Andacht, 18. So. n. Trinitatis, 16.10.2022, von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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Im Namen Gottes, des Vaters, der uns das Leben schenkt und erhält, im Namen Jesu Christi, des Sohnes, der uns erlöst und befreit, und im Namen des Heiligen Geistes, der uns zur Gemeinde verbindet. Amen. „Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“ Der Spruch aus dem 1. Johannesbrief begleitet uns durch die neue Woche. Der treue Gott helfe uns, dass wir in Christus bleiben, wie er in uns lebt, durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Lied: Ich sing dir mein Lied (EG+ 96,1-3)

Psalm 1 (EG 702)

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern hat Lust am Gesetz des Herrn und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht! Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl.Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreut. Darum bestehen die Gottlosen nicht im Gericht noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten. Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten, aber der Gottlosen Weg vergeht.

Gebet

Gott, du bist der Ursprung aller Liebe; aus Liebe hast du alles erschaffen, aus Liebe hast du uns bewahrt bis zu diesem Tag. Mach unser Leben zu einer Antwort auf diese Liebe. Gib uns die Kraft, dich über alles zu lieben und deine Güte weiterzugeben an die Menschen auf unserem Weg. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen

Lied: Lass mich, o Herr, in allen Dingen (EG 414,1-4)

Ansprache zu Eph 5,15-20

Achtet sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt: Nicht voller Dummheit, sondern voller Weisheit. Macht das Beste aus eurer Zeit, gerade weil es schlimme Tage sind. Aus diesem Grund sollt ihr nicht unverständig sein, sondern begreifen, was der Wille des Herrn ist! Betrinkt euch nicht mit Wein, denn das macht euch zügellos. Lasst euch lieber vom Geist Gottes erfüllen. Tragt euch gegenseitig Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder vor. Singt für den Herrn und preist ihn aus vollem Herzen! Dankt Gott, dem Vater, zu jeder Zeit und für alles – im Namen unseres Herrn Jesus Christus.

Liebe Leser*innen, eine ganze Liste von Mahnungen oder Ratschlägen haben wir gehört. „Ratschläge können auch Schläge sein.“ Diesen Spruch kennen sicher die meisten von uns. Die Ratschläge aus dem Epheserbrief sind keine Schläge. Es sind Mahnungen, die uns auffordern, unser Leben in einem christlichen Sinn gut zu führen. Wir können sie annehmen, weil sie von einem guten Ratgeber kommen. Ein guter Ratgeber will dir nicht sagen, dass er oder sie das Leben besser auf die Reihe bekommt als du. Er möchte, dass es dir gut geht. Er schätzt die Situation richtig ein und nimmt deine Lage ernst. Er stellt sich nicht über dich, sondern versucht, dich stark zu machen. Der Apostel Paulus, in dessen Namen der Epheserbrief geschrieben ist, war so ein Ratgeber, dem viele Gemeinden damals vertraut haben. Er hat das Evangelium gegen alle Widrigkeiten verteidigt, weil es für ihn keine bessere Botschaft gab. Er hat sogar Prügel dafür bezogen und ist ins Gefängnis geworfen worden. Außerdem war Paulus ein Mensch, der auch über seine eigenen Schwächen offen gesprochen hat. Seine Gegner haben sich über ihn lustig gemacht, weil er kein so guter Redner war. Zudem war er vermutlich chronisch krank. So einem, der auch die Schattenseiten nicht verschweigt, vertraut man eher als einem, der vorgibt, bei ihm sei alles eitel Sonnenschein. Macht das Beste aus eurer Zeit, gerade weil es schlimme Tage sind. heißt eine der ersten vier Mahnungen. Das Gefühl, das hinter diesem Satz steckt, können wir sicher ganz gut nachvollziehen, obwohl es uns größtenteils gut geht. „Es ist eine böse Zeit“ – so haben wir auch schon geseufzt: In den Corona-Lockdowns der vergangenen Jahre. – Wenn wieder einmal ein Korruptionsskandal öffentlich geworden ist. – Wenn wieder irgendwo ein junger Mensch gemobbt und fertig gemacht wurde. – Oder gar, wenn Länder und Völker mit Krieg und Gewalt überzogen werden. Wenn wir solche Nachrichten lesen, dann kann uns das Gefühl beschleichen, dass auch unsere Tage schlimme Tage sind. Manchmal musste der eine oder die andere von uns tatsächlich schon schlimme Zeiten erleben. In solchen Phasen ist der Rat des Epheserbriefs, der am deftigsten klingt, sehr wichtig: Betrinkt euch nicht mit Wein! Allgemeiner gesprochen: „Betäubt euren Schmerz nicht mit Dingen oder Substanzen, die euch am Ende mehr schaden als helfen.“ Das sagt sich so leicht dahin. Für einen Menschen, der gerade in einer Krise steckt, hört sich das aber an wie so ein Schlag, den wir doch eigentlich vermeiden wollten. Macht das Beste aus eurer Zeit ist eine weitere Mahnung. Doch wie geht das, das Beste aus unserer Zeit zu machen? Es kann eine Hilfe sein, wenn wir uns ab und zu fragen: „Welcher Geist leitet uns gerade?“

Manchmal will uns der Geist des Jammerns davon abhalten, unsere Zeit zu nutzen. Der sagt: „Es ist zu spät. Die Klimakrise hat uns im Griff. Was hilft es, wenn wir in unserer Gegend etwas ändern, die Welt zieht doch nicht mit.“ Wir werden vielleicht nicht gleich die ganze Welt verändern. Doch wenn viele nicht mehr zu Duschgel und Shampoo in Plastikflaschen greifen, sondern zurückkehren zur guten alten Seife, dann ist doch schon ein Schritt gemacht. Weitere werden folgen und andere machen andere Schritte. Der Geist der Angst hat in den Corona-Jahren versucht, so manche Gemeinde zu knechten. Doch immer wieder sind welche aufgestanden, die gezeigt haben, dass die Botschaft auch in einem Lockdown zu den Menschen kommen kann: in Videobotschaften, in den sozialen Netzwerken, in Telefonaten oder in – mit Botschaft und Leckereien gepackten – Tüten, mit Andachten im Briefkasten. Und auch im Kleinen gilt: Wenn sich ein lieber Mensch in sein Schneckenhaus zurückgezogen hat, dann lasse ich mich nicht vom Geist des Besserwissens leiten, der sagt: „Jetzt hab dich nicht so. Das wird schon wieder!“ Nein, dann raffe ich mich selbst auf und sage: „Heute ist so ein schöner Tag! Lass uns etwas spazieren gehen!“ Wenn wir uns ab und an fragen „Welcher Geist leitet mich gerade in meiner Entscheidung oder in meinem Tun?, dann helfen wir mit, weise und verständig zu handeln – so wie es der Epheserbrief uns rät. Der Geist Gottes ist da zu spüren, wo wir einander in Achtung und Liebe begegnen. Manchmal fehlt mir der Antrieb zu einem solchen Lebensstil. Denn ich spüre, dass ich in so manchen Bezügen gefangen bin, in denen ich nicht frei entscheiden kann. Oder ich komme nicht aus meinem alten Denkmustern heraus. Der Schreiber des Epheserbriefs weiß auch das. Er weiß, dass wir Ermunterung und vor allem Stärkung brauchen. Das heißt: „Gebt euch gegenseitig Kraft! Kämpft nicht alle allein vor euch hin!“ „Tragt euch gegenseitig Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder vor. Singt für den Herrn und preist ihn aus vollem Herzen!“ Dieser Ratschlag ist definitiv kein Schlag. Deswegen beherzigen wir ihn gleich wieder, wenn wir singen. Amen.

Lied: Dass du mich einstimmen lässt in deinen Jubel (EG 580,3-4)

Fürbittengebet

Gütiger Gott, dein Sohn hat uns das Gebot der Liebe ins Herz geschrieben. Durch ihn bitten wir dich: Erfülle die Kirche mit dem Geist deiner Liebe. Gib allen Mächtigen Kraft und Mut, sich für Versöhnung und Frieden einzusetzen. Stelle uns stets neu deine Liebe vor Augen, damit unsere Worte und Taten von ihr durchdrungen werden. Erbarme dich aller, die unter Krankheit und Hunger leiden. Ewiger Gott, in deinem Sohn hast du uns deine Liebe geschenkt. Aus dieser Liebe lass uns leben, jetzt und in Ewigkeit. – Vater unser im Himmel,…

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich; Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen

Bleiben Sie behütet und gesund! Es grüßt Sie herzlich, Ihre

Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

 

 

 

 

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