Andacht 4. So. i. d. Passionszeit – Lätare – 27.03.2022 von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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Der Friede Gottes sei mit euch! – Dieser Sonntag heißt auch Lätare und gilt als kleines Osterfest in der Passionszeit. Der Wochenspruch vom Weizenkorn weist über den Tod auf das Leben und den Neuanfang: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Gott hat ein Samenkorn in diese Welt gelegt: Jesus. Aus seinem Tod ist neues Leben gewachsen, neues Leben für die ganze Welt. Es lässt sich nicht mehr aufhalten, auch wenn der Augenschein manchmal dagegenspricht. Es ist da. Es wird sich durchsetzen. Mitten in der Passion ist dies Grund zur Freude.

Lied: Tut mir auf die schöne Pforte (EG 166, 1-3.6)

Psalm 84 (EG 734)

Gebet

Herr Jesus Christus, wir können leben, weil du dich für uns hingegeben hast wie ein Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt. Wir bitten dich, hilf uns, dass wir dem Weg folgen, den du für uns gegangen bist, dass auch wir unser Leben für andere einsetzen, um anderen Gutes zu tun. Nimm uns die Angst, verbraucht zu werden, wenn wir unsere Kraft für eine Aufgabe einsetzen. Lass uns ein Ziel finden, damit wir nicht vergeblich vor uns hinleben. Segne uns, dass wir mit der Arbeit unserer Hände Frucht bringen. Amen

Lesung 2. Kor 1,3-7

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. Werden wir aber bedrängt, so geschieht es euch zu Trost und Heil; werden wir getröstet, so geschieht es euch zum Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden.  Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil.

Glaubensbekenntnis (von Erika Görke)

Wir glauben an Gott, den Ursprung von allem was geschaffen ist, die Quelle des Lebens, aus der alles fließt, das Ziel der Schöpfung, die auf Erlösung hofft.

Wir glauben an Jesus Christus, den Gesandten der Liebe Gottes, von Maria geboren. Ein Mensch, der Kinder segnete, Frauen und Männer bewegte, Leben heilte und Grenzen überwand. Er wurde gekreuzigt. In seinem Tod hat Gott die Macht des Bösen gebrochen und uns zur Liebe befreit. Mitten unter uns ist Jesus Christus gegenwärtig und ruft uns auf seinen Weg.

Wir glauben an Gottes Geist, Weisheit von Gott, die wirkt, wo sie will. Sie gibt Kraft zur Versöhnung und schenkt Hoffnung, die auch der Tod nicht zerstört. In der Gemeinschaft der Glaubenden werden wir zu Schwestern und Brüdern, die nach Gerechtigkeit suchen. Wir erwarten Gottes Reich. Amen

Lied: Korn, das in die Erde (EG 98,1-3)

Ansprache

Liebe Leser*innen,

Trost, trösten, getröstet werden … zehnmal kommen in diesem kurzen Abschnitt des Briefes an die Gemeinde in Korinth, diese Trost-Wörter vor! Kein Zweifel worum es in diesem Bibelabschnitt geht.   Trösten und getröstet werden, ist ein breites Thema in der Bibel. Das wundert nicht, denn die Bibel ist geschrieben für Menschen wie Du und ich. Menschen, die trostbedürftig sind. Nicht immer, aber immer wieder. – Schon Kinder brauchen Trost: das verlorene Stofftier, die aufgeschlagenen Knie, ausgelacht werden, die vermasselte Klassenarbeit, der Streit der Eltern, der Tod des Haustieres … Schon kleine Kinder können großen Kummer haben, trostbedürftig sein. Und so geht es weiter durch alle Lebensphasen hindurch bis ins Alter. Enttäuschungen, Liebeskummer, Abschied von lieben Menschen, Umziehen müssen, erfahrene Ungerechtigkeit, eigene Schuld, Krankheit, verpatzte Chancen … die Liste ist lang. – Solche Erfahrungen gehören irgendwie zum Leben dazu. Das Leben ist nicht nur heiter. – Wir brauchen Trost. Selbst solche Leute, von denen wir denken, sie haben ihr Leben voll im Griff, gestandene Männer die scheinbar drüberstehen, auch sie brauchen Trost. Selbst der Apostel Paulus, von dem wir gerade gehört haben. Auch er wurde schon getröstet. Weil er Trost brauchte. Nicht immer, aber immer wieder. – Was aber ist Trost? Was tröstet denn?

Bleiben wir beim Beispiel aus den Kindertagen: Aufgeschlagene Knie. Die Tränen kullern und das Kind rennt zu Mama, Papa, Oma, Opa … wer gerade da ist. Wenn es gut geht, wird es in den Arm genommen und darf sich ungehindert ausweinen. Vielleicht bekommt es auch noch ein Pflaster mit einem Bildchen drauf. Ein echtes Trostpflaster. Nicht weil das medizinisch nötig wäre, aber so ein Pflaster ist der Beweis: Mama, Papa, Oma, Opa nimmt meinen Schmerz ernst. Wenn es nicht gut geht, dann ist keiner da. Keine Mama, kein Papa, kein wer auch immer …! Wenn es erst recht nicht gut geht, dann ist zwar jemand da, aber dieser jemand hat keine Zeit! Und nochmal mehr geht es nicht gut, wenn es statt einer Umarmung nur kluge Sprüche gibt wie: „Stell dich nicht so an, ist doch nur ein Kratzer.“ Oder noch schlimmer: „Selbst schuld! Wie oft hab ich dir gesagt, du sollst nicht ohne Knieschützer Roller fahren!“ … oder was auch immer. Vielleicht haben die klugen Sprüche ja manchmal Recht. Es ist vielleicht wirklich nur ein Kratzer, der wieder weggeht. Und schuld ist jemand unter Umständen tatsächlich selbst an der Misere. Aber das hilft jetzt nichts. Wer Trost sucht, sucht keine klugen Sprüche und auch keinen Rat! Wer Trost sucht, sucht Verständnis! Was uns tröstet ist ganz schlicht: Jemand ist für mich da. Jemand hat Zeit für mich. Jemand nimmt mich ernst. Jemand versteht mich. Ich bin nicht allein. Was tröstet ist die Nähe eines anderen, der uns ernst nimmt. Das ist die Grundvoraussetzung für Trost. Nun sind wir unversehens bei dem Trost gelandet, den Menschen einander geben. Und ja, das wäre auch ein schönes Ziel, solch ein Mensch zu werden, der trösten kann. Von dem sich andere getröstet fühlen. Paulus wünscht sich das für die Gemeinde an die er schreibt. Das wäre gut, wenn die Korinther, solche Tröster würden. Aber als allererstes redet Paulus von einem ganz anderen Tröster. Er redet von Gott. Der ist der große Tröster. – Wie tröstet denn Gott? – Indem er da ist für uns und uns nahe ist. Indem er unseren Kummer ernst nimmt. „Er zählt unsere Tränen“ heißt es in der Bibel (Psalm 56,9). Was für ein schönes Bild! Gott nimmt die Tränen ernst und trägt unser Leid mit. Das wird nirgends mehr deutlich als an Jesus. In Jesus geht Gott hinein ins Menschsein auch mit all seinen Tiefen. Er geht durch die finsteren Täler. Lesen wir die Evangelien, dann lesen wir auch das: Wie Jesus weint, wie er ringt mit seinem Geschick, wie man ihm Unrecht tut, wie er verspottet und gequält wird, schlussendlich wie er stirbt. Hier begegnet uns Jesus, der nicht nur viel Trost gibt, sondern selbst Trost braucht und offensichtlich auch immer wieder bekommt. Jesus ist ganz auf unserer Seite, wenn wir leiden. Bei ihm können wir uns ausweinen. Nie hat Jesus gesagt: „Selber schuld, hättest du mal gehört“. Aber: „Dir ist vergeben“, das hat er gesagt. Und von Gott hat er erzählt, zu dem wir kommen können immer und mit allem. Getröstet werden bedeutet nicht, herausgenommen sein aus schwierigen Situationen. Es bedeutet aber zu erfahren, dass man in eben dieser Situation nicht alleine ist. Menschen an der Seite wissen und Gott an der Seite wissen, das gibt Stärke. Verbündete haben, macht zuversichtlich. Darum geht es beim Trost. Wer getröstet wird gewinnt an innerer Zuversicht – auch wenn sich die äußeren Umstände nicht geändert haben sollten. Weil er nicht allein ist. – Paulus kennt das. Er hatte schon schlimmes erfahren auf seinen Reisen.: Verfolgung, Schiffbruch, Prügel, Gefängnis, Verrat – um nur einiges zu nennen. Aber er hatte auch erfahren, dass Jesus Christus ihm in solchen Situationen gang, ganz nahe war. An seiner Seite, ja geradezu in ihm. Das hat ihn innerlich stark gemacht und durchhalten lassen. Gottes Trost kommt uns aber auch durch andere zu. Durch Menschen, die da sind, uns annehmen, Zeit schenken, zuhören und vielleicht praktische Hilfe leisten. Und damit sind wir wieder bei uns. Die Getrösteten können und sollen wiederum andere trösten. Da gibt es viel zu tun. Denn die Welt in der wir leben, ist nicht ganz bei Trost. Ist trostbedürftig. Immer wieder. Amen

Lied: Von guten Mächten (EGPlus 6, 1-6)

Fürbittengebet / stilles Gebet / Vaterunser

Gott, du schenkst uns Trost. In Worten, in Menschen, in Lebensmut. Auch an Grenzen, die wir erleben, bist du da. Wir danken dir dafür. Wir wollen nicht nur selber immer wieder getröstet sein – Wir wollen auch anderen Trost und Hilfe geben. Hilf uns offen zu sein für die Nöte der anderen. Hilf uns andere zu stärken, nicht zu bewerten oder zu verurteilen. Wir bitten für alle Menschen in Not. Wir bitten für alle Menschen, die verfolgt werden oder ihre Meinung und ihren Glauben verstecken müssen. Wir bitten dich für die, die traurig sind, einen Menschen verloren haben, Hoffnungen oder Vertrauen verloren haben. Gott, wir leben in einer Welt, die uns auch Angst macht. Wir können uns nicht gegen alles absichern. Brauchen viel innere Kraft, um das tragen zu können. Wir bitten dich um diese Kraft für uns und alle Menschen. Zuversicht könnten wir brauchen, Gott. Und Stärke, die aus der Liebe wächst. Wir schauen nach Russland und zur Ukraine. Und das Herz wird schwer. Wie kann es sein, dass Bosheit siegt und Unvernunft? Sturheit und Machtgier setzen sich durch? Und wo bist du? Ach, Gott, wie sehr wir uns das wünschen: Dass du etwas tust. Damit Friede sich ausbreitet. Und Menschen leben können. Unbeschwert und voller Freude. Ohne Angst vor Bomben und Granaten. Vor Diktatoren und Unterdrückern. Drum bitten wir dich: Gib Einsicht und Vernunft. Gib Weisheit denen, die um Frieden verhandeln. Bewahre die Menschen in der Ukraine und in Russland. Bewahre uns hier in Deutschland. Bewahre uns davor, die Hoffnung zu verlieren. – Vater unser im Himmel …

Lied: Verleih uns Frieden gnädiglich (EGPlus 142)

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen +++

 

Bleiben Sie behütet und gesund.

Es grüßt Sie herzlich, Ihre Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

 

 

 

 

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