Andacht 5. So. n. Trinitatis von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

Und alsbald drängte Jesus die Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm ans andere Ufer zu fahren, bis er das Volk gehen ließe. Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er auf einen Berg, um für sich zu sein und zu beten. Und am Abend war er dort allein.  Das Boot aber war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen.  Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem Meer.  Und da ihn die Jünger sahen auf dem Meer gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst!, und schrien vor Furcht.  Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht! Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich!  Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?  Und sie stiegen in das Boot und der Wind legte sich. Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn! (Matthäus 14,22-33)

Lieber Gemeinde,

Damals wie heute: Starker Gegenwind, schwacher Glaube – selbst bei Petrus. Wir alle stehen in der Gefahr, mehr in die aufgewühlten Wasser unserer Ängste und Sorgen zu schauen als auf die ausgestreckte Hand Jesu. Unmerklich sinken wir, drohen unterzugehen! Was kann uns denn über Wasser halten, wenn uns Krankheit bedroht, Existenznot, Mutlosigkeit?

Auf der Suche nach einer Antwort bin ich auf die Seerose gestoßen. In der Natur liegen so viele Geheimnisse Gottes verborgen: Ich habe kürzlich in Bayreuth auf einem kleinen Weiher in der Eremitage eine Seerose fotografiert. Sie hält sich auch in Stürmen über Wasser; zerfetzt werden höchstens ihre Blätter. Die Seerose ist verwandt mit der Lotosblume und von alters her in östlichen Religionen ein Symbol für den Menschen: Sie lebt von der Kraft aus der Tiefe, holt sich Kraft aus der Höhe und wird vom Wasser getragen. Wie sie kommen wir aus dem Wasser, gründen im Erdreich und öffnen uns für den Himmel. Die Seerose braucht Kraft aus der Höhe. Sie öffnet sich, wenn die Sonne scheint – wie auch wir die Seele in die Sonne Gottes halten sollen. Wenn wir genügend Strahlen eingefangen haben, können wir das Licht der Sonne „widerspiegeln“.  Sie braucht aber auch Kraft aus der Tiefe, wie auch wir mit der Erde durch unser Streben und Arbeiten verwurzelt sind. Auch hieraus schöpfen wir Kraft und Freude. Die Kinder haben dieser Tage Zeugnisse bekommen : Ihre Mühe in der Schule, ihr späterer Beruf hat etwas mit dieser Verwurzelung in der Erde zu tun. Wenn Schule und Arbeit gelingen, trägt das zu unserer inneren Zufriedenheit bei.

Die Mönche im Mittelalter haben die Kraft aus der Höhe und aus der Tiefe auf den einfachen Nenner gebracht: Bete und arbeite! Übertreiben wir das „Arbeiten“ nicht ein wenig? Es soll ja zum Gleichklang kommen: Bete und arbeite!  Beachtet die  Reihenfolge! Im  Gottesdienst halten wir zum Beispiel die  Seele  in  die Sonne Gottes.  Aber was   kommt  noch   hinzu? Der   kleine Augenaufschlag in Richtung Gott beim Abendgebet, ob er den Gleichklang bringt? Oder ein anderes Beispiel: Mit eigenen Händen ein Haus bauen oder sich bemühen, eines zu kaufen, das befriedigt, das verwurzelt uns mit diesem Fleckchen Erde. Aber auf so manchen Häusern ruht kein Segen. Hängt dies nicht damit zusammen, dass Arbeit und Wohlstand zum einzigen Lebensinhalt werden, dass zu wenig die Seele in die Sonne Gottes gehalten wird?

Das Wasser trägt die Seerose. Für uns könnte das Wasser die kleine Gemeinschaft der Familie sein, die uns hält und trägt, bis hin zu den anderen Gemeinschaften, in denen wir stehen – auch diese der Christen. So eine Gemeinschaft kann schützen. Wenn die Lebensstürme kommen, zerfetzen sie höchsten unsere „Blätter“, aber sie können uns nicht aus der Verankerung reißen. Leider zeigen viele Taufeltern oder Brautpaare kein Verständnis mehr für dieses Miteinander hier; obwohl Taufe doch eine Eingliederung in die Gemeinschaft der Christen bedeutet und bei der kirchlichen Trauung das Ja zum Partner vor Gott und dieser Gemeinde gesprochen wird. Da wird diese Zusammenkunft manchmal nur als „Goldrahmen“ für Feste benutzt oder als „Bedürfnis-Erfüllung“. Aber diese Gemeinschaft – wie auch jede andere – kann nur richtig leben und schützen, wenn Geben und Nehmen, Nehmen und Geben hin und her fließen.

Machen wir es wie die Seerose: Verwurzelt in der Erde, getragen von der  Gemeinschaft der Heiligen, halten wir unsere Seele in die Sonne Gottes und werden dabei selbst zu kleinen Sonnen, die widerspiegeln, was wir empfangen. Amen.

Fürbittengebet

Guter Vater im Himmel, nicht nur in der Ferienzeit

schenkst du allen Menschen Liebe und Freundschaft.

Zu jeder Zeit dürfen wir zu dir kommen und uns bei dir ausruhen.

Darum bitten wir dich voll Vertrauen:

Für alle Menschen, die jetzt Ferien haben und jetzt in den Urlaub fahren.

Wir wünschen den Familien, dass sie viel gemeinsam unternehmen

und ausgeruht, erholt und gesund wieder nach Hause kommen.

Wir bitten dich für alle Menschen,

die krank sind und nicht in Ferien fahren können.

Wir wünschen ihnen, dass sie ihre Krankheit gut überstehen

und bald wieder gesund werden.

Wir bitten dich für alle Menschen,

die nicht mehr beten können und fern sind von dir.

Wir wünschen ihnen, dass sie in den Ferien Zeit und Muße finden,

mit dir zu reden und den Weg zu dir zu finden.

Gemeinsam beten wir: Vater unser im Himmel …

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Bleiben Sie behütet und gesund,

Ihre

Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

12.07.2020 �

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