Andacht 3. Advent, 12.12.2021 von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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Adventskalender füllen. Plätzchen backen. Haus schmücken. Geschenke kaufen. Baum schlagen. Kerzen anzünden. Geschenke einpacken. Wunschzettel schreiben. Wünsche erfüllen. Weihnachtskarten schreiben. .. Ich habe keine Zeit! – Man müsste mal wieder … Man könnte ja einfach mal … Damit begrüße ich Sie und Euch ganz herzlich zu dieser Andacht heute am 3. Advent. Zeit, das ist so eine Sache in der Adventszeit. Oft gibt es da so viele schöne Sachen, die man machen kann, die man machen muss, dass die Zeit nur so rennt. Ums Zeitnehmen in der Adventszeit, und nicht nur dann, soll es heute gehen. Wir feiern diese Andacht im Namen Gottes, des Vaters, der Zeit und Ewigkeit gemacht hat, im Namen des Sohnes, der in unsere Zeit kommt und im Namen des Heiligen Geistes, der uns über alle Zeiten hinweg miteinander verbindet.

Lied: Wir sagen euch an den lieben Advent (EG 17,1-3)

Gebet

Guter Gott, unsere Zeit steht in deinen Händen. So bitten wir dich für diese Adventszeit: Lass uns nicht so viel Zeit mit Grübeln verbringen über das, was in diesem Jahr nicht möglich ist, sondern lass uns dankbar sein für das, was wir erleben können und die Zeit, die wir haben, gut nutzen. Wir bitten dich: Öffne unsere Herzen für dich, damit du bei uns einkehren kannst und stimme uns ein auf das, was kommt und worauf wir warten. Amen

Lied: Meine Zeit steht in deinen Händen (EG +111,1-3)

Schriftlesung (Kohelet 3,1-11)

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit. Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon. Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

Lied: Sehen können (EG+ 3)

Impuls

Kennt Ihr das Buch „Momo“ von Michael Ende?

Momo ist klein und mager und aus einem Kinderheim weggelaufen. Ihr Alter weiß sie nicht. Sie besitzt nichts außer den geflickten Kleidern, die sie trägt. Bei aller Armut hat sie aber eine seltene Gabe: Sie kann wunderbar zuhören. Sie lebt in der Ruine des Amphitheaters in einer großen, hässlichen Stadt mit Hochhäusern. Die Leute in der Umgebung sind ebenfalls arm, doch sie unterstützen und versorgen das kleine Mädchen. Momo ist der Welt zugewandt, sie schenkt den Menschen Aufmerksamkeit und hört ihnen teilnahmsvoll zu. Sie tut allen gut und bringt die besten Eigenschaften in ihnen zum Vorschein. Die Kinder der Stadt lieben es bei ihr zu spielen. Erwachsene fühlen sich von Momo beflügelt. Ihre besten Freunde sind Beppo Straßenkehrer und Gigi Fremdenführer. Zunächst kaum spürbar, legt sich ein Schatten über die Stadt. Graue Herren erscheinen und werden immer zahlreicher. Dabei verhalten sie sich so unauffällig, dass niemand Notiz von ihnen nimmt. Sie rauchen unentwegt kleine graue Zigarren. Von ihnen geht eine eisige Kälte aus, gegen die man sich nicht schützen kann. Die grauen Herren haben sich unbemerkt von den Bewohnern in der ganzen Stadt ausgebreitet. Sie stellen sich als Agenten der Zeitsparkasse vor. Sie rechnen den Menschen vor, wieviel Zeit sie sparen könnten, wenn sie vermeintlich nutzlose Tätigkeiten aus ihrem Leben streichen würden. Das Zeitsparen soll angeblich gut verzinst werden. Die Menschen werden Zeitsparer: Sie arbeiten schneller, hetzen durch den Tag und gönnen sich weder Pausen noch Vergnügen. Selbst in ihrer Freizeit kommen sie nicht zur Ruhe. Doch trotz eifrigen Zeitsparens haben die Menschen immer weniger Zeit. Denn in Wahrheit sind die grauen Herren Betrüger und stehlen die Zeit. Alle verdienen jetzt mehr Geld, nur ist ihr Leben arm und freudlos geworden. Niemand nimmt sich mehr Zeit für den anderen. Besonders die Kinder leiden darunter und fühlen sich im Stich gelassen. Momo erkennt, dass ihre Freunde immer unglücklicher werden. Sie versucht, sie zur Umkehr zu bewegen. Sie sollen sich wieder Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben nehmen. Nur Momo lässt sich von den grauen Herren nicht beeindrucken und bringt sich damit selbst in Gefahr, weil sie die anderen Menschen vor ihnen retten will. Meister Hora, der die Zeit aller Menschen verwaltet und jedem die ihm bestimmte Lebenszeit zuteilt, legt einen Zauber über Momo. Er führt sie in eine Welt, in der es wundersame Stunden-Blumen gibt. Stunden-Blumen wachsen in den Herzen der Menschen und stehen für deren Lebenszeit. Die grauen Herren stehlen die Blumen und drehen aus den getrockneten Blütenblättern ihre Zigarren, mit denen sie sich am Leben erhalten. Die grauen Herren haben jetzt alles unter ihrer Kontrolle. Als Momo nach einem Jahr aus Meister Horas Reich zurückkehrt, gelingt es ihr nicht, Kontakt zu ihren Freunden aufzunehmen. Sie ist einsam und verzweifelt. Die grauen Herren nutzen das aus und unterbreiten ihr einen Handel. Momo soll ihnen den Weg zu Meister Hora zeigen, damit sie die vollständige Kontrolle über die Lebenszeit der Menschen übernehmen können. Das wäre zwar das Ende der Menschheit, doch im Gegenzug sollten Momo und ihre Freunde verschont bleiben. Momo lehnt ab. Erneut trifft sie auf Meister Hora. Momo ist die einzige, die die Menschen retten kann. Dafür hält Meister Hora alle Zeit der Welt für eine Stunde an. Momo macht sich auf den Weg, um das große unterirdische Lager der grauen Herren ausfindig zu machen, in dem sie die Stunden-Blumen aus den Herzen der Menschen aufbewahren. Sie findet es und verschließt die Tür. Ohne Stunden-Blumen gibt es keine Zigarren für die grauen Herren, und bald löst sich der letzte von ihnen auf. Die Stunden-Blumen fliegen in einer Art Sturm über die Stadt und kehren als Lebenszeit zurück in die Herzen der Menschen. Die Menschen finden wieder in ihr altes Leben: Sie haben Zeit füreinander und Freude an ihrer Arbeit. Kinder spielen fröhlich auf Plätzen und Straßen, und im Amphitheater wird ein großes Fest gefeiert. Vielleicht geht es uns manchmal auch so wie den Menschen, deren Zeit von den grauen Herren gestohlen wird. Manchmal nehmen wir uns so viel vor, dass die Zeit nur so rennt und wir das eigentlich Wichtige übersehen. Alles hat seine Zeit. Bei Momo ist es Meister Hora, bei uns ist es Gott, der uns unsere Lebenszeit schenkt. Auch die Zeit jetzt im Advent. Advent heißt Ankunft. Wir warten und bereiten uns auf die Ankunft Gottes in unserer Welt vor. Aber wie tun wir das? „Sehen können, was kein Auge sieht“, haben wir gerade gesungen. Kinder können das gut. Sie nehmen ihre Umwelt mit allen Sinnen wahr und leben ganz im Hier und Jetzt. Sie sind beeindruckt von den kleinen Wundern um sie herum und tun das, was gerade für sie dran ist. Uns Erwachsenen fällt das meist schwer. Ich überlege oft, was ich eigentlich erledigen müsste und verschiebe das, was ich gerne tun würde, in die ferne Zukunft, leider oft auf den Sankt-Nimmerleins-Tag. Im Bibeltext heißt es: „Alles hat seine Zeit“. Wenn draußen die dicksten Schneeflocken fallen, ist die richtige Zeit, um einen Schneemann zu bauen. Und das lässt sich schlecht auf morgen verschieben – vielleicht ist der Schnee morgen schon wieder getaut. Und so ist es doch bei vielem. Eigentlich ist es egal, wann Weihnachten ist. Wichtig ist: Es muss Weihnachten werden in uns. Und das kann man nicht verschieben. Es ist dran und es kommt. Was ist für dich jetzt gerade dran? Pause – Amen

Fürbittengebet / Stilles Gebet / Vaterunser

Barmherziger Gott, du begleitest uns durchs Leben. Vertrauensvoll kommen wir mit unseren Bitten zu dir:

Wir bitten für alle Menschen, die Angst haben vor der Zukunft. Schenke ihnen Zeit, in der sie Hoffnung schöpfen können. Gott des Lebens, wir warten auf dich.

Wir bitten für die Menschen, die heimatlos und einsam sind. Schenke ihnen in dieser Zeit Erfahrungen des Angenommen-Seins und der Geborgenheit.   Gott des Lebens, wir warten auf dich.

Wir bitten für uns alle, dass wir wachsam und aufmerksam sind für Jesus Christus, der uns zu jeder Zeit, auch heute in vielfältiger Weise begegnen will. Gott des Lebens, wir warten auf dich.

Wir bitten für uns alle, dass wir uns gerade jetzt in dieser Adventszeit immer wieder neu aufrappeln, Mut fassen und die Liebe, die du uns schenkst, in Wort und Tat in unserem Alltag, im Umgang mit unseren Mitmenschen leben und ausstrahlen. Gott des Lebens, wir warten auf dich.

Wir bitten für unsere Familien, dass sie in dieser Zeit des Advents füreinander Zeit finden und einander Freude schenken.   Gott des Lebens, wir warten auf dich. – Wir beten in der Stille. […] Gott des Lebens, wir warten auf dich. Guter Gott, wir danken dir für Deine Liebe und Nähe heute und alle Tage bis in Zeit und Ewigkeit. – Vater unser im Himmel,…

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen +++

Bleiben Sie behütet und gesund, Ihre

Sabine Klatt, Diakonin/Prädikantin

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