Andacht 4. So. n. Trinitatis 23.06.2024, Sabine Klatt (Diakonin/Prädikantin)

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Schön, dass wir auf diese Weise miteinander verbunden sind – im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: Dich rühmt der Morgen (EG+ 144)

Psalm 103

Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.

Gebet

Gott, gehe mit uns in den Tag. Öffne uns die Augen, die Ohren und das Herz füreinander und für unsere Aufgaben. Segne unser Tun und unser Lassen. Amen

Andacht über Prediger 3,14a (Nachspielzeit)

Liebe Leser*innen!

„Ein Spiel dauert 90 Minuten.“ Das ist eine von vielen – für ihn typischen Weisheiten von Sepp Herberger, dem „Vater“ des „Wunders von Bern“ im Sommer 1954. Zu seiner Zeit hat das gestimmt. Und bei genauer Regelbefolgung stimmt es heute immer noch. „Ein Spiel dauert 90 Minuten.“

In der Praxis dauert ein Fußballspiel heute aber meistens länger. Wenn es unterbrochen wird, wegen Verletzungen … dann gibt der Schiedsrichter gern ein paar Minuten dazu. Und aus neunzig können rasch zweiundneunzig oder dreiundneunzig oder noch mehr Minuten werden. Nachspielzeit nennt man das. Und diese Nachspielzeit kann sehr spannend sein. Da können viele Mannschaften – mit Können, Kondition und Cleverness – noch einmal richtig zulegen.

Im Leben ist das anders. Da gibt es keine Nachspielzeit. „Man kann nichts dazu tun“, schreibt Kohelet, der Prediger, im Alten Testament. Wenn etwas versäumt wird, dann muss das innerhalb der Zeit nachgeholt werden. Der „regulären“ Zeit. Der Lebenszeit. Jetzt oder nie! Was nicht oder nicht mehr erledigt werden kann, das bleibt auch unerledigt. „Man kann nichts dazu tun.“ So gern man’s auch täte: Es geht nicht.

Es gibt Augenblicke, da beunruhigt mich dieser Gedanke. Etwas zu verpassen. Etwas nicht wieder gutmachen zu können. Zu wissen, dass ich „nichts dazu tun“ kann an meiner Lebenszeit. Das macht mir manchmal richtig Angst. Oft aber, immer öfter sogar, macht mir dieser Gedanke auch Mut. Mut, meine Zeit zu nutzen. So gut es irgend geht. Nicht auf vermeintlich bessere Gelegenheiten zu warten, nichts auf die lange Bank zu schieben. Etwas zu unternehmen, wozu ich gerade Lust habe. Einen Spaziergang, einen Ausflug, eine Reise. Mir – sofern ich es mir leisten kann – etwas zu kaufen, was mir gefällt; ganz egal, ob ich es im Moment wirklich brauche oder nicht. Einfach nur, weil’s schön ist und weil es mir Spaß macht.

Oder auch einmal etwas ganz bewusst liegen zu lassen – etwa weil das Wetter so schön ist – und mich Dingen zu widmen, die mir gerade jetzt in den Sinn kommen. Dinge, von denen ich spüre oder weiß, dass ich sie jetzt tun will, ja geradezu tun muss. Und das ganz ohne schlechtes Gewissen! Sondern im Gegenteil: gern und mit Freude! Zum Beispiel in meinem schönen Garten herumwuseln.

Oder einen Streit, eine Meinungsverschiedenheit so schnell wie möglich beilegen. Auf den anderen zugehen, ihm die Hand reichen. Ein Unrecht wieder geradebiegen. Ein kniffliges Problem lösen. Lieber gleich als irgendwann. Lieber heute als morgen.

„Alles hat seine Zeit. Man kann nichts dazu tun. Gott hat es so gemacht.“

Und ich finde: er hat es gut gemacht! Das Leben. Ohne Nachspielzeit. Amen

Lied: Meine Zeit steht in deinen Händen (EG+ 111)

Fürbittengebet

Gott, wir danken dir, dass du uns das Leben geschenkt hast. Du begleitest uns auf Schritt und Tritt; und da, wo unser Weg dunkel erscheint, trägst du uns liebevoll weiter. Wir bitten für alle, die leiden unter Misserfolgen und Fehlschlägen, die durch Naturkatastrophen oder Krieg Hab und Gut und die Heimat verloren haben, Menschen, die um Tote trauern. Schenk ihnen neuen Mut. Gib ihnen weiten Raum. Allen, die Entscheidungen treffen müssen in unsicherer Zeit, gib Weisheit. Uns allen hilf, dass wir offen sind für Erfahrungen deiner Liebe und Güte und dankbar bleiben. – Vater unser … Amen

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

 

Bleiben Sie behütet und gesund!

Es grüßt Sie herzlichst,

Ihr

Sabine Klatt