Andacht 3. So. i. d. Passionszeit (Okuli), 20.03.2022, von Pfarrerin Dr. Anna Scholz

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Friede sei mit Euch. Herzlich willkommen zum Gottesdienst am Sonntag Okuli. Es ist Passionszeit. Und es ist immer noch Krieg in der Ukraine und kein Ende ist in Sicht. Es ist zum Verzweifeln. Wir sind hier zusammen in unserer Angst und in unserer Hilflosigkeit. Wir bringen alles zu Gott, was uns beschäftigt. Und wir feiern Gottesdienst, im Vertrauen auf seine Kraft. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: EGPlus 9 1-4 Im Dunkel unsrer Ängste

Psalm 25 EG 713

Gebet

Ja, Gott, Dir vertrauen wir, es ist sonst keiner. Alle unsere Gewissheiten sind ins Wanken gekommen. Wir haben Angst: Vor Krieg und Gewalt, vor erhöhten Preisen und Inflation. Vor Unwettern und plötzlichem Unglück. Wir fragen uns, wo du in alledem bist – ja, manchmal auch, ob du überhaupt bist. Und warum deine große Kraft so wenig spürbar ist. Jedenfalls kommt es uns so vor. Vielleicht sehen wir das falsch? Bitte, hör uns und sei bei deinen Menschen. Vor allem bei denen im Krieg und auf der Flucht. Aber auch bei uns, heute Morgen, wir bitten dich. Amen

Lied EG 420 1-3 Brich mit den Hungrigen dein Brot

Predigt

Liebe Leser*innen, im Alten Testament, da gibt es die Bücher der Könige. Sie erzählen in abenteuerlichen Geschichten vom Aufstieg und vom Niedergang großer Reiche, von guten und von schlechten Taten, von den Kämpfen um die richtigen Götter und davon, wer das Sagen haben soll in der Welt. Und sie erzählen von Menschen, die geeifert und gestritten haben für Frieden und Gerechtigkeit und dafür manchmal auch Grenzen überschritten haben. Einer davon ist der Prophet Elia. Er kämpft für die Ehre Gottes. Legt sich mit den Mächtigen an. Er scheut nicht vor Gewalt zurück, für seine gute Sache. Menschen sind manchmal so. Elia macht sich Feinde in der Spitze der Regierung. Mit Gottes Hilfe geschehen allerdings merkwürdige Zeichen und Wunder und er könnte das eigentlich als Erfolg für sich verbuchen. Aber dann wird eine Geschichte erzählt, die davon handelt, dass plötzlich sein ganzer Einsatz in Frage steht, weil der ganze Kampf nichts gebracht hat und auf einmal sein eigenes Leben in Gefahr ist und nichts dabei herausgekommen ist, als Flucht, Todesgefahr und Erschöpfung. Die Bibel erzählt davon so: (1. Kön 19, 3b-8)

Elia machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Ginster und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter. Und er legte sich hin und schlief unter dem Ginster. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.  Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.

Bis Elia unter dem Ginsterbusch hockt, da hat ihn seine Flucht   vor Isebel, einer hasserfüllten Königin, schon durch das ganze Land und über seine Grenzen hinausgeführt. Und dann trennt er sich auch noch von seinem Diener und zieht sich mutterseelenallein in die Wüste zurück. Keinen anderen will er in sein Unglück hineinziehen. Ihm reicht´s. Er will nur noch sterben. – Manch einer von uns kennt solche Situationen vielleicht ganz gut. Wenn du alles gegeben hast. Für deine Kinder. Für den Erfolg im Beruf. Für deinen Sport. Für die Liebe. Und jetzt kannst du nicht mehr. Und du weißt auch nicht, ob dein ganzer Einsatz überhaupt Sinn hatte. „Ich bin nicht besser, als meine Väter“ seufzt Elia. Vielleicht geht´s dir so manchmal auch. Du wolltest alles besser machen, als deine Eltern, als deine Kollegen, deine Freunde. Manches hast du besser gemacht. Aber dafür andere Fehler. Du bist nicht besser als die anderen, das dämmert dir so langsam. Nun bist du am Boden zerstört. Tot sein wäre nicht schlimm, dann wäre endlich Ruhe. Und irgendetwas in dir fände das schön. Vielleicht ist es dir manchmal schon so gegangen. Mir jedenfalls schon. Keine Lust und Kraft mehr für Kampf und Streit. Und gerade jetzt, wo in unserer Nähe Krieg ist und wir nicht wissen, wie das alles ausgeht, da habe ich manche älteren Menschen schon sagen hören: „Ich weiß gar nicht, ob ich das alles noch erleben will…“ Manchmal kann die Vorstellung, einfach nicht mehr da zu sein, einem wie eine Erlösung erscheinen. Elia spricht das alles aus, und dann legt er sich erstmal hin und schläft. – Wenn man fix und fertig ist, dann geht man am Besten ins Bett. Und man kann froh sein, wenn man eins hat, in das man sich flüchten kann. Wo dich keiner stört. Wo du dir eine schöne Wärmflasche mit hinnehmen kannst. Die Decke über den Kopf ziehen und einfach nichts mehr mitkriegen von all dem Schrecklichen. – Zu Elia kommt dann einer, der zu ihm sagt: „Steh auf und iss!“ Er macht es und schläft weiter. Doch die Szene wiederholt sich, es kommt einer und sagt: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ Ich kann mir das lebhaft vorstellen: Du hast geschlafen – wie gut, wenn du es konntest – und dann weckt dich jemand, ganz vorsichtig, streichelt dir über den Kopf und sagt: „Komm, Kaffee ist fertig!“ Und du stolperst hin und schlürfst und musst nichts sagen. Und dann gehst du einfach wieder zurück ins Bett und schläfst weiter. Und wenn du dann aufwachst, dann fühlt es sich schon alles ganz anders an. Es ist vielleicht nicht alles gut. Aber das Leben hat dich wieder. Du stehst auf, ziehst dich an. Gehst los und machst weiter. Durch den Tag. Durch viele Tage, die noch kommen. Und du kannst auch wieder sehen, was alles schön ist und was alles gut werden kann. – Wie bei Elia: dass einer da ist, der sagt: „Steh auf“, darauf kommt`s an. Dass eine da ist, die dich stärkt. Mit Wasser und geröstetem Brot, mit Kaffee und Frühstück. Mit einem Glas Wein oder einfach nur einem netten Wort und einer Umarmung im rechten Moment. Ich glaube, darauf kommt es an. Vielleicht hast du sowas auch schonmal erlebt? Oder bist selbst für jemanden so jemand geworden: Eine, oder einer die einen anderen zurück ins Leben holt. – Es tut gut, sich an solche Erlebnisse zu erinnern. Und sich auch daran zu erinnern, dass es darum geht: dass keiner allein unter seinem Ginsterbusch zurückbleiben muss. Sondern, dass jemand kommt und sagt: Steh auf und iss, denn du hast einen weiten Weg vor dir! – Die weiten Wege unseres Lebens, deren Ziel und Sinn manchmal unklar sind, die können wir nur gehen, wenn es diese Stimme gibt, die sagt: Steh auf und iss. – Die Geschichte von Elia erzählt: Ein Engel kommt und sagt das. Ein Bote Gottes. Und das muss keine besondere Lichtgestalt sein. Vielleicht bist du selbst sogar schonmal so ein Engel gewesen und weißt es nicht einmal. Manchmal sitzt der Engel im eigenen Kopf und im Herzen, eine innere Stimme, die flüstert: Steh auf! Manchmal ist es ein Wort aus einem Buch. Manchmal eine Musik, oder ein rauschender Wald im Frühling. Und manchmal ein Telefonat mit einer Freundin. Stimmen, die dich ins Leben zurückholen. Und ich glaube, in alledem ist Gott da. Und lebendig: Die Liebe selbst! Wir wissen nicht, was alles noch kommt. Aber wir können beten für den Frieden. Und wir können da sein. Freundlich und respektvoll zu denen, die bei uns Hilfe suchen. Und nicht an den Tod glauben, sondern daran, dass das Leben siegt. Bald kommt Ostern! Steh auf und iss! Denn du hast noch einen langen Weg vor dir. Amen

Lied EG 171 Bewahre uns Gott

Fürbitten / Vaterunser

Guter Gott, wir danken dir für diesen Tag und alle Tage unseres Lebens, an denen wir aufrecht gewesen sind und zuversichtlich unsere Wege gehen konnten. Wir bitten dich: Sei bei allen Menschen, die Krieg und Gewalt ertragen. Sei bei denen, die den Krieg betreiben, wende ihre Herzen und Sinne zum Leben. Sei bei allen, die Frieden schaffen wollen, bei unserem Kanzler Olaf Scholz, bei unseren Ministern, bei allen, die an Lösungen arbeiten ohne Gewalt. Wir rufen: Gott erbarme dich. Wir bitten dich für Kranke und Sterbende: um inneren Frieden, um Zuversicht. Wir bitten dich für unsere Kinder und Enkel, für unsere Freundinnen und Freunde, für alle, die uns etwas angetan haben, für alle, die unter uns zu leiden hatten. Wir rufen: Gott erbarme dich. Wir bitten dich für uns selbst: Gib deinen Frieden in unser Herz. Mach uns liebevoll und großmütig   gegenüber jedem, dem wir begegnen. Lass uns dem Leben dienen und nicht dem Tod: In unseren Gedanken, in unserem Reden, in unserem Tun. Wir rufen: Gott erbarme dich …STILLE… Vater unser..

Lied: EGPlus 18 Stimme, die Stein zerbricht

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen + + +

 

Bleiben Sie behütet und gesund,

es grüßt Sie herzlich, Ihre Pfarrerin Dr. Anna Scholz

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