Andacht 19. So.n.Trinitatis, 23.10.2022, von Diakonin/Prädikantin Margaretha Eidam

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Liebe Leser*innen,

schön, dass wir auch auf diesem Weg im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes miteinander verbunden sind.

Tief in unserem Inneren ruft oft eine Sehnsucht nach Heilung und der Stimme Gottes, die wir im lauten Trubel unserer Tage leicht überhören, die aber immer da ist. Lasst uns stille werden und auf Gottes Wort hören.

Lied: Ich singe dir mit Herz und Mund (EG 324,1)

Psalm 32

Ein Lied von David, zum Nachdenken. Glücklich sind alle, denen Gott ihr Unrecht vergeben und ihre Schuld zugedeckt hat! Glücklich ist der Mensch, dem der HERR seine Sünden nicht anrechnet und der mit Gott kein falsches Spiel treibt! Erst wollte ich meine Schuld verheimlichen. Doch davon wurde ich so schwach und elend, dass ich nur noch stöhnen konnte.Tag und Nacht bedrückte mich deine strafende Hand, meine Lebenskraft vertrocknete wie Wasser in der Sommerhitze. Da endlich gestand ich dir meine Sünde; mein Unrecht wollte ich nicht länger verschweigen. Ich sagte: »Ich will dem HERRN meine Vergehen bekennen!Und wirklich: Du hast mir meine ganze Schuld vergeben! Darum sollen alle, die dir treu sind, Herr, zu dir beten. Wer dich anruft, solange noch Zeit ist, der bleibt verschont von den Wogen des Unheils. Bei dir bin ich in Sicherheit; du bewahrst mich in aller Bedrängnis und lässt mich jubeln über deine Rettung. Amen.

Gebet

Ewiger Gott, wir stehen vor dir, sieh auf unser Leben, auf alles, was darin gelungen ist, und auf das, was wir lieber verbergen.   Sieh auf alles, was zerbrechlich und verwundbar ist, und heile es. Und bei allen zaghaften Schritten und bei gewagten Aufbrüchen gib Kraft und Mut und richte uns aus auf das Ziel des ewigen Lebens. Amen.

Lied: Ich singe dir mit Herz und Mund (EG 324,2)

Der Friede Gottes sei und bleibe bei euch allen Amen.

Der Text über den wir heute nachdenken wollen steht im Jakobusbrief im 5 Kap Vers 13- 16

Leidet jemand von euch Unrecht, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen! Ist jemand von euch krank, der lasse die Ältesten der Gemeinde zu sich rufen; und sie sollen über ihn beten und ihn dabei mit Öl salben im Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, so wird ihm vergeben werden. So bekennet denn einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet! Das Gebet eines Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist.

Liebe Leser*innen,

wie halten Sie es mit dem Gebet? Das kann von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich sein. Manche Menschen beten vor dem Essen. Andere beginnen ihren Tag am Morgen mit einem Gebet. Für manche gehört das Beten eher in die Kirche, in besondere Lebenssituationen, ins Krankenhaus oder ans Sterbebett. Andere beten fast überall und zu jeder Zeit. Manche schauen am Abend vor Gott auf ihren Tag zurück. Andere legen Gott die Sorgen und Nöte der Menschen ans Herz, denen sie begegnen oder von denen sie hören. Die einen beten regelmäßig, andere fast nie, mit vielen Worten oder ganz kurz, in einer Gebetsgemeinschaft oder für sich allein, in einer Kirche, an einem Wegkreuz, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Auto, im stillen Kämmerlein. Es ist eben eine ganz persönliche Sache, wann, wo, wie oft und auf welche Art Menschen beten. Und das darf auch so sein. Was bekämen wir wohl zu hören, wenn wir belauschen könnten, was Gott von all den betenden Menschen hört? Ich leide. Das Leben ist nicht mehr schön. Alles ist so schwer geworden. Ich weiß doch, was die anderen hinter meinem Rücken über mich sagen, wie sie mich auslachen und verachten. Ich bin ganz allein. Wie gut, dass wenigstens du mich hörst, Gott. Ich zweifle. Was bringt das denn mit dem Beten? Das verändert doch auch nichts. Ob du mich wohl hörst, Gott? Du weißt, ich bete fast nie. Aber jetzt weiß ich nicht mehr ein noch aus. Hilf mir doch! Gott, hier ist jemand, der kann gerade selber nicht beten. Alles in ihm ist Verzweiflung, Schmerz, Gottverlassenheit. Mit ihm und für ihn bete ich und klage dir sein Leid. Tröste und stärke ihn. Zeige ihm Zeichen deiner Nähe. Heute war ein schöner Tag. Bei der Arbeit bin ich gelobt worden, weil ich ein großes Projekt gut abgeschlossen habe. Gerade sind meine Freundinnen gegangen nach einem wunderbar gemütlichen Abend mit leckerem Essen und guten Gesprächen. Lobe den Herrn, meine Seele! Gott, du weißt, wie es Herrn Maier geht und wie schwer seine Krankheit ist. Vergib ihm und richte ihn wieder auf. Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn.“ Der Jakobusbrief empfiehlt, in allen Lebenssituationen zu beten, in Leid und Freude. Und er empfiehlt den Kranken, nicht allein zu bleiben mit ihrem Leiden, sondern andere zu sich zu rufen, damit die für sie beten und sie mit Öl salben. „Wenn Sie krank sind, wen würden Sie zu sich rufen? Natürlich rufen wir heutzutage erst einmal die Ärztin oder gehen zu einem Arzt in die Praxis, wenn wir krank sind. Viele Menschen haben erfreulicherweise Angehörige und Nachbarn, die sie pflegen und für sie Essen kochen, wenn sie krank sind. Und es gibt Krankenhäuser und Sozialstationen, die die Pflege oder wenigstens einen Teil davon übernehmen. Doch wenn medizinisch für unseren Körper gesorgt ist, wenn die Pflege gesichert ist, wen rufen wir dann? Manche Kranken haben in der Familie oder in ihrer Nachbarschaft Menschen, die kommen und zuhören und Mut zusprechen. Andere bleiben allein mit ihren Ängsten und Sorgen, mit Schmerzen und Niedergeschlagenheit, die durch die Krankheit in ihnen entstanden sind. Vielleicht wissen sie nicht, an wen sie sich wenden sollen. Vielleicht meinen sie, sie dürften ihre Schwäche nicht zeigen, ist es uns überhaupt in der Gesellschaft noch erlaubt, Schwäche zu zeigen? Es ist doch eher selten geworden, dass Menschen gezielt eine Pfarrerin oder einen Pfarrer oder einen Seelsorger anrufen, weil sie krank sind. Deshalb heißt es auch im Jakobusbrief: „Der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde …“ Offensichtlich war das keine Aufgabe für einen einzelnen oder eine einzelne – mehrere Älteste gingen damals zu den Kranken, um für sie zu beten und sie zu salben. Doch wer sind nun eigentlich heute in unseren Gemeinden, wo wir ja eine ganz andere Struktur haben und in einer ganz anderen Zeit und in einer ganz anderen Art von Gesellschaft leben – wer also sind nun heute „die Ältesten der Gemeinde“? Es wäre zwar naheliegend da jetzt in erster Linie an die Mitglieder des Kirchenvorstands zu denken, der ja in anderen Landeskirchen sogar Ältestenrat heißt, doch so ganz dasselbe ist es wohl nicht. Wer also könnte heute eine solche Aufgabe wahrnehmen: sich rufen lassen, wenn jemand in der Gemeinde krank ist, und für die Kranken beten und sie salben. Ich würde sagen: viele Menschen können das tun. Entscheidend ist, dass sie selber sich diese Aufgabe zutrauen, in irgendeiner Form die Möglichkeit hatten zu lernen, wie das geht, und schließlich, dass die Erkrankten ihnen vertrauen und erleben: wenn diese Person zu mir kommt und mit mir betet, dann tut mir das gut. „Betet, singt Psalmen, ruft die Ältesten, betet füreinander.“ Ich finde diese Aufforderungen im Jakobusbrief geben uns wichtige Hinweise für unser Gemeindeleben: Gemeinde hat etwas mit Gemeinschaft zu tun. Und das ist eine Frage an uns alle: Suche ich die Gemeinschaft mit den anderen in der Gemeinde? Lasse ich mich ein auf Gemeinschaft und pflege ich sie? Kann ich es ertragen, dass da auch welche dazugehören, mit denen ich mich schwer tue, die ich nicht mag? Und bemühe ich mich dennoch um ein gutes Miteinander? Was trage ich zur Gemeinschaft bei? Halte ich es aus, die Hilfe der Gemeinschaft anzunehmen? Heißt Christsein für mich, mich als Teil einer Gemeinschaft zu sehen, der Gemeinschaft derer, die an den dreieinigen Gott glaubt? betet, singt Psalmen, ruft die Ältesten, betet füreinander.“ Vielleicht lassen Sie sich von den Worten aus dem Jakobusbrief dazu anregen, dass Sie das Gebet und die Gemeinschaft der Glaubenden für sich neu entdecken. Gebet und Gemeinde auch als Orte der Begegnung mit Gott, der uns unser Leben schenkte und uns aufrichtet. Amen

Lied: Ich weiß woran ich glaube (EG 357,1)

Fürbittengebet / Vater Unser

Wir danken dem Herrn und preisen seinen Namen, dass er uns immer wieder annimmt und uns vergibt, obwohl wir es keineswegs verdient haben. Wir bitten ihn darum, dass wir seine Güte nie für selbstverständlich nehmen. Auch bitten wir ihn darum, dass wir nicht müde werden, Andere um Verzeihung zu bitten, wenn wir uns an ihnen schuldig gemacht haben. Wir beten für alle, die in dieser Welt Macht haben, die regieren und verwalten, dass sie das Leben sichern und dem Missbrauch der Macht nicht nachgeben, sondern sich einsetzen für Frieden und Recht. Wir beten für unsere kranken, arbeitslosen, alten, einsamen und seelisch angeschlagenen Menschen, dass sie für ihre nächsten Schritte gestärkt werden und wahre Freunde finden.

Herr Jesus Christus, du bist in die Welt gekommen, um Sünder zu retten. Du reichst uns die Hand deiner Gnade, vergibst uns und willst mit uns in Gemeinschaft leben. Deshalb preisen wir dich und bitten dich darum, unser Gebet zu erhören. Gib uns, wie es uns zum Besten dient. Vater unser ….

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden Amen

Bleiben Sie alle behütet und gesund!

Ihre

Margaretha Eidam

Diakonin/ Prädikantin

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