Andacht 19. So. n. Trinitatis, 10.10.2021 von Diakonin Margaretha Eidam

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Alle Leserinnen und Leser begrüße ich recht herzlich am 19. Sonntag nach Trinitatis, ich freue mich, dass wir auf diesem Weg miteinander verbunden sind. Heute möchte ich mit Ihnen darüber nachdenken, dass Krankheit uns unsere Grenzen zeigen kann. Sie macht uns bewusst, dass wir unseren Körper nicht unendlich belasten können und wie wir Heilung mit Gottes Hilfe erfahren dürfen.

Der Wochenspruch, der uns in der neuen Woche begleiten soll, steht im Buch des Propheten Jeremia im 17. Kapitel und lautet: Heile du mich Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.

Lied : EG 451

Mein erst Gefühl sei Preis und Dank, erheb ihn, meine Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang, lobsing ihm, meine Seele!

Wir beten mit Worten des 32. Psalms

Selig der, dessen Frevel vergeben und dessen Sünde bedeckt ist. Selig der Mensch, dem der HERR die Schuld nicht zur Last legt und in dessen Geist keine Falschheit ist. Solang ich es verschwieg, zerfiel mein Gebein, den ganzen Tag musste ich stöhnen. Denn deine Hand liegt schwer auf mir bei Tag und bei Nacht; meine Lebenskraft war verdorrt wie durch die Glut des Sommers. Da bekannte ich dir meine Sünde und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir. Ich sagte: Meine Frevel will ich dem HERRN bekennen. Und du hast die Schuld meiner Sünde vergeben. Darum soll jeder Fromme zu dir beten; solange du dich finden lässt. Fluten hohe Wasser heran, ihn werden sie nicht erreichen. Du bist mein Schutz, du bewahrst mich vor Not und rettest mich und hüllst mich in Jubel. Amen.

Eingangsgebet:

Guter Gott, wir danken dir für diesen Sonntag. Wir danken dir, dass wir heute im Gottesdienst als deine Gemeinde zusammen sein dürfen. Mit unterschiedlichen Gefühlen sind wir heute hier. Wenn in der letzten Woche Belastendes erlebt wurde, gib du Ruhe und Zuversicht in dieser Stunde. All den fröhlichen   Menschen unter uns schenke heute einen guten Tag, an den sie gerne und dankbar in Zukunft zurückdenken können.   Lass uns alle, ob wir nun eher fröhlich oder traurig hier in den Gottesdienst gekommen sind, in dieser Stunde Hörer deines Wortes sein. Stärke uns durch die Kraft deiner Gegenwart. Amen

 

Hören wir das Evangelium für den heutigen Sonntag wie es der Evangelist Markus im 2 Kap. aufgeschrieben hat.

Und nach etlichen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war. Und es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort. Und es kamen einige, die brachten zu ihm einen Gelähmten, von vieren getragen. Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, gruben es auf und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? Und Jesus erkannte alsbald in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin?  Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! Und er stand auf und nahm sogleich sein Bett und ging hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben solches noch nie gesehen.

Lied : EG 324

Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr meines Herzens Lust, ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst.

Der Friede Gottes sei und bleibe bei euch allen. Amen

Wir wollen heute   über das eben gehörte Gleichnis, die Heilung des Gelähmten nachdenken und was es für unser Leben heute bedeutet kann.

Liebe Gemeinde,

ich weiß nicht wie es ihnen geht, manche biblische Geschichte hat sich ganz tief bei mir eingebrannt, diese Geschichte gehört dazu. Alles wird genau beschrieben, Jesus ist nach Kapernaum zurückgekehrt und wohnt vermutlich wieder bei seinen Freunden, Petrus oder Andreas. Wir kennen solche Situationen gerade in unseren Dörfern, Besuch der öfters bei uns eingekehrt, den kennen die Nachbarn in der Regel auch, so etwas spricht sich schnell herum. Die Leute damals hatten schon viel von Jesus gehört, schnell kommen sie zusammen, um Neues vom Reich Gottes zu hören. Das Haus indem Jesus wohnt ist schnell voll. Selbst vor der Türe stehen sie dicht an dicht, also kein Platz mehr. Und plötzlich tauchen da 4 Männer auf, die einen Gelähmten auf einer Trage schleppen. Aber keiner lässt sie durch……was soll nun werden? Plötzlich hat einer der Freunde eine Idee, vielleicht keine so gute, wenn wir dran denken, dass sie das Dach des Hauses zum Teil abdecken wollen, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch, daran denkt keiner, aber so sind Freunde nun mal, es gilt zu helfen und sie glauben daran , dass sie es schaffen. Die Trage mit dem kranken Freund wird von 4 Freunden durch das geöffnete Dach zu Jesus heruntergelassen. Überlegen wir doch einmal: Hätten auch wir 4 Freundinnen oder Freunde, die diesen Einsatz für mich bringen würden? Sind ihnen Menschen eingefallen? Dann könnt Ihr wirklich froh und dankbar sein. Freunde sind ein kostbares Geschenk – besonders in der Not. Dieser Gelähmte ist auf seine Freunde angewiesen. Ich versuche, mich in seine Situation hinein zu versetzen: Er hatte so gehofft, wieder gesund zu werden. Wieder nach draußen zu können. Selbständig zu sein. Auf eigenen Füßen zu stehen und zu gehen. Die Gesunden verstehen einen ja oft nicht. Die meisten sind froh, wenn sie ein Krankenzimmer wieder verlassen dürfen. Der Gelähmte hatte sich wahrscheinlich damit abgefunden, dass sein Leben vorbei war. In der damaligen Zeit bedeutete das noch mehr: der kranke Mensch wurde als Strafe Gottes gesehen. Heute denken wir vielleicht nicht mehr so. Aber Berührungsängste gegenüber Kranken kennen wir auch. Die Freunde des Gelähmten machen ihm Mut, wir bringen dich jetzt zu dem, der schon die aussichtslosesten Fälle geheilt hat. Vielleicht hat er auch gesagt: nein lasst dass, es hat doch alles keinen Sinn. Doch die Freunde lassen nicht nach, ganz behutsam heben sie in auf die Trage, vielleicht erinnert sich der Gelähmte, in diesem Moment, wie er als Kind ganz behutsam von seiner Mutter gehalten und getragen wurde. Eine Erfahrung die wir glaube ich auch alle aus unserem Leben kennen, die liebevollen Hände unserer Mutter, unserer Eltern…Getragen werden, das ist eine gute Erfahrung. Die Freunde wollten ihm sein Leben zurückbringen, sie wollten wieder Hoffnung in sein Herz pflanzen. Fantastisch, solche Freunde zu haben! Die Freundschaft in unserer Geschichte bringt einen Menschen zu Jesus. Zum Glauben. Wie ich schon zu Beginn sagte: Ich denke gerne an diese 4 Freunde, an ihr großes Vertrauen….. Es ist ein herausragendes Beispiel von stellvertretendem Glauben.

Auch wir, liebe Gemeinde, bringen jeden Sonntag andere Menschen zu Jesus. Nicht auf einer Trage, wohl aber im Fürbittengebet. Und wir können uns darauf verlassen, dass Gott unsere Fürbitte hört und hilft. Fragen wir doch einfach mal, was der Gelähmte aus unserem Gleichnis am meisten braucht. Viele von uns würden sicher antworten: Heilung. Gesundheit. „Die Hauptsache ist doch die Gesundheit!“ Wir kennen diesen Satz. Oft habe ich ihn gehört, wenn ich älteren Menschen im Pflegeheim zum Geburtstag gratuliert habe. Vielleicht kennen wir aber auch jemanden, der körperlich kerngesund ist und doch todunglücklich. Erkrankt womöglich nicht körperlich, sondern an seinem Leben: vielleicht kommt er mit sich oder mit einem Mitmenschen nicht zurecht; vielleicht fühlt er sich in aussichtsloser Lage; vielleicht ist tiefe Trauer über ihn hereingebrochen. „Die Hauptsache ist doch die Gesundheit!“   Wirklich? Der Gelähmte, die Freunde, alle erwarten in unserer Geschichte ein Wort, das hilft. Und was kommt? Als Jesus sah, wie groß ihr Vertrauen war, sagte er zu dem Gelähmten: „Mein Sohn, deine Schuld ist dir vergeben!“ Während die meisten an körperliche Heilung denken, denkt Jesus an die innere Heilung. Jesus sieht tiefer und so löst er das Problem, das tiefer geht: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“ Hauptsache Gesundheit? Nein. Die   Hauptsache ist die Vergebung der Sünden! Das innere Heilwerden! Vergebung ist so notwendig wie das tägliche Brot. Ich denke an ein Tischgebet, das wir zuhause gebetet haben: „Zwei Dinge, Herr, sind not, die gib nach deiner Huld: gib uns das täglich Brot. Vergib uns unsre Schuld!“ Liebe Gemeinde, Jesus bringt Heilung und Heil zusammen. Er zeigt uns, dass Freunde wichtig sind in unserem Leben, aber dass es genauso wichtig ist, Gott zum Freund zu haben. Amen

Fürbittengebet:

Allmächtiger, ewiger Gott. Wir bitten dich: Hilf, dass wir dir mehr vertrauen, damit sichtbar wird, dass wir deine Kinder sind. Wir bitten dich für alle, die sich von dir verlassen fühlen, dass du Menschen sendest, die auf sie zu gehen, damit sie erkennen, dass du für sie da bist.   Hilf den Kranken, die sich um ihre Zukunft sorgen, und lass sie erfahren, dass du die Zeit in deinen Händen hast. Hilf den Hungernden, die die Hoffnung aufgegeben haben, dass Menschen bereit sind, mit ihnen zu teilen.   Hilf den Hochmütigen, dass sie erkennen, wie wenig sie für ihre Seele gewinnen. Hilf den Demütigen, dass sie deine Liebe und Gnade in ihrem Leben spüren. Hilf denen, die nicht an dich glauben können, dass sie erkennen, wie einsam sie sind. Hilf uns allen, dass wir stets offene Augen haben, um zu sehen, wo wir helfen können; dass wir stets offene Ohren haben, um zu hören, wo wir raten können; dass wir stets offene Hände haben, um zu geben, wo unsere Gaben gebraucht werden; dass wir stets Worte haben, die aufrichten und trösten, wo Hilfe und Trost gebraucht werden. – Vater unser …

Segen

Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig; der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.   Amen

Ihnen allen wünsche ich einen gesegneten Sonntag, bleiben sie behütet und gesund. Ihre Margaretha Eidam, Diakonin

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