Andacht Drittl. So. d. Kj., 06.11.2022, von Lektorin Gerlinde Abel

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Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen, so lautet der Wochenspruch für diese Woche. Der Friede ist ein hohes Gut, wie es schon im Psalm heißt; Suche Frieden und jage ihm nach.

Lied: Wo Menschen sich vergessen (EG+ 75)

Psalm 37 (EG 720)

Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen und wird deine Gerechtigkeit heraufführen wie das Licht und dein Recht wie den Mittag. Sei stille dem Herrn und warte auf ihn. Entrüste dich nicht, damit du nicht Unrecht tust. Bleibe fromm und halte dich recht; denn einem solchen wird es zuletzt gut gehen. Der Herr hilft den Gerechten, er ist ihre Stärke in der Not.

Gebet

Barmherziger Gott, deine Hilfe ist uns nahe. Im Licht deiner Gerechtigkeit lass uns auf unsere Ungerechtigkeiten sehen. Wie oft überhören wir die Bitten um Hilfe; wie oft übersehen wir die Notlage anderer; wie oft ermüden wir im Einsatz für mehr Gerechtigkeit: Unser Vertrauen in deine Hilfe verliert sich, unser Beten erlahmt, unser Handeln wird kraftlos. Entzünde du uns neu am Licht deiner Gerechtigkeit, erfülle uns mit dem Feuer deiner Liebe, mach uns mutig. Amen.

Lesung   Lukas im 6. Kapitel. 27-38

Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht. Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück. Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! Und wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr davon? Denn auch die Sünder lieben, die ihnen Liebe erweisen. Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, welchen Dank habt ihr davon? Das tun die Sünder auch. Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft, welchen Dank habt ihr davon? Auch Sünder leihen Sündern, damit sie das Gleiche zurückbekommen. Vielmehr liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen. So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.

Liebe Leser*innen,

das klingt wie „nicht von dieser Welt“. Realistisch wäre, wenn der, der eine Ohrfeige einfängt (ohne lange nachzudenken) zum Gegenschlag ausholt. Realistisch wäre, wenn der, dem der Mantel genommen wird, den Rest den er noch am Leib hat noch fester an sich klammert, und wenn man nur dem etwas leiht, von dem man erwartet, dass man es zurück bekommt – vielleicht mit einem Dankeschön . Die Welt läuft doch nach der Regel „Wie du mir, so ich dir!“ Der Predigttext ermuntert uns anders zu reagieren. Unerwartet. Besser. Großzügiger. Barmherziger. Und er verlangt den Hörern ganz schön was ab. Er sagt: Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! Dazu muss man den anderen sehen, seinen Blickwinkel einnehmen und nicht nur bei sich bleiben. Im Normalfall sieht man die Welt aber nur aus den eigenen Augen.   Und das mit Tunnelblick… Denken Sie, liebe Leser*innen, doch mal an den letzten Streit, an dem Sie beteiligt waren zurück, wenn der Ihnen noch im Gedächtnis ist. Oft fängt es mit einer kleinen Sache an. Diese kleine Sache weiß man am Ende manchmal gar nicht mehr. Einer ärgert sich. Mit seinem Ärger im Bauch tritt er an einen anderen heran.

Je lauter und emotionaler Sie den anderen beschuldigen, umso größer ist die Chance, dass auch der andere nicht nur etwas ärgerlicher wird, sondern richtig kocht vor Wut. Die Lautstärke nimmt zu und auch die Emotionalität. Das Hirn stellt auf „Flucht“ oder „Angriff“. Es kann nicht mehr denken. Keine Chance. Einer geht oder einer schreit oder etwas wird geworfen. Eine Tür knallt zu. Vielleicht gelingt es ja so, wie der Predigttext es meint: durch Segnen, also durch gute Worte und Gedanken dem anderen gegenüber. Dadurch, dass man den anderen und seine Bedürfnisse in das Stoßgebet im gerade eskalierenden Ärger mit einschließt. Weil man ihn und seien Situation zu verstehen sucht. Vielleicht hilft das uns nicht vom eigenen Ärger packen zu lassen.   Die Frage ist: „Habe ich mich im Griff?“ Gelingt es das böse Wort zurück zu halten? Es geht darum den anderen zu lieben gerade dann, wenn er eben wirklich nicht liebenswert ist. Es geht darum, für den anderen ein Herz zu haben, wenn er keines für einen selbst hat. Welch Herausforderung das in die Realität um zusezten und Wirklichkeit werden zu lassen. Wir haben Konflikte. Wir können das gar nicht vermeiden. Und in diesen Konflikten gibt es Sekunden oder Minuten, in denen wir den Gegner oder die Gegnerin hassen auch und gerade wenn wir ihn oder sie vielleicht die meiste Zeit über lieben. Ich glaube, jeder findet jemanden, den er oder sie schon mal ein paar Sekunden gehasst hat. Und das heißt im Umkehrschluss, man ist selbst auch schon mal gehasst worden, auch wenn der andere es vielleicht nicht gezeigt hat. Dazu sagt Jesus: Liebt eure Feinde. Tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen. Betet für die ,die euch beschimpfen. Lasst euch nicht gefühlsmäßig in eine Feindschaft hineinziehen. Ihr müsst auf Hass nicht mit Hass reagieren, auf Fluch nicht mit Fluch. Über eure Gefühle bestimmt ihr selbst. Ihr könnt in jeder Situation Gutes tun, segnen und beten und eure Herzen frei von Hass halten und liebevoll reagieren. Dass das schwer liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen.“, heißt es in unserem Predigttext. Auch hier ist wieder die Frage, wer wen in der Hand hat: Wir das Geld oder unser Geldbeutel uns. Liebe Leser*innen, immer wieder ist es die gleiche Frage: Wem geben wir Gewalt über uns: Lassen wir uns vom Ärger zu Handlungen verleiten, die wir eigentlich gar nicht wollen? Entscheiden wir noch frei über unser Geld und unsere Zeit – oder sind es Angst, Neid, oder das Geld selbst, die hauptsächlich Macht über uns haben? In wessen Hand bist du? Ganz real sind wir in der Hand dessen, der die Realität gemacht hat, der Himmel und Erde geschaffen hat! Aus seiner Hand, aus dem, was er uns gibt, leben wir. Er ist ein barmherziger Gott, der Sünde verzeiht und in dessen Hand wir gut aufgehoben sind. Im Lukasevangelium gibt es die Geschichte vom „barmherzigen Vater“ Sie handelt von einem jungen Mann, der die Welt erleben will. Er wendet sich vom Vater ab, geht seine Wege, verprasst sein Geld und ist am Ende ganz schön arm dran. So beschließt er zum Vater zurück zu kehren, ihm zu beichten, was er an Mist gemacht hat, dass er sich versündigt hat gegen den Himmel und den Vater. Geknickt kommt er zuhause an. Da kommt ihm sein Vater entgegen: mit offenen Armen, nicht mit geballten Fäusten. So ist Gott. Voll unrealistisch. Wie nicht von dieser Welt. Daher ist Gottes Sohn in die Welt gekommen. Dass die Barmherzigkeit Realität wird. So ist auch Gottes Reich. Es wird da für andere real, wo wir nicht „normal“ reagieren, sondern barmherzig Gottes Reich ist da: Gottes Reich wird für die anderen – und für uns –da erlebbar, wo eine Reaktion besser ist als erwartet, weil sie frei ist. Frei von Rache, Angst, Gier oder so etwas. Wir sind in Gottes Hand. Überall und in allen Dingen. Amen.

Lied: Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen (EG+ 153)

Fürbitten/Vaterunser

Gott, wenn Menschen in ihrer Verzweiflung und Wut sich bei dir beklagen, dich beschimpfen, sich von dir abwenden, bitten wir dich: höre ihnen zu; wo wir es nicht aushalten, hab Geduld mit ihnen; wo wir ungeduldig sind, wende dich nicht ab. Gott, wir bitten für alle, die verzweifelt und voller Trauer, die verbittert und zynisch, die wütend und ohne Hoffnung sind: Gib, dass sich Menschen finden, die sie begleiten, die mit ihnen schweigen, die sie nicht allein lassen, die bereit sind, sich immer wieder die gleichen Geschichten anzuhören. Gott, Gewalt, Unrecht und Terror, Kriege und Katastrophen kosten jeden Tag alten und jungen Menschen das Leben. Ermutige uns alle immer wieder neu, dass wir uns nicht abfinden mit dem Zustand unserer Welt und für den Frieden im Kleinen wie im Großen eintreten; dass wir die Hoffnung nicht verlieren und immer wieder aufstehen – zum Leben. Allein schaffen wir das nicht.   Vater unser…

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Amen

Bleiben Sie behütet und gesund!

Es grüßt Sie herzlich

Ihre Lektorin Gerlinde Abel

 

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