Andacht 3. So. n. Trinitatis – 03.07.2022 – von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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Der Friede Gottes sei mit Euch. Amen. – Wir feiern diese Andacht im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: Morgenlicht leuchtet (EG 455)

Gebet

Barmherziger Gott, wir können zu dir kommen mit unseren Fehlern und Schwächen, weil du uns mit deinen Augen der Liebe ansiehst. Unter deinem Blick wissen wir uns angenommen, fühlen uns befähigt, anders zu werden, unsere Engstirnigkeit zu überwinden, unsere falschen Wege zu verlassen. Hilf uns, dass auch wir mit den Augen der Barmherzigkeit sehen, dass wir unserem Nächsten Fehler nicht kleinlich aufrechnen und ihn nicht verletzen durch unser hartes Urteil. Dies bitten wir im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schenkt in Ewigkeit. Amen

Psalm 46 (EG 725)

Ansprache zu Römer 12,17-21

Liebe Leser*innen, wenn man mit Kinder zu tun hat, da bekommt man schon den einen oder anderen Streit mit, nach dem zum Beispiel solche Sätze zu hören sind: Die hat angefangen. – Ich hatte „das“ zuerst. – Ich habe „das“ nur gemacht, weil der dies und „das“ gemacht hat… Als Erwachsener guckt man dann schon ungläubig, wenn zwei Kinder vor einen stehen, bei dem ein Kind einen Haarbüschel vom anderen in der Hand hält, dem anderen dieser Büschel fehlt und beide weinen. Aber Konflikte, bei denen es körperliche oder auch seelische Verletzungen gibt, die finden wir überall! Denn: Mit anderen Frieden zu halten ist gar nicht so leicht: mit den Geschwistern (wer welche hat), mit Mitschülern, mit Nachbarn, Arbeitskollegen … in jedem Alter. Überall wo Menschen sind, da „menschelt“ es auch: da ist es die Möglichkeit, dass der eine oder andere gerne Rache übt, oder Unrecht tut, oder sich ungerecht behandelt fühlt. – Wir sind Christen. Und gleichzeitig sind wir Menschen. Nicht nur wir sind beides, sondern auch schon die Römer, denen der Apostel Paulus einen Brief darüber schrieb. Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.« Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22).

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Ich behaupte: Es steckt in uns drin, dass wir Leuten, die Böses tun, wünschen, dass ihnen auch Böses widerfährt. Es gibt den Wunsch nach Rache, nach Ausgleich, nach, ja, so etwas wie Gerechtigkeit. Aber bitte nur bei den anderen. Die anderen sollen zurück bekommen, was sie an Negativem austeilen. Man selbst: lieber nicht. Paulus rät, diese Rachegefühle an Gott abzugeben. Und es lohnt sich ein nüchterner Blick auf den eigenen Anteil an einem Konflikt: Habe ich den anderen wirklich durch nichts provoziert, auch wenn es keine Absicht war? Hätte ich an irgendeiner Stelle des immer weiter wachsenden Streites aus dem Streit auch aussteigen können? Habe ich versucht das Problem, das wir hatten, mit den Augen des anderen zu sehen und nicht nur mit meinen? – Paulus schreibt: Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. – Doch wenn einer einem weh tut… dann darf man doch zurückschlagen, oder? Nein!, sagt Paulus. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Das ist eine große Herausforderung. Sie braucht Größe. Ich lese diese Sätze nicht so, dass wir uns alles gefallen lassen sollen, dass wir einknicken sollen, dass wir zu Schlaffis werden sollen, die alles mit sich machen lassen sollen. Aber es bringt uns eben nicht weiter, wenn wir Rache üben. Dazu muss man sich selbst zügeln. Der englische Philosoph Thomas Hobbes schrieb: „Der Mensch ist ein Wolf.“ Der Mensch ist der gefährlichste Gegner des Menschen. Wenn man die Bissspuren von Kindergartenkindern anschaut, oder wenn man WhatsApp-Chats nach Mobbing oder Verletzung anderer durchschauen würde: wenn jeder sein Handy weitergeben sollte und ein anderer schaut nach, wo wann wer gegen jemand anderen etwas Verletzendes geschrieben hat… da sieht man schon, dass Menschen manchmal zu Wölfen werden. Doch lasst uns den Schafspelz anlegen, liebe Wölfchen, soweit es an uns liegt. Wir haben einen Gott, der barmherzig ist. Er rechnet nicht alles zusammen, was wir falsch machen, sondern er vergibt. Wenn uns vergeben wird, dann können wir das auch. Eine Vaterunser-Bitte lautet: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“ Es braucht unsere Aufmerksamkeit uns selbst und den anderen gegenüber, dass wir nicht Täter – aber auch nicht Opfer! – werden, sondern im Frieden leben. Jeder kann etwas tun, wenn er mitbekommt, dass ein anderer gemobbt wird: alle, die es mitbekommen, können einschreiten. Es liegt in der Hand aller für den Frieden in einer Gruppe, Gemeinschaft, Klasse oder am Arbeitsplatz einzustehen, um aus dem Täter-Opfer-Prinzip auszusteigen! Ebenso macht es Sinn, nach dem Splitter im eigenen Auge zu schauen, wo man selbst andere reizt. Man kann überlegen, wie man bei einer verkorksten Beziehung noch einmal neu startet oder eben anders weiter macht ohne einen Opfer-Täter-Zusammenhang. „Überwinde das Böse mit Gutem“, rät uns Paulus. Das ist kein passives Leiden, sondern eine aktive Veränderung. Jeder kann sich pauschal fragen, was einem im eigenen Leben gerade nicht gut tut – und überlegen, an welchen Stellschrauben an selbst drehen könnte oder wen man als Helfer bräuchte, dass der Veränderungen herbei ruft, dass man die Situation besser macht. Leider haben wir in unserem Leben nicht alles in der Hand. Es gibt das Böse. Leider. Und leider handeln auch wir – ja auch ich – nicht gut. Aber wir haben einen guten Gott, der uns nicht allein lässt. Er selbst hat ganz Schlimmes erlitten, am Kreuz, im Tod. Und er hat es überwunden. Unser Gott ist kein Held wie „Superman“, der den Bösen den Gar aus macht. Gott überwindet durch das Leid hindurch – während er das Leid und den Tod nicht will, aber überwindet und besiegt. Er ist ein vergebender Gott, der unsere Sünden, alles was an uns Böse ist und was wir Böses tun nicht rächt, sondern „gut sein“ lässt. So, liebe Leser*innen, vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Und: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Wir sind nicht nur Wölfe, sondern wir können auch Lamm-fromm sein. Nämlich da, wo wir so handeln, wie Gott an uns handelt: barmherzig! Nicht immer, aber manchmal, liegt es auch an uns und unserer Einstellung, ob wir Frieden halten und Frieden ermöglichen. Dazu eine kleine Geschichte: Vor vielen Jahren gab es in Indien den Tempel der tausend Spiegel. Er lag hoch oben auf einem Berg und sein Anblick war gewaltig. Eines Tages erklomm ein Hund den Berg, stieg die Stufen des Tempels hinauf und betrat den Tempel der tausend Spiegel. Als er in den Saal der tausend Spiegel kam, sah er tausend Hunde. Er erschrak, knurrte furchtbar und fletschte die Zähne. Und auch die tausend Hunde knurrten furchtbar und fletschten ihre Zähne. Voller Panik rannte der Hund aus dem Tempel und glaubte von nun an, dass die ganze Welt aus knurrenden, gefährlichen und bedrohlichen Hunden bestehe. Einige Zeit später kam ein anderer Hund in den Tempel. Auch er kam in den Saal mit den tausend Spiegeln, und auch er sah tausend andere Hunde. Er aber freute sich. Er wedelte mit dem Schwanz, sprang fröhlich hin und her und forderte die Hunde zum Spielen auf. Dieser Hund verließ den Tempel in der Überzeugung, dass die ganze Welt aus netten, freundlichen Hunden bestehe, die ihm wohlgesonnen sind. – Wir, liebe Leser*innen, können lauter kleine Spiegelteilchen sein, in denen für andere Menschen sichtbar wird, wie Gott ist.Darum: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Amen

Lied: Vergiss nicht zu danken, dem ewigen Herrn

Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, / er hat dir viel Gutes getan. / Bedenke, in Jesus vergibt er dir gern, / du kannst ihm, so wie du bist, nahn.

Refr:

Barmherzig, geduldig und gnädig ist er, / viel mehr als ein Vater es kann. / Er warf unsre Sünden ins äußerste Meer. / Kommt, betet den Ewigen an.

Du kannst ihm vertrauen in dunkelster Nacht, / wenn alles verloren erscheint. / Er liebt dich, auch wenn du ihm Kummer gemacht, / ist näher, als je du gemeint. / Barmherzig, geduldig …

Im Danken kommt Neues ins Leben hinein, / ein Wünschen, das nie du gekannt, / dass jeder wie du Gottes Kind möchte sein, / vom Vater zum Erben ernannt. / Barmherzig, geduldig …

In Jesus gehörst du zur ewigen Welt, / zum Glaubensgehorsam befreit. / Er hat sich in seine Gemeinde gestellt / und macht dich zum Dienen bereit. / Barmherzig, geduldig …

Fürbittengebet / Vater unser

Gott, wir bitten dich für uns, dass unsere Augen keine blinden Flecke bekommen, die uns bei anderen immer nur Fehler sehen lassen. Gib uns die inwendige Stärke, dass wir auch unsere eigenen Fehler sehen und zu unseren Schwächen stehen. – Wir bitten dich für diejenigen unter uns, die in Unfrieden mit ihrem Nächsten leben. Hilf ihnen, zu vergeben, wo andere falsch gehandelt haben, und gib ihnen Mut, einen Neuanfang zu wagen, und barmherzig zu sein im Umgang miteinander. – Wir bitten dich für die Kranken, die unter der Einschränkung ihres Lebens leiden, die ohne Hoffnung sind auf ein Ende ihrer Schmerzen. Lass sie nicht allein in ihrem Leiden. – Wir bitten dich für unsere Welt, die nicht zur Ruhe kommt, weil noch immer kein Friede einkehren will. Lass die Regierenden   Visionen entwickeln für eine gerechte Welt und gib ihnen Gedanken des Friedens. – Vater unser im Himmel…

Segen

Der Herr segne und behüte dich; er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen +++

Bleiben Sie behütet und gesund, Ihre

Sabine Klatt, Diakonin/Prädikantin

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