Andacht 3. So. n. Trinitatis, 28.06.2020 von Pfarrerin Anna Scholz

Friede sei mit Euch!

Mitten im Leben verloren. Orientierungslos, verstrickt in allen Beziehungen und Verantwortungen, leben wir. Den Blick auf das, was bedrückt und nicht gelingt gerichtet. Daraus sollen wir befreit werden. Die Momente, in denen sich etwas verändert, sich zum Guten wendet wahrnehmen. Die Freude, wenn etwas gelingt. Tanzen und Singen wollen, über eine großartige Nachricht.

Wann wollten sie das letzte Mal singen und tanzen vor Freude, was hat sie glücklich gemacht, wofür sind sie von Herzen dankbar? Wofür möchten sie Gott danken?

– Stille –

Psalm 103 als Lied EG+ 87 (Lobe den Herrn, meine Seele)

Refr:      Lobe den Herrn, meine Seele, un seinen heiligen Namen. Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen. Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele! Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele!

  1. 1.Der meine Sünden vergeben hat, der mich von Krankheit gesund gemacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:
  2. 2.Der mich im Leiden getröstet hat, der meinen Mund wieder fröhlich macht, den will ich preisen …
  3. 3.Der mich vom Tode errettet hat, der mich behütet bei Tag und Nacht, den will ich preisen …

Predigt Micha 7, 18-20

18 Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! 19 Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. 20 Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.

Micha ist ein Prophet in Juda. Er setzt sich vor allem für die Bevölkerung auf dem Land ein. Er hat die Bauern und kleinen Unternehmer im Blick. Sieht ihre Sorgen und Nöte. Seine Zukunftsvisionen wechseln hin und her. Mal sagt er die absolute Zerstörung und Katastrophe voraus. Mal stellt ein eine Zeit des Heils und der Versöhnung in Aussicht. So ist das wohl im Leben. Es ist nicht immer alles gut, aber es ist auch nicht immer alles schlecht. Und die Hoffnung, dass wieder alles gut wird, bleibt. Das Volk in Juda hat es genauso erlebt. Lange Zeit mussten sie im Exil leben. Über Generationen lebten sie im babylonischen Reich. Empfanden die Zeit dort als Unterdrückung. Sie bildeten eine Gesellschaft in der babylonischen Gesellschaft. Gingen ihrer Arbeit nach und hatten Rechte und Pflichten. Generationen nach dem Beginn des Exils kehren die Menschen nach Judazurück. Wobei das eigentlich keine Rückkehr ist. Denn die Generation, die zurückkehrt hat ja nie selbst in diesem Land gelebt. Die Verse aus dem Michabuch stehen ganz am Ende. Am Ende der Geschichte wird geurteilt. Im Rückblick kann das Volk sehen, wo es versagt hat, wo es sich selbst und seinen Gott verloren hat, wo es schuldig geworden ist. Sie sehen aber auch, wo sie bewahrt wurden, was gut für sie war und sie loben Gott für den neuen Anfang.

Lisa ist eine junge Frau. Sie lebt in einem kleinen Dorf. Vor kurzem hat sie die Schule beendet. Sie ist in den elterlichen Betrieb eingestiegen, so wie es eben vorgesehen war. Sie hat einen Freund. Die beiden kennen sich schon seit dem Sandkasten. Irgendwann in der Pubertät sind sie dann zusammengekommen. Es läuft nicht mehr so mit ihm. Er will ein Haus und Kinder. Lisa fühlt sich von allem eingeengt. Manchmal hat sie das Gefühl, sie kann kaum atmen. Sie will etwas anderes, etwas Neues. Sie will raus aus dem Dorf, weg von der Familie und dem Betrieb, raus aus der Beziehung. Lisa kann mit niemandem so richtig reden. Keiner würde sie verstehen – sie hat doch alles. Sie macht vieles mit sich selbst aus. Manchmal fühlt sie sich schuldig. Sie hat ja auch Verantwortung übernommen, im Betrieb und irgendwie auch in ihrer Beziehung. Sie hat ein schlechtes Gewissen. Manchmal weint sie heimlich. Sie hat Angst vor ihren eigenen Träumen und Sehnsüchten. Sie weiß ja auch gar nicht, wie dann alles wird. Doch irgendwann ist sie sich sicher, sie will die Veränderung. Die Sehnsucht des Volkes hat sich erfüllt. Die Sehnsucht der Alten, die von dem verheißenen Land erzählt haben, in dem Milch und Honig fließt. Die Alten haben das Land zur Sehnsucht der Jungen gemacht, die selbst noch nie dort waren. Eine Sehnsucht nach einem Leben in Freiheit und doch gleichzeitig völlig ungewiss und unbekannt. Der Weg in die Freiheit war sicherlich auf für die Menschen aus Juda damals mit Sorgen und Ängsten verbunden. Ein kompletter Neuanfang und alles Bekannte hinter sich lassen. Auch wenn sie nicht immer glücklich waren und sich unterdrückt gefühlt haben, hatten sie ja auch viele Sicherheiten. Dennoch: das Volk kehrt zurück. Lisa tut es. Sie fasst den Mut. Ihre Eltern haben wie befürchtet kein Verständnis. Die Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt. Auch die Trennung von ihrem Freund ist schmerzhaft. Sie muss Menschen verletzen, das hat viel Kraft gekostet.  Jetzt sitzt sie in einem großen Hörsaal in einer großen Uni-Stadt. Alles ist fremd. Viele aufgeregte Menschen um sie herum. Ein junger Mann setzt sich neben sie, lächelt sie freundlich an. Ein Kibbeln durchfährt ihren ganzen Körper. Sie hat den ersten Schritt gemacht. Lisa ist das Wagnis eingegangen. Sie fühlt sich frei, hat wieder Luft zum Atmen und Lust am Leben. Ob alles gut wird und es die richtige Entscheidung war, kann sie jetzt noch nicht sagen. Gerade fühlt es sich gut und richtig an. Sie hofft, dass es so bleibt, dass sie das Leben und die Neue Freiheit genießen kann, auch wenn sie Rückschläge einstecken muss und ihr die verletzten Beziehungen zu Hause noch nachhängen. Im Rückblick freut sich das Volk aus Juda über seine Bewahrung und die Rückkehr. Im Rückblick erkennt es den Segen und spricht alles Gott zu. Das Volk ist jetzt frei, es ist selbstbestimmt. Damit kommen neue Herausforderungen. Auch in der neuen Heimat, im gelobten Land der Väter werden Konflikte aufkommen und es wird Rückschläge geben. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass dieser Gott, der einmal sein Versprechen gegeben hat, weiterhin für Freiheit, Freude und Frieden sorgen wird. Das zeigt die Erfahrung. Lisa steckt noch mittendrin im Neuanfang. In ein paar Jahren wird sie sagen können, was gut und segensreich war. Sie hat jetzt schon eine Ahnung. Sie macht die Erfahrung frei zu sein und Spaß an dem zu haben, was sie tut. 18 Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Ich glaube: Er ist hier. Bei mir und bei Dir. Heute und an allen Tagen. Amen.

EG 638, 1-3 (Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt)

  1. 1.Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe. Ich lobe meinen Gott, der meine Fesseln löst, damit ich frei bin.

Refr:      Ehre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern, die Menschen werden singen, bis das Lied zum Himmel steigt. Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Frieden auf Erden.

  1. Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle. Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede. Ehre sei Gott …
  2. Ich lobe meinen Gott, der meine Tränen trocknet, dass ich lache. Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt, damit ich atme. Ehre sei Gott …

Lasst uns beten und Fürbitte halten.

Herr, unser Gott, wir sind in unseren Alltag verstrickt. Sorgen, Nöte und Ängste stehen oft im Vordergrund. Doch du gibst den Mut und die Kraft Neues zu wagen. Du veränderst Menschen, lässt uns Liebe und Geborgenheit erfahren. Dann können wir Singen und Tanzen und das ganze volle Leben als großes Geschenk feiern.

Sei bei denen, die in Sorge und Angst leben müssen; denen die von Armut, Hunger und Krankheit betroffen sind. Lass sie nicht in Vergessenheit geraten. Gib ihnen eine Stimme und helfende Hände.

Sei bei denen, die Neues wagen wollen, die von der Sehnsucht auf ein anderes Leben, neue Wege gehen. Schenke ihnen den Mut neu anzufangen und die Kraft versöhnt auf das zu blicken, was hinter ihnen liegt.

In der Stille bringen wir vor dich, was uns bewegt…

Mit Jesu Worten beten wir weiter

Vater unser im Himmel, …

Segen

Gott Segne dich und er behüte Dich. Er lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.

Es grüßt Sie herzlichst

Ihre Pfarrerin Anna Scholz

Bleiben Sie behütet und gesund! 28.06.2020

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