Andacht 8. So. n. Trinitatis – Prädikantin Sabine Klatt

Die Zusage Jesu: Ihr seid das Licht der Welt – lässt uns fragen, wodurch diese Zusage gerechtfertigt ist. Wir erkennen, dass es nicht unser Handeln ist, sondern der Glaube an den, der selber das Licht dieser Welt ist. Dieser Glaube lässt uns teilhaben an der Liebe Gottes, die sich uns in Jesus Christus erwiesen hat, und indem wir von dieser Liebe durch unser Leben zeugen, tragen wir das Licht in diese Welt.

Und so lasst uns Gottesdienst feiern im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: Sonne der Gerechtigkeit (EG 262/3, 1.4-7)

  1. Sonne der Gerechtigkeit, / gehe auf zu unsrer Zeit; / bricht in deiner Kirche an, / dass die Welt es sehen kann. / Erbarm dich, Herr.
  2. Tu der Völker Türen auf, / deines Himmelsreiches Lauf / hemme keine List noch Macht. / Schaffe Licht in dunkler Nacht. / Erbarm dich, Herr.

5.   Gib den Boten Kraft und Mut, / Glauben, Hoffnung, Liebesglut, / und lass reiche Frucht aufgehn, / wo sie unter Tränen sä’n. / Erbarm dich, Herr.

  • Lass uns deine Herrlichkeit / sehen auch in dieser Zeit / und mit unsrer kleinen Kraft / suchen, was den Frieden schafft. / Erbarm dich, Herr.
  • Lass uns eins sein, Jesus Christ, / wie du mit dem Vater bist, / in dir bleiben allezeit / heute wie in Ewigkeit. / Erbarm dich, Herr.

Ansprache zu Joh 9, 1-7

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

der Predigttext für heute, steht im Johannesevangelium im 9. Kapitel, die Verse 1-7:

Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?  Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.  Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.  Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden  und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.

Herr, segne du Reden und Hören und danach das Tun und das Lassen.

Liebe Gemeinde,

Jesus kommt mit seinen Jüngern aus der Synagoge und sieht einen Blindgeborenen. Er sieht ihn. Die Jünger allerdings, sehen etwas anderes. Sie sehen eine Frage. Sie sehen ein Problem. Sie sehen Leiden, das sie einordnen müssen, dem sie einen Sinn geben müssen. Wer hat Schuld? Diese Frage ergibt sich automatisch für die Jünger, im Angesicht des Blindgeborenen. In ihrer Welt gab es einen starken Zusammenhang zwischen dem Tun und dem Ergehen. Zwischen der Schuld des Menschen und der Strafe Gottes. Diese Sicht war weit verbreitet. Wir erinnern uns an die Geschichte von Hiob. Der fromme Mann, der seine Gesundheit, seinen ganzen Besitz und alle seine Kinder verliert. Und seine Freunde reden auf ihn ein, dass er mit Sicherheit eine große Sünde begangen haben muss, wenn Gott ihn so straft. Wer hat gesündigt? Wer hat Schuld?

Auch in unserer Welt wird dieser Zusammenhang von Schuld und Leiden oft hergestellt. Wenn wir Leiden sehen, fragen auch wir danach, wer schuld daran ist. Das ist durch und durch menschlich. Wer ist schuld daran, wenn Leben nicht gelingt? Beschädigtes Leben, unvollkommendes Leben ist für uns schwer zu ertragen. Das Leben soll gelingen! Wir können selber viel dazu beitragen! In allen Bereichen unseres Lebens sind wir dazu aufgefordert, uns für ein gelingendes Leben anzustrengen. Wenn es misslingt, das Leben, dann wird schnell nach Schuldigen gesucht.  Dann sind vielleicht die Eltern schuld, wenn das Kind nicht aufs Gymnasium kommt. Oder das Kind, weil es sich nicht genug angestrengt hat. Und die Lehrer natürlich, die es nicht genug gefördert und dann zu hart beurteilt haben. Mancher Erwachsene fragt seine Eltern, warum sie ihn denn damals nicht mehr gedrängt haben, in der Schule anzustrengen, aufs Gymnasium zu gehen. Auch in anderen Bereichen gibt es das: – Wer krank wird, hat eben nicht gesund genug gelebt oder jetzt während der Coronakrise den Abstand und die Hygieneregeln nicht eingehalten – Wer keine Arbeit findet, ist nicht flexibel genug, oder verkauft sich eben nicht richtig. – Selbst schuld? Es ist die Tyrannei des gelingenden Lebens, die sich hinter der Frage verbirgt: wer hat Schuld? Wer hat gesündigt? Jener, oder seine Eltern? Jesus dreht die Frage der Jünger durch seine Antwort um. Er lässt die Frage nach Schuld, nach der Vergangenheit, nach dem, was man hätte tun können oder müssen, um das Leid zu verhindern, nicht zu. Er wendet den Blick konsequent nach vorn. Er dreht den Blick der Jünger – weg von der Frage, wer schuld ist an dem Leiden – hin zur Zukunft Gottes. „Ich bin das Licht,“ sagt Jesus, „und wer mich sieht, wer mich erkennt, der sieht das Licht.“ An dem Blinden sollen die Werke Gottes offenbar werden. Jesus gibt sich selbst als das Licht Gottes zu erkennen und heilt den Blinden. Schenkt ihm das Augenlicht. Ein Wunder. Der Blindgeborene kann sehen. Und doch hatte er noch nicht gesehen, mit wem er es da zu tun hatte. Durch die Heilung hatte er sein Augenlicht, und doch war er noch blind dafür, wer dieser Jesus wirklich ist. Die Geschichte wird bei Johannes weitererzählt. Es kommt zu einem Streit mit den Pharisäern, denen der Geheilte von dem Wunder berichtet. Anstatt zu staunen und sich zu freuen, sehen die Gesetzeslehrer nur, dass Jesus durch seine Heilung die Sabbatvorschriften gebrochen hatte. Er konnte in ihren Augen also kein Gottesfürchtiger sein.  Aber wer war er dann? Sie fragen den Geheilten, was er denn denkt, wer dieser Jesus sei – Der Geheilte antwortet, dass Jesus ein Prophet sein müsse. Weder die Pharisäer noch der Geheilte hatten Jesus wirklich erkannt. Sie waren blind für das Licht Gottes.  Als der Geheilte Jesus am Ende der Geschichte ein zweites Mal begegnet – erst da erkennt er ihn ganz. Seine Augen werden sozusagen nochmals geöffnet. Nun sieht er, mit wem er es zu tun hat: mit dem Licht Gottes. Indem er an ihn glaubt, wird er selbst zu einem Kind dieses Lichts. Wo Jesus Menschen begegnet, erkennen sie das Licht Gottes. Und dieses Licht verwandelt ihre Dunkelheit, indem es ihre Art zu sehen ändert. Dem Licht Gottes zu begegnen, ändert unseren Blick auf die Welt. Und unseren Blick auf uns selbst. Wir sehen uns dann als Gottes geliebtes Geschöpf. Wir können unser Leben annehmen, wie es ist – als einmalig und unwiederholbar. Jeder von uns ist einmalig. Jeder Moment unseres Lebens ist unwiederholbar. Ist kostbar. Im Licht Gottes können wir uns annehmen – trotz aller unserer Fehler, unserer Unvollkommenheiten, unserer Beschädigungen – weil ER uns angenommen hat. Weil ER uns so liebt, wie wir sind – bedingungslos. In Seinem Licht müssen wir nichts leisten. Müssen nicht perfekt sein. Dürfen Fehler haben und Fehler machen. ER steht hinter uns, bereit, uns immer wieder aufzufangen. Und auch die Welt um uns  herum sehen wir  anders,  im Lichte  Gottes.  Die Blickrichtung ist es, die Perspektive. Wer  die Welt und sein Leben im Licht Gottes erkennt, der kann Gott danken. Der weiß sich im Leiden nicht allein. Der sieht sein Leben als Geschenk. Und der sieht seine Zukunft in Gottes Händen. Wenn wir Gottes Licht in Jesus Christus begegnen, werden wir zu Kindern dieses Lichts. Wer vom Licht Gottes erhellt ist, wer ein Kind dieses Lichts ist, der wird auch für andere zum Licht. Der leuchtet für andere. Der kann gütig sein, weil er nicht ständig alles aufrechnet. Weil er nicht ständig Angst hat, zu kurz zu kommen. Und er sieht die Menschen, wie sie in Wahrheit sind, er reduziert sie nicht auf ihre Fehler, ihre Unzulänglichkeiten, auf ihr Leiden. Er sieht in ihnen Mitgeschöpfe und geliebte Kinder Gottes. Indem in unserem Blick auf andere Menschen etwas von dem Licht Gottes leuchtet, kann dieses Licht auch ihre Dunkelheit heller machen. Amen

Fürbittengebet

Herr, unser Gott,

du bist das Licht, dass die Dunkelheit dieser Welt vertreibt.

Wir bitten dich, mache uns zu Kindern des Lichts. Gib uns Leuchtkraft, dass wir den Menschen beistehen in den dunklen Stunden ihres Lebens.

Wir bitten dich für die Menschen, die sich allein fühlen in ihrer Verzweiflung

und in ihrer Suche nach dem Sinn ihres Lebens. Gib uns als Kirche die Kraft, ein Licht zu sein, das Orientierung bietet.

Wir bitten dich für Menschen, die bedroht sind von Arbeitslosigkeit und Armut, die sich allein gelassen fühlen von Politik und Gesellschaft und längst den Mut zum Leben verloren haben. Gib uns, dass wir als Kirche das Salz sind, das ihnen das Leben wieder schmackhaft macht. ihren eigenen Lebensweg zu finden.

Und mit Jesu Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,…

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich; Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig; Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen, Amen, Amen.

Bleiben Sie bewahrt und gesund!

Ihre

Prädikantin Sabine Klatt

02.08.2020

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