Andacht 8. So. n. Trinitatis, 07.08.2022, von Pfarrerin Dr. Anna Scholz

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Friede sie mit Euch. Herzlich willkommen zum Gottesdienst am 8. Sonntag nach Trinitatis. Die Tageslosung für heute ist aus dem Danielbuch   und heißt: Fürchte dich nicht, du von Gott Geliebter! Friede sei mit Dir! Sei getrost, sei getrost! Lasst uns so diesen Gottesdienst feiern. Getrost und im Frieden. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Lied EG plus 111 Meine Zeit steht in Deinen Händen

Psalm 31 EG 716

Gebet

Guter Gott, wir kommen zu Dir mit unseren Sehnsüchten und Hoffnungen. Wir kommen zu Dir, mit dem, was wir uns wünschen und wir bringen dir auch das, was uns bedrückt und belastet. Das, was uns peinlich ist. Dass, wo wir nicht erreicht haben, was wir erreichen wollten und die Momente, wo wir einem anderen Unrecht getan haben. Wir bitten Dich: Nimm das alles bei Dir auf und schenk uns Frieden in unseren Herzen. Sieh uns freundlich an und mach uns Mut. Das bitten wir durch Jesus unseren Bruder, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und neues Leben schenkt heute und an allen Tagen. Amen.

Lied 168, 1-3 Du hast uns Herr gerufen

Predigt Mk 12 , 41-44

Und Jesus setzte sich dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das ist ein Heller. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben. Denn sie haben alle von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.

Liebe Leser*innen, Jesus sitzt da. Und guckt. Auf den Gotteskasten. Was legen die Leute hin? Die einen viel, die anderen wenig. Und Jesus guckt. Und er sieht genau hin, was da landet. Worum geht´s ihm? Geht es ihm um besonders viel Geld? Und darum, wer wie viel leistet für das Reich Gottes auf Erden, für die Wohltätigkeit und die guten Zwecke? Zählt er am Ende, was Du mitbringst für Gott? Ich weiß nicht. Mir bereitet das Unbehagen. Dass da einer sitzt und beobachtet, was ich bringe. Und dann auch noch sein Urteil spricht. Und am liebsten möchte ich einfach dran vorbeischleichen, an diesem Beobachter und diesem Blick, der mich sieht und genau weiß, was ich gebe und was nicht und auch, was ich zu geben imstande bin.

Denn so ist das ja auf der Welt, hier bei uns Menschen: Du wirst geboren und schon geht das Urteilen los. U-Untersuchung 1-9, messen, wiegen, testen, ob alles der Norm entspricht. Entwicklungsgespräche im Kindergarten, für jedes Alter gibt es einen Maßstab und wenn Du dem nicht gerecht wirst, hast Du Förderbedarf. Kannst Du einen Stift richtig halten, kannst Du auf einer geraden Linie schneiden, hörst du fünf Minuten einer Geschichte zu? Kannst du in der Schule still sitzen, kannst Du Dinge nach Farben sortieren und runde Kreise malen? Hast Du ein normales Sozialverhalten oder musst du doch mal zum Psychologen? Bist Du ein Fall für´s Gymnasium und bitteschön studieren, oder musst Du doch eher auf die Förderschule und Dein Schicksal ist besiegelt? Machst Du brav mit 18 den Führerschein und stehst mit 23 auf eigenen Beinen? Und baust ein Haus und hast ein Auto und einen super Job und süße Kinder, die sich immer gut benehmen? So ist es in der Logik unserer Welt. Jedenfalls oft.

Und Jesus setzte sich dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das ist ein Heller. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben. Denn sie haben alle von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.

Jesus guckt. Und er rechnet. Und er urteilt: Du bist reich und gibst viel, Du bist arm und gibst nicht so viel. Auf den ersten Blick klingt es so, ja. Aber es lohnt sich ein zweiter Blick, nämlich Gottes Blick, und von dem erzählt Jeus in dieser Geschichte: Ein Blick, der dahinter schaut und Dich wirklich sieht. Und der dich nicht nach einem Maßstab beurteilt. Sondern der das wertvoll findet, was Du hast und mitbringen kannst. Er schaut ins Herz. Und er sieht, was Du zu geben imstande bist. Und es ist ihm alles etwas wert, egal ob es viel oder wenig ist. Und ja, er weiß sogar, dass das, was dem einen ganz leicht fällt, dem anderen große Mühe bereitet. Dass nicht jeder das Gleiche kann und mitbringt, ja und dass es leicht ist, viel zu bringen und zu leisten, wenn man viel hat. Große Begabungen und Talente. Erfolg im Beruf und in der Liebe. Anerkennung und Sozialprestige. Diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte. Ihre Armut hat sie eingelegt. Und das ist etwas wert. So höre ich diese Geschichte. Du darfst auch das, wo Du nicht viel hast, oder sogar ganz mit leeren Händen da stehst, mitbringen zu Gottes Kasten. Denn Gottes Kasten ist anders als die Karteikästen dieser Welt, mit ihren Leistungskatalogen, Zeugnisnoten, Anamnesebögen und Kontoauszügen. In Gottes Kasten passt alles rein, auch das ungenügende und schwache, was Du in der Hand hast. Deine Ängste. Dein Kummer. Und auch die Momente, in denen Du schuldig geworden bist oder etwas echt peinliches gemacht hast. Das, wo Du Mangel leidest. Leg es nur rein in Gottes Kasten. Und er schaut es an und sagt, Du bist genug. Denn ich glaube, so ist es mit dieser Witwe. Sie weiß, dass sie eh nicht viel hat. Aber sie nimmt das nicht so schwer, weil sie weiß, für Gott ist das genug. Er schaut in Liebe auf das, was Du ihm in seinen Kasten legst. Deine Sehnsucht. Deine Träume und Dein Versagen. Das, wo Du dich mühst und mühst und trotzdem nichts dabei rauskommt. Und das, wo Du richtig gut drin bist, auch wenn es nicht viel ist. Eben das, was Du ihm mit freiem Herzen gibst, so, wie diese Witwe. Gott schaut es an und sagt: Es ist genug.

Und der Friede Gottes, der größer ist, als das, was wir mit unserem Verstand begreifen, bewahre Eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Lied 382 Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr

Fürbitten / Vaterunser

Guter Gott, wir danken Dir dafür, dass Du liebevoll auf uns schaust und auch aus unserem Ungenügen etwas Gutes machen kannst, ja, dafür, dass Du mit anderen Augen auf uns blickst, als wir es selbst oft können. Wir bitten dich für alle die Menschen auf der Welt, die zu wenig haben: Essen und Kleidung, Ausbildungschancen, zu wenig Liebe und Freundschaft und zu wenig Vertrauen in das Gute. Wir bitten Dich: Hilf Du ihnen, den Mut nicht sinken zu lassen. Schick ihnen Menschen, die sie liebevoll anschauen und ihnen zeigen, dass sie nicht mit leeren Händen da stehen, sondern dass auch wenig viel sein kann.

Gott wir bitten Dich für die Menschen, denen Krieg und Gewalt ihre Lebensmöglichkeiten weggenommen haben. Bitte Gott, lass sie in ihrem Elend nicht allein und hilf denen, die ihre Kräfte dafür einsetzen, in der schlimmsten Not zu helfen, ihren Mut und ihre Kraft zu bewahren.

Gott, wir bitten Dich auch für uns selbst: Hilf uns, zu erkennen, was wir geben können, um anderen zu dienen, auch wenn es nur wenig ist. Hilf uns, das, was wir haben, zum Guten einzusetzen und zu wissen, dass auch kleine Dinge etwas wert sind. – Vater unser im Himmel,…

Lied EG plus 41 1+5 Wohl denen, die noch träumen

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich; er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen +++

Bleiben Sie behütet und gesund!

Es grüßt Sie herzlich, Ihre

Pfarrerin Dr. Anna Scholz

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