Andacht 7. So. n. Trinitatis – 26.07.2020 von Pfr. Jobst Duwe

Apostelgeschichte 2,42-47

Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nach dem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

Liebe Gemeinde,

wenn man das so liest und hört, dann stellt sich fast automatisch der Gedanke ein: Na toll, dass wir das erzählt bekommen. Alles wächst und blüht da in dieser Gemeinde. Das kann uns frustrieren, denn die Zahl der Gemeindeglieder nimmt ab, die Zahl der Pfarrstellen auch, das Geld wird knapper, der Gottesdienstbesuch schrumpft. Und dann sind automatisch die Überlegungen da: Ja, wir müssten in der Kirche etwas anders machen. Modernere Lieder in den Gottesdiensten, Events, besondere Aktionen.  Kirche und Gemeinde dürfen und sollen ja vielfältig sein. Aber ist das die Lösung?

Schauen wir uns doch einmal an, was die erste Gemeinde in Jerusalem gemacht hat, was da wichtig war im Gemeindeleben. Initialzündung der Gemeinde war die Ausgießung des Geistes Gottes an Pfingsten. Der Geist Gottes lässt Menschen in verschiedenen Sprachen sprechen, alle verstehen alle, die Trennung zwischen Gott und den Menschen scheint  es an diesem Tag nicht mehr zu geben. Doch was passiert dann? In unserem Predigttext haben wir es gehört. Das wird noch einmal besonders gebündelt, zusammengefasst in dem Vers: Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.

Da werden vier Bereiche genannt, die damals zentral gewesen sind für die Gemeinde:

Der erste: Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel.

Das bedeutet: Die erste Gemeinde blieb zusammen als Gemeinschaft, in der man sich über das ausgetauscht hat, was unseren christlichen Glauben ausmacht. Dass man das erzählt hat, was Gott in der Vergangenheit getan hat. Man wird darüber geredet haben, was Jesus gesagt und getan hat. Das wurde erinnert, gelernt: Was hat Gott, was hat Jesus, was hat der Heilige Geist getan. Was ist wichtig für unseren Glauben, für unser Leben, für unser Sterben. Das gab der Gemeinde innere Festigkeit und Richtung. Nun die Frage: Was tun wir in unserer Gemeinde? Ein wichtiger Bereich sind bei uns immer noch die Gottesdienste und die Predigten. Da geht es um die Botschaft des Evangeliums von Jesus Christus, die uns Mut und Hoffnung geben soll. Das ist nichts anderes als die Lehre der Apostel. Der Konfirmandenunterricht hat ja auch zum Ziel, die Lehre der Apostel zu vermitteln. Darin unterscheiden wir uns also der Sache nach nicht von der ersten Gemeinde.

Der zweite Punkt: Sie blieben aber beständig in der Gemeinschaft

Sicher war die erste Gemeinde eine besondere Gemeinschaft, in der man sich beistand in vielen Bereichen des Lebens. Das wird deutlich, wenn es heißt: Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nach dem es einer nötig hatte. Das können wir uns heute wohl kaum vorstellen und dieses Modell einer Art von Urkommunismus hat auch nicht lange gehalten. Dies Modell hat also nicht funktioniert. Aber der Anspruch, der ist immer noch wahr: Dass man sich umeinander kümmert, die Nöte anderer wahrnimmt und versucht, zu helfen und beizustehen. Die Diakonie ist ja der Arm der christlichen Kirchen, der vielen Menschen in Not und im Abseits hilft und beisteht an vielen Stellen. Bis heute ist dieser der Geist der ersten Gemeinde, sich um die Schwachen zu  kümmern, lebendig geblieben. Auch in unserem Gemeindeleben weiß ich darum, dass viele sich durch Besuche und Beistand um andere kümmern, helfen und Unterstützung geben.

Der dritte Punkt: Sie blieben aber beständig im Brotbrechen

Dabei kann man sicher erst einmal an die Feier des Abendmahls denken, aber auch einfach an gemeinsames Essen, gemeinsame Mahlzeiten. Gewiss feiern wir nicht jeden Sonntag das Abendmahl, wie das damals üblich war. Aber trotzdem ist es immer noch so, dass die Feier des Abendmahl in den Gottesdiensten als Vergewisserung der Gegenwart von Jesus, als Stärkung dazugehört. Und das gemeinsame Essen? Sicher kommt das auch manchmal bei uns vor. Aber die Gemeinschaft an Leib und Seele könnten wir mehr pflegen, das ist wahr.

Der letzte Punkt: Sie blieben aber beständig im Gebet.

Das war damals wohl fester Teil des Gemeindelebens, dass man miteinander gebetet hat, dass das Gespräch mit Gott und mit Jesus etwas war, was einfach dazugehörte. Natürlich spielt da Gebet immer noch eine große Rolle in der Gemeinde von heute. In den Gottesdiensten halten wir Fürbitte, auf dem Friedhof beten wir gemeinsam am Grab das Vater Unser, eine Kirchenvorstandssitzung wird mit Gebet eröffnet und  beschlossen. Aber es ist auch so, dass bei uns das Gebet in der Öffentlichkeit abnimmt. Das Gebet  vor dem Essen sowieso. Da könnten wir von der ersten Gemeinde etwas lernen.

Zum Schluss: »lernen, beistehen, feiern, beten« – das sind die vier Grundpfeiler des Gemeindelebens in der ersten Gemeinde. Und ich hoffe, dass wir, wenn wir danach fragen, sehen, dass auch bei uns diese Grundpfeiler noch da sind und tragen im Vertrauen auf Jesus Christus. Ja, auch wir lernen und lehren, was Gott uns in der Bibel sagt. Ja, auch wir stehen einander bei und helfen und trösten einander. Ja, auch wir feiern zusammen Gottesdienst zusammen und sind im Abendmahl mit Jesus verbunden. Ja, auch wir beten und reden zu Gott.

Manches können wir gewiss besser machen. Aber wir brauchen uns als Gemeinde nicht fürchten, sondern können unseren Weg mit Gott und seinem Geist weitergehen in den Bahnen, die uns schon die erste Gemeinde in Jerusalem zeigt. Die vier Grundpfeiler »lernen, beistehen, feiern, beten« werden auch weiter tragen, das ist gewiss. Und besondere Veranstaltungen und Gottesdienste dürfen wir ja fröhlich feiern. Amen.

In der Fürbitte beten wir:

Barmherziger, ewiger Gott,
schenke uns den Trost der Liebe,
mache aus uns eine Gemeinschaft des Geistes,
wirke durch uns,
damit deine Barmherzigkeit sichtbar wird.

Wir haben deine Barmherzigkeit gesehen
und danken dir
für das private Glück, das du uns schenkst:
für die Paare, die sich füreinander entschieden haben,
für die Kinder, die geboren werden,
für die Genesung von schwerer Krankheit
für bestandene Prüfungen,

Für die Freude in diesen sommerlichen Tagen.
Wir danken dir,
du Barmherziger und Ewiger.

Schenke den Trost der Liebe,
und sei gegenwärtig,
damit deine Barmherzigkeit sichtbar wird:
bei den Trauernden,
bei denen, die verzweifeln,
bei denen, die einsam sind und verstummen,
bei denen, die mit Sorgen das Zeitgeschehen verfolgen,
bei denen, die zu Neuem aufbrechen.
Wir bitten dich und hoffen auf dich,
du Barmherziger und Ewiger.

Deine Gemeinde sind wir,
deine Liebe leite uns,
dein Sakrament stärke uns,
dein Wort bewege und begeistere uns,
damit deine Barmherzigkeit durch uns wirke.
Dir vertrauen wir uns
und alle, die zu uns gehören, an.
Im Vertrauen auf Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn.

Gemeinsam beten wir: Vater Unser … Amen

Bleiben Sie behütet und bewahrt.

Ihr Pfarrer Jobst Duwe

26.07.2020

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