersetzungen oder auch Krisen kosten stets Kraft oder fügen uns Verletzungen zu. Und doch ist es gut, wenn wir nicht so schnell wie möglich aus diesen Krisen loszukommen suchen, sondern sie wie Jakob festhalten, bis sie uns zum Segen werden. Es ist oft hilfreich, wenn wir die Frage stellen, ob uns eine Erkrankung etwas sagen will, ob sie uns zum Umdenken oder zu einer neuen Lebenseinstellung bewegen will. Dann gehen wir gesegnet aus einer Krankheit, einer Krise, einem Streit oder einem inneren Ringen hervor. Dann brauchen wir nicht mehr zu hadern mit unserem Schicksal, sondern können unser Leben verstehen als Weg, den Gott uns führt und auf dem er uns mit seinem Segen auch und gerade in den schweren Zeiten umgibt. Nicht umsonst segnen wir uns mit dem Zeichen des Kreuzes, dem Zeichen des Leides. Das Schwere kann uns am Ende auf geheimnisvolle Weise zum Segen werden. Amen

Fürbittengebet / Vaterunser

Gott, du Quelle des Lebens, du willst uns segnen und unser Leben mit deiner Segenskraft erfüllen. Dafür danken wir dir. Wir bitten dich, dass du uns für andere zum Segen werden lässt.   Gott, du Quelle des Lebens, wir bitten dich für alle Menschen, die nicht aus noch ein wissen in ihrer Not und die deinen Segen nicht wahrnehmen können in ihrem Leben. Gott, du Quelle des Lebens, wir bitten dich für alle, die betroffen sind von Krankheit und Leid, dass sie nicht verbittern wegen ihres Schicksals, sondern darin einen Sinn finden.   Gott, du Quelle des Lebens, wir bitten dich für die Trauernden, die einen geliebten Menschen verloren haben, dass sie sich nicht in ihrer Trauer vergraben, sondern wieder auf den Weg des Lebens zurückkehren. Gott, du Quelle des Lebens, wir bitten dich für uns, wenn wir darum hadern, dass es uns nicht so gut geht wie anderen. Hilf uns heraus aus unserer Bitterkeit und öffne unseren Blick für die Not in dieser Welt.

Vater unser im Himmel,…

Lied: „Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen“ (EG+ 153,1-2)

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen, Amen, Amen

Bleiben sie behütet und gesund.

Es grüßt Sie herzlich, Ihre

Sabine Klatt

 

 

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