Andacht 6. So. n. Trinitatis, 24.07.2022, von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Heute erinnern wir uns an unsere Taufe. Durch die Taufe und den Glauben an Jesus Christus sind wir berufen, zu Gottes geliebtem Volk zu gehören. Jeder von uns ist unendlich wertvoll und kostbar.

Lied: Gott ist gegenwärtig (EG 165)

Meditation zu Psalm 139

Du weißt, wie es um mich steht, Gott, und du kennst selbst meine geheimsten Gedanken. Ob ich sitze oder stehe, du weißt es und verstehst meine dunkelsten Grübeleien. Ob ich gehe oder liege, du bist mir nahe und begleitest mich auf allen meinen Wegen. Kein Wort geht mir über die Lippen, das du nicht schon kennst. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Wohin ich auch gehe, dein Geist ist mir nahe. Und wohin mich auch meine Füße tragen, du bist mir freundlich zugeneigt. Selbst wenn ich über den Himmel führe oder mich zu den Toten legte, du bist für mich immer da. Nähme ich der Morgenröte Flügel und flöge ich bis an den Horizont, so wäre ich auch dort geborgen in deiner Hand. Du hast mich erschaffen und im Leib meiner Mutter geformt. Deshalb danke ich dir, dass ich wunderbar gemacht bin. Du wusstest schon von mir, lange bevor ich geboren wurde, und alle Tage meines Lebens sahst du vor Augen, wie in einem aufgeschlagenen Buch. Du weißt, wie es um mich steht, Gott, und du kennst selbst meine geheimsten Gedanken.

Gebet

Himmlischer Vater, wir danken dir, dass du uns in der Taufe als deine Kinder angenommen hast. In dir sind wir über alle Grenzen hinweg verbunden als Schwestern und Brüder. Hilf uns, mit Zuversicht zu leben und als Gemeinschaft ein Licht zu sein in dieser Welt. Amen

Ansprache zu Römer 6,3-8

Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?   So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.   Denn wenn wir mit ihm zusammengewachsen sind, ihm gleich geworden in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.

Liebe Leser*innen!

„Der ist für mich gestorben!“ So sagen wir umgangssprachlich schon mal, wenn wir einigermaßen in Rage geraten sind. Wenn uns ein Mensch furchtbar enttäuscht oder verletzt hat, dann kann es schon einmal zu einer so harten Aussage kommen. „Der, oder Die ist für mich gestorben! Fertig! Aus!“ Was da „gestorben“ ist, ist nicht die gemeinte Person natürlich, sondern die Beziehung zu ihr. Wenn jemand „für uns gestorben ist“, dann wollen wir keinen Kontakt mehr. Dann ist eine Beziehung zu Ende. Alles, was es davor gegeben haben mag, an Bindung und Einfluss, an Gemeinsamkeiten und Zusammenhängen, wird gekappt. Wir entziehen uns dem Wirkungsbereich eines Menschen, wenn wir ihn für „gestorben“ erklären. Das ist bitter. Aber das passiert. Der Tod von menschlichem Miteinander kommt vor, das geschieht mitten im Leben – und gar nicht so selten. Und dann gehen sich Menschen aus dem Weg, manchmal für immer.

Und nun kommt heute der Apostel Paulus daher und redet ähnlich und meint: „Die Sünde ist für uns gestorben!“ Das Böse hat keine Gewalt mehr über uns! Wir sind frei. Alles Menschenverachtende und Gottlose, was uns Menschen mitunter bestimmen und prägen will, ist tot. Und das, so meint Paulus, können wir sehen an unserer Taufe. Die zeigt uns das. Symbolisch. Für ihn und seine Zeitgenossen ist das noch besser zu verstehen, wie für uns Heutige. Denn zu seiner Zeit war die Ganzkörpertaufe gang und gäbe. So wie heute bei den Freikirchen noch immer. Und dabei werden die Täuflinge eben bei ihrer Taufe ganz untergetaucht, gehen also komplett unter Wasser, um dann wieder aufzutauchen in das neue Leben.

Damit soll nachvollzogen werden, was Jesus selbst erlebt und erlitten hat. Er hat den Untergang hinter sich und das Auferstehen in das neu geschenkte Leben. Und da alle, die sich im Glauben an IHN taufen lassen, ab sofort zu ihm gehören, haben alle Anteil an dieser atemberaubenden Verwandlung. Mit der Taufe hat ein Herrschaftswechsel stattgefunden. Die Sünde ist für uns gestorben und ab sofort leben wir Jesus hinterher im Glauben, einer unzerstörbaren Zukunft entgegen.

Und das soll sich jetzt an der Art und Weise, wie Christen leben und was ihnen wichtig ist, zeigen. Getaufte sollen wie neu geboren sein, frisch, fromm, fröhlich, frei, bewegt und beweglich, zukunftsfroh und weltgewandt, menschenfreundlich und gottvoll, mit Glaubenslust und Lebenslaune.

Was also so theologisch logisch klingt, so theoretisch auch und irgendwie ziemlich abstrakt, ist im Grunde total praktisch gemeint: Die Taufe macht, dass wir gemachte Leute sind.

Alles Negative und Zerstörerische dieser Welt ist für uns gestorben. Wir leben voller Hoffnung in eine von Gottes Liebe und Nähe gesegnete Zukunft. Nehmen uns Jesus als leuchtendes Vorbild, streben nach seiner Liebesmüh so gut wir können, mit ganzer Kraft und Hingabe. Getaufte sind Kandidaten für das gute Leben unter Gottes heilsamer Gegenwart. „Ich bin getauft!“ soll Martin Luther sich gesagt haben, wenn die Angst und der Zweifel ihn überfallen haben. Taufe ist Hilfe zum Leben ohne Angst und Verlorenheit. Getaufte sollen leben wie Leute, denen das Böse nichts mehr anhaben kann. Und weil das so ist, sollen sie kraftvoll und zuversichtlich mit und füreinander leben und da sein. Amen

Lied: Wasser des Lebens (EG+ 61)

Fürbittengebet / Vaterunser

Gott, du hast uns von Kindesbeinen an mit deiner Liebe beschenkt und hast uns in der Taufe als deine Kinder angenommen. Wir danken dir für deine unendliche Liebe und deine immerwährende Treue.

Wir bitten dich, dass du deine Liebe sich wiederspiegeln lässt in unserem Leben, dass wir denen zugewandt bleiben, die du uns zu unseren Nächsten bestimmt hast. Dass wir ihre Sorgen und Nöte wahrnehmen, dass wir sie wertschätzen und ihnen helfen, sich zu entfalten.

Wir bitten dich, dass du deine Liebe sich wiederspiegeln lässt in den Kindern, die wir taufen. Lass deinen Geist Raum gewinnen in ihrem Leben. Schenke ihnen Kraft und Besonnenheit und lass ihr Leben gesegnet sein, damit sie auch anderen zum Segen werden.

Wir bitten dich, dass du deine Liebe sich wiederspiegeln lässt in den Familien in unserer Gemeinde und auf der ganzen Welt. Schenke den Ehepaaren, dass ihre Liebe immer wieder neu gestärkt wird. Gib Eltern und Kindern gegenseitiges Verständnis, dass ihr Umgang von Vertrauen und Respekt geprägt ist. – Vater unser im Himmel,… Amen

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich; er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen +++

 

Bleiben Sie behütet und gesund!

Es grüßt Sie herzlich, Ihre

Sabine Klatt, Diakonin/Prädikantin

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