Andacht 5. So. n. Trinitatis, 17.07.2022, von Lektorin Gerlinde Abel

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Wochenspruch Epheser 2,8: Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.

In die Nachfolge Christi sind wir berufen. Seinem Weg sollen wir folgen. Seinem Wort können wir vertrauen. Christus ruft uns, weil er uns brauchen kann und haben will. Er ermutigt und befähigt uns, damit wir uns auf den Weg machen. Mit ihm können wir leben und zum Segen werden für andere.

Lied: Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit (EG 502,1.13.14)

Psalm 73,23-26.2

Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.

Gebet

Wegweisender Gott, im Nachsinnen über dein Wort haben Menschen den Sinn ihres Lebens entdeckt, sind Jesus gefolgt auf dem Weg der Heilung unserer Welt. Lass uns nicht zurückschrecken, wenn du uns meinst, wenn du uns Schritte zeigst, die wir gehen sollen. Gib uns den Mut dazu und ausdauernde Hoffnung im Blick auf den, der vor uns und mit uns geht, Jesus, deinen Sohn. Amen.

Predigt

Liebe Leser*innen.

Ein Tourist macht Station in einem Kloster. Er wird herzlich aufgenommen und freundlich empfangen. Einer der Mönche führt ihn durch das Kloster und zeigt ihm zum Schluss die Mönchszellen. Eine davon soll dem Gast als Schlafquartier dienen. Alle sind sie spartanisch eingerichtet: Ein Bett, ein Stuhl, mehr nicht. Der Tourist solle nun wählen, in welcher Zelle er die Nacht verbringen will. Er betrachtet die Zellen und fragt dann ratlos: „Ja, und wo sind alle Ihre Möbel?“ „Wo sind denn Ihre?“ entgegnet der Mönch. Verwirrt antwortet der Gast: „Ich, ich bin ja nur auf der Durchreise.“ Da lächelt der Mönch und antwortet: „Wir auch.“

Wir alle sind auf der Durchreise. Wir alle sind auf der Wanderschaft. Wir kommen auf diese Erde, und wir werden auch wieder von ihr gehen. Das ist jedem von uns sicher. Jeder weiß das – und doch vergessen und verdrängen wir es oft. Wir wollen nachdenken über das Aufbrechen, das sich auf den Weg machen. Dazu die vielleicht berühmteste Aufbruchsgeschichte der Bibel:

 

Lesung 1. Mose 12: 1-4a

Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. – Da zog Abraham aus. Hier geschieht der Aufbruch, hier beginnt eine große Geschichte des Segens, bis zu uns. Abraham und seine Frau Sara erhalten einen Auftrag und eine Verheißung. Sie bekommen den Auftrag zum Aufbruch. Alles sollen sie verlassen: Heimat, Familie, Besitz. Aber – die beiden bekommen auch eine gewaltige Zusage: Gott will ihnen viele Nachkommen schenken. Ein großes Volk sollen sie werden. Und Gott will sie führen in ein Land, das er ihnen zeigen wird. Der Anfang des Weges in das Land Israel ist das. Alles unter der großartigen Zusage: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“ Was kann einem Menschen überhaupt Größeres zugesagt werden? „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“ Was, wenn das für uns auch gelten kann, dass wir uns unter Gottes Segen immer wieder neu auf den Weg machen, also mit seinem Schutz und seiner Kraft, die das Leben gelingen lässt? Das ist ja Segen. Was, wenn diese Kraft auch uns trägt in den verschiedenen Lebenssituationen. Und was, wenn auch wir von Gott beauftragt sind, selbst Menschen des Segens zu sein, die für andere segensreich und wichtig sind? Was für eine Zusage für unsere Wanderschaft durch die Zeit! Aber bevor ich das Wort an Abraham zu schnell auf uns beziehe, sind zwei Einschränkungen nötig. Die eine Einschränkung: Man darf Aufbrüche nicht idealisieren, Wanderschaft nicht schön reden. Wir haben doch auch alle die ganz anderen Bilder vor Augen, von Menschen die geflohen sind vor Krieg und Verfolgung, vor Armut und miserablen Lebensbedingungen. Aufbruch und Wanderschaft sind für viele mit großer Not verbunden. Erstmals sind laut UN weltweit mehr als 100 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen. Der Krieg Russlands in der Ukraine habe erheblich zu der Entwicklung beigetragen. Wenn wir heute über Aufbruch und Wanderschaft reden, dürfen wir sie nicht vergessen. Es liegt eine lange Zeitspanne zwischen Gottes Wort an Abraham und uns heute, und in dieser Zeit ist viel geschehen.   Gott zeigt uns immer nur den nächsten Schritt. Zu Abraham sagte er einfach nur: Geh in ein Land, das ich dir zeigen werde; wie es heißt und was du da machen sollst, das wirst du schon noch früh genug erfahren. So forderte Gott von Abraham ganzes Vertrauen. Aber dieses Vertrauen lohnte sich, denn Gott führte Abraham ja in sein eigenes Glück. Mancher kann das sicher nachempfinden. Haben wir im Leben nicht auch schon Wege betreten, von denen wir am Anfang nicht wussten, wo sie dich hinführen, womöglich Wege, die uns Gott gezeigt hatte? Hinterher konntest du dann dem danken „der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet.“ Das ist eine große Ermutigung für alle, die solche ungewissen Wege noch vor sich haben. Gehen wir also nur den Weg, von dem wir meinen, dass wir ihn gehen sollten, und sorgen wir uns nicht darum, wohin er führt! Gehe ihn mit dem Vertrauen Abrahams! Menschliches Leben braucht Dauer und Verlässlichkeit. Auch und gerade auf der Dauer liegt der Segen Gottes. Wo Menschen über lange Zeit ihre alten Angehörigen begleiten oder pflegen – und eben besonders auch, wo sie sie in Treue bis zum Tod begleiten. Treue und Dauer sind hohe Güter für unser Zusammenleben. Genau das hat das Volk Israel ja erfahren. Als sie die Abrahamsgeschichte aufgeschrieben haben, so wie wir sie heute hören, da sind sie längst sesshaft. Da leben sie längst in dem Land, das Gott ihnen gegeben hat. Und gerade das verstehen sie als Segen. Gerade in der Sesshaftigkeit erleben sie den Segen Gottes, in dem Land, das Gott ihnen gegeben hat. Aber zu dem kam es eben nur durch den Aufbruch des Abraham. Deshalb wird die Geschichte aufgeschrieben und erzählt: Der Segen, den wir erfahren, der ist zustande gekommen, weil Abraham und Sara aufgebrochen sind. Weil sie Gottes Zusage vertraut haben. Und so ist in aller Dauer doch immer die Frage: Wo brauchen wir Aufbruch? Wo ist es Zeit, Altes hinter sich zu lassen und Neues zu wagen? Wo hat sich jemand festgefahren und braucht Mut zum Neuaufbruch? Jeder und jede mag sich das fragen: Wo wäre ein Neuaufbruch gut oder sogar nötig? Vielleicht kannst du heute Gottes Anrede hören: Geh! Geh in ein Land, das ich dir zeigen will… Wir alle sind auf der Durchreise. Sie haben sich auf den Weg gemacht und tun es immer wieder neu. Und ich bin sicher: Sie sind ein Segen für andere. Ich wünsche Ihnen, dass sie diesen Weg immer wieder als einen Segen für sich erleben, so dass diese Zusage immer wieder neu wahr wird: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“ Der Segen ist die dichteste und dramatischste Stelle des Glaubens. Dort wird nämlich inszeniert, was Gnade ist: nicht erringen müssen, wovon man wirklich lebt; sich nicht bannen lassen durch die eigenen Zweifel und durch die Zersplitterung des eigenen Lebens. Der Gesegnete muss nicht nur er selber sein. Er stürzt in den Abgrund des Schoßes Gottes. Wir alle sind auf der Durchreise. Wer aufbricht, mag es unter Gottes Zusage tun. Wer auf dem Weg ist, möge immer wieder Spuren des Segens Gottes auf dem eigenen Lebensweg entdecken. Wer unterwegs auf schwierige Wegstrecken gerät, möge auf Gottes Zusage vertrauen, dass Gott sein Mitgehen und seinen Segen zugesagt hat, auch wo wir ihn nicht spüren. Dafür steht Jesus Christus: Gott ist an unserer Seite, auch wo wir ihn nicht sehen auf dem Weg. Auf ihn, den Auferstandenen, hoffen wir als Christen auch an unserem letzten Aufbruch, auch auf unserer letzten Wanderschaft aus dieser Zeit in Gottes Ewigkeit. Wir alle gehen in eine Zukunft, die wir nicht kennen. Aber wir gehen unter Gottes Segen. Das Land ist unbekannt, in das jeder von uns geht. Aber es ist das Land, das Gott uns zeigen will. So drückt es auch ein Gedicht aus: »Die neuen Tage öffnen ihre Türen. Sie können, was die alten nicht gekonnt: Vor uns die Wege, die ins Weite führen. Den ersten Schritt, ins Land, zum Horizont:
Wir wissen nicht, ob wir ans Ziel gelangen. Doch gehn wir los, doch reiht sich Schritt an Schritt. Und wir verstehn zuletzt, das Ziel ist mitgegangen, denn, der den Weg beschließt und der ihn angefangen, der Herr der Zeit, geht alle Tage mit.»

Amen.

Lied: Mögen sich die Wege vor deinen Füssen ebnen (EG plus 153)

Fürbittengebet/Vaterunser

Unser Leben – ein Weg: ein langer, schöner und schwerer Weg durch blühendes und durch ödes Land, nicht immer mit klarem Ziel und oft in die Irre. Wir danken dir, Gott: Du hast uns nicht allein gelassen auf dem Weg. Dein Wort hat uns geleitet durch gute und böse Zeiten, auch durch die Irre. Bleibe bei uns und bring uns ans Ziel. Lass uns die Hoffnung nicht ausgehen auf der letzten Strecke des Weges. Umgib uns mit deiner Liebe, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Wir bitten dich für die Menschen, die uns begleiten auf unserem Weg, für unsere Angehörigen und Freunde, dass wir in Liebe mit ihnen verbunden bleiben und ihnen beistehen, wenn sie Hilfe brauchen. Auf dein Erbarmen, Gott, sind wir angewiesen, jeder für sich und alle gemeinsam. Hilf uns, auf dein Wort zu hören und uns dir anzuvertrauen, heute wie gestern und morgen wie heute, bis an das Ende unseres Lebens.

Vater unser im Himmel…

Segen

Der Herr segne und behüte dich.

Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen+++

Bleiben Sie behütet und gesund!

Es grüßt Sie herzlich, Ihre

Gerlinde Abel, Lektorin

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