Andacht 2. So. v. d. Passionszeit, 20.02.2022, von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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Wer Ohren hat zu hören, der höre! Im Fokus des heutigen Sonntags steht das Hören auf Gottes Wort. So sagt es auch der Wochenspruch der neuen Woche. Er steht in Hebr 3,15 und lautet: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.

Lied: Auf und macht die Herzen weit (EG 454)

Psalm 119

Dein Wort, mein Gott, reicht, so weit der Himmel ist, und bleibt bestehen bis in Ewigkeit. Deine Wahrheit währet von Geschlecht zu Geschlecht und das Wort deiner Lippen klingt bis an den Horizont. Ohne dein Wort wäre ich längst vergangen und meine Seele wäre verschmachtet. Ich habe es lieb und sinne ihm täglich nach, in schlafloser Nacht oder in der Frühe des Morgens. Dein Wort ist mir wie eine Leuchte in dunkler Nacht. Es ist mir wie ein Licht, dass ich in der Dunkelheit den Weg finde und meine Füße nicht straucheln. Ich will mich daran halten und es in meinem Herzen bewahren. Dein Wort, Gott, ist mir Schutz und Schild, das mich erhält und stärkt. Es lässt mich immer wieder aufleben und bewahrt mich davor, zuschanden zu werden.

Gebet

Guter Gott,

wir wollen heute durch dein Wort getröstet und gestärkt zu werden. Lass uns auf deine Stimme hören und auf sie unser Vertrauen setzen. Sprich mitten hinein in das, was uns bewegt, was uns freut und glücklich sein lässt oder niederbeugt und bedrückt. Lass uns im Hören auf dein Wort neue Wege finden und ermutigt werden zu neuen Schritten. Amen

Lied: Schweige und höre (EGPlus 56)

Ansprache zu Hebr 4,12+13

Worte können verletzen, egal ob unbedacht dahergesagt oder mit voller Absicht ausgesprochen – Worte, die unter die Haut gehen und verletzen, noch schlimmer sich in unser Leben dauerhaft einbrennen – Fremdkörper in meinem eigenen Leben, Lebenswunden, die nicht verheilen wollen.   Nur wenige haben ein so dickes Fell, dass ihnen scheinbar nichts unter die Haut geht – als würde man gegen eine undurchdringliche Wand reden. Manche haben sich der Gemeinschaft so weit entzogen, dass ihnen egal zu sein scheint, was andere über sie sagen. Kein Wort kommt ihnen mehr nahe – mitunter eine erschreckende Gleichgültigkeit. Wir möchten akzeptiert, respektiert, bestätigt, gar geliebt werden, so wie wir nun einmal sind, in jedem Falle aber seelisch unversehrt bleiben. Schneidende Kritik anzunehmen ist nicht einfach. Wo die Worte anderer uns zu kritisieren suchen, gehen wir in die verbale Verteidigungsstellung, rechtfertigen uns selbst, damit Worte nicht in uns eindringen. Wäre es nicht am besten, wenn kritische Worte gar nicht erst ausgesprochen werden, wenn Kritik an uns selbst mundtot gemacht werden könnte? Im Hebräerbrief wird es nun richtig kritisch, wenn das lebendige Gotteswort uns direkt angeht – eine messerscharfe Kritik, die nicht nur unter die Haut geht, sondern gar durch Mark und Bein dringt. So heißt es: Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und bein, und es ist ein richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir Rechenschaft geben müssen.

Wir ahnen es: Göttliche Worte lassen sich nicht umgehen. Niemand kann sich ihrer verschließen. Aber wir wünschen uns in erster Linie gutgemeinte, wohltuende Worte, die aufbauend, zusprechend, oder berührend sind. Wörtliche Bestätigungen unseres Lebens lassen wir uns gerne gefallen. Aber hier verheißt das göttliche Wort etwas anderes. Es umschmeichelt nicht federweich unser Leben, sondern zeigt sich beinhart, schneidet ins Fleisch. Und vor diesem Wort gibt es für uns kein Zurückhalten, auch kein Verstecken, so wie es ja auch schon der Psalmist ausgesprochen hat: HERR, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. (Psalm 139) Vor dem lebendigen Gott sind wir mit unserem eigenen Leben bloßgestellt. Da gibt es keine geschützte Privatsphäre, auch kein Entkommen oder Verstecken. Da wird selbst unsere vergangenste Vergangenheit, der letzte dunkle Winkel unserer Seele seziert, aufgefaltet und entblößt: Was wir schon längst vergessen haben, kommt ans Tageslicht – die ganze Anatomie unseres Lebens. Aber wer sind wir schon, dass wir uns dauerhaft vor dem göttlichen Wort schützen können. Ungefragt schneidet es sich in unser Leben ein. Ganz tief in unserem Innersten sagt es uns, wer wir wirklich sind. Gott wagt das offene Wort, auch wenn es weh tut. Das wollen wir nicht unbedingt hören. Dem gehen wir lieber aus dem Weg. Was da in und mit uns geschieht lässt sich mit einem chirurgischen Eingriff vergleichen. Der schmerzhafte Eingriff in den menschlichen Körper dient dem Leben. So dringt das Wort des dreieinigen Gottes in uns ein, um schlussendlich zu heilen. Genau da, wo alles in meinem Leben offengelegt ist, werde ich empfänglich für das Evangelium, wo Jesus Christus zu mir spricht: „Ich bin Dein Rettungsanker, ich für Dich, ich lasse dich nicht verlorengehen.“

Ganz in unserem Innersten können wir das göttliche Wort empfangen; dort wird es uns zur Herzensangelegenheit. So hat dies Jesus in seinem Gleichnis vom Sämann ausgelegt: In der Oberflächlichkeit des Lebens kann es keine Frucht geben. Allein der durchgepflügte Acker mit den tiefen Furchen trägt die Frucht: „Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.“ (Lukas 8,15) Gottes Zusage wirkt nicht oberflächlich. Sie kann nicht unser Leben in seiner illusorischen Unendlichkeit bestätigen. Eindringlich redet das göttliche Machtwort der Barmherzigkeit uns an und öffnet uns für das Heil. Wir werden bereit, Jesus Christus in unser eigenes Leben einzuladen. Da hat sich Jesus mit unserem Leben verbündet. Das Urteil über uns ist gesprochen, und es bedeutet keine Vernichtung. Alles ist bloßgestellt und aufgedeckt vor dem dreieinigen Gottes, und doch dürfen wir leben. Göttliche Chirurgie greift in unser Leben ein, aber sie hinterlässt keine klaffende Wunde, und schon gar nicht einen brennenden Schmerz. Unser Gewissen wortgeprüft mag seine Narben haben. Aber jede Narbe wird uns zum Zeichen, dass „weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ (Römer 8,39) Wer vom göttlichen Wort auf Herz und Nieren geprüft ist und im Glauben standhalten kann, gewinnt eine Zuversicht für das eigene Leben. So werden wir befähigt, verletzende und scharfe Worte anderer Menschen aushalten zu können. Was auch immer uns an Menschenworten unter die Haut geht, Christus selbst ist viel tiefer in unser eigenes Leben eingedrungen und hat selbst unsere Sünde auf sich genommen. Gehässige oder fahrlässige Worte anderer mögen immer wieder neu verletzen, aber sie werden uns nicht unterkriegen. Gottes Wort wird zum Schutzwort für die eigene Seele. Amen.

Lied: Herr, dein Wort, die edle Gabe (EG 198)

Fürbittengebet / Vaterunser

Wir danken dir für dein Wort, du guter und großzügiger Gott. Wir danken dir, dass du durch dein Wort zu uns sprichst, auch wenn unsere Ohren manchmal gar nicht dafür bereit sind. Dein gütiges Wort begleite uns, einen jeden an seinen Ort, hinein in seine besonderen Erfahrungen, Anliegen, Sorgen und Erwartungen, hinein in diesen Sonntag und in die neue Woche. Sei und bleibe du gegenwärtig und wirksam unter uns bei allen, die hier wohnen. Wir bitten dich darum für die Welt, die ein mutiges, klares und fröhliches Zeugnis so nötig hat. Deiner Treue befehlen wir besonders unsere Angehörigen an. Wir bitten dich um Weisheit für die Mächtigen dieser Erde, die da in deinem Auftrag für Recht und Frieden sorgen sollen. Um Nüchternheit für die, die Tag für Tag unsere Zeitungen schreiben; Um Liebe und Beständigkeit für alle Eltern und Lehrer; Um heitere Verträglichkeit in allen Familien und Häusern; Um offene Herzen und Hände für die Armen und Verlassenen; Um Erleichterung und Geduld für die Kranken und Trauernden; Um die Hoffnung des ewigen Lebens für die Sterbenden. – Vater unser im Himmel … Amen

Segen (Lied: EGPlus 33)

Gott, dein guter Segen ist wie ein großes Zelt, hoch und weit, fest gespannt über unsre Welt.

Gott, dein guter Segen ist wie ein helles Licht, leuchtet weit allezeit in der Finsternis.

Gott, dein guter Segen ist wie des Freundes Hand, die mich hält, die mich führt in ein weites Land.

Gott, dein guter Segen ist wie der sanfte Wind, der mich hebt, der mich trägt wie ein kleines Kind.

Gott, dein guter Segen ist wie ein Mantelkleid, das mich wärmt und beschützt in der kalten Zeit. Guter Gott, ich bitte dich: Schütze und bewahre mich. Lass mich unter deinem Segen leben und ihn weitergeben. Bleibe bei uns allezeit, segne uns, segne uns, denn der Weg ist weit.

Gott, dein guter Segen ist wie ein weiches Nest. Danke, Gott, weil du mich heute leben lässt. Guter Gott, ich danke dir. Deinen Segen schenkst du mir, und ich kann in deinem Segen leben und ihn weitergeben. Du bleibst bei uns allezeit, segnest uns, segnest uns, denn der Weg ist weit. Segnest uns, segnest uns, denn der Weg ist weit.

Bleiben Sie behütet und gesund.

Ihre Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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