Andacht für Erntedank am 03.10.2021 von Pfarrerin Anna Scholz

Am Erntedanktag danken wir Gott für die Gaben seiner Schöpfung, die er uns so reichlich gibt, und werden daran erinnert, dass der Ertrag unserer Arbeit nicht uns gehört, sondern von Gott kommt und sein Eigentum ist. So können wir auch die nicht vergessen, die in unserer Welt Hunger leiden müssen, und sind froh, dass wir ihnen durch unseren Überfluss helfen können, damit auch sie teilhaben an den Gaben der Schöpfung Gottes.

Lied: Wir pflügen und wir streuen (EG 508)

Psalm 104

Ich will dem Herrn singen und meinen Gott loben, solange ich bin.   Gott, du bist groß; schön bist du wie die Sonne und wie der blaue Himmel. Himmel und Erde gehören dir. Wie ein Zeltdach hast du den Himmel ausgespannt; darunter liegt unsere Erde. Die Winde, die Luft sind deine Boten und das Feuer ist dein Gehilfe. Wasser lässt du in den Tälern hervorquellen, dass sie zwischen den Tälern dahin fließen, dass alle Tiere des Feldes trinken und das Wild seinen Durst löscht. Deinen Regen schickst du auf die Berge herab; So machst du die Erde fruchtbar. Du lässt Gras wachsen für die Tiere und Saat, die dem Menschen nützt. Brot bringst du aus der Erde hervor und Wein, der des Menschen Herz erfreut.

Lesung: 5. Mose 8, 7-10

Denn der Herr, Dein Gott bringt dich in ein gutes Land. Dort gibt es Flüsse, Quellen und Seen, in den Tälern und den Bergen. Weizen wächst dort und Gerste und Wein. Die Bäume tragen Feigen und Granatäpfel. Es ist ein Land reich an Oliven und Honig. Dort wirst Du nicht armselig dein Brot kauen. Nichts wird dir fehlen. Dieses Land ist reich an Bodenschätzen. Im Gestein findet man Eisen und in seinen Bergen kannst du nach Kupfer graben. Wenn du isst und satt wirst, dann danke dem Herrn, deinem Gott. Er hat dir dieses gute Land gegeben.

Liebe Leser*innen,

Hört Ihr? Oliven und Honig. Granatäpfel und Wein. Gerste und Feigen. Köstlichkeiten für ein schönes Leben in einem guten Land. So verspricht es Gott. In dieser Geschichte, die vom Volk Israel erzählt. Jetzt, zu Erntedank, erzählen wir sie. Viele tausend Jahre, nachdem jemand diese Worte aufgeschrieben hat. Und schaut her: Auch hier bei uns ist gutes versammelt, auf dem Altar. Kürbisse und Äpfel. Brot und Trauben. Die Früchte aus Feld und Garten. Leuchtend und schön. Ein Grund zu danken. Wir haben genug.

Wenn du isst und satt wirst, dann danke dem Herrn, deinem Gott. Er hat dir dieses gute Land gegeben.

So sagt es Mose. Zu den Leuten aus dem Volk Israel. Jahrelang waren sie durch die Wüste gewandert und hatten viele Entbehrungen auf sich genommen. Es ab Streit und Schwierigkeiten, Hunger und müde Füße. Und manchmal sogar Kampf und Krieg. Und ab und zu hat die Menschen der Mut verlassen. Und sie sind missmutig und hoffnungslos und wütend geworden von Zeit zu Zeit. Und konnten nicht mehr gut sehen, dass es eigentlich alles schon da war für sie. So ist das vielleicht manchmal bei uns Menschen. Es ist nicht immer ganz leicht, dankbar zu sein. Wenn dich eine Sorge quält. Wenn ein Vorhaben scheitert. Wenn etwas, worauf du deine Hoffnung richtest, plötzlich unerreichbar ist. Oder wenn du dir einfach klein und ungenügend vorkommst. Dann kannst du es vielleicht nicht mehr gut sehen, was alles auch noch da ist und auf dich wartet. Ein gutes Land, in das Gott dich bringt. Eine ganz andere Szene, Jahrhunderte später: Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth. Lange schon haben sie Geld und gute Gaben gesammelt für die Christen in Jerusalem. Paulus freut sich darüber. Er hat Freunde geschickt, um die Spenden einzusammeln und zu überbringen. Und er schreibt an die Gemeinde (2. Kor 9, 6ff.) Das aber sage ich euch: Wer spärlich sät, wird spärlich ernten. Und wer reichlich sät, wird reichlich ernten. Jeder soll so viel geben, wie er selbst sich vorgenommen hat. Er soll es nicht widerwillig tun und auch nicht, weil er sich dazu gezwungen fühlt. Denn wer fröhlich gibt, den liebt Gott. Gott aber hat die Macht, euch jede Gabe im Überfluss zu schenken. So habt ihr in jeder Hinsicht und zu jeder Zeit alles, was ihr zum Leben braucht.

Ganz schön fordernd klingt das erstmal. Wer reichlich sät, wird reichlich ernten. Viel hilft viel. Aber ich glaube, wichtiger ist ein anderer Satz in diesem Brief, nämlich: Jeder soll so viel geben, wie er oder sie sich vorgenommen hat. Das heißt auch: Jeder soll so viel geben, wie er oder sie kann. Es ist nicht mehr wert, wenn einer oder eine besonders große Mengen abgibt, und eine andere nicht so viel, denn es kommt auf etwas anderes an: auf das fröhliche Herz. Nicht alle Menschen haben die gleichen Voraussetzungen und Fähigkeiten. Nicht alle den gleichen Besitz. Aber es ist nicht einer besser als der andere. Auf ein freies und fröhliches Herz kommt es an. Es geht nicht darum, sich zu verausgaben über die eigenen Kräfte und Möglichkeiten. Es geht nicht darum, eine Verpflichtung zu erfüllen, weil du dich irgendwie dazu genötigt fühlst und zugleich merkst, eigentlich ist es dir zu viel und du tust es eher aus Zwang, als freiwillig. Sondern es geht darum, darauf zu schauen, was dir, ganz persönlich an Gutem gegeben ist und es zu teilen, so gut du selbst es eben kannst. Denn jede und jeder kann etwas und hat etwas, das wertvoll ist. Teilen kann man viel. Kürbisse und Trauben. Geld und Schokoriegel und Pommes und Wein. Aber auch Freundschaft. Und Vertrauen. Und Gespräche und Geschichten. Wörter und Gedanken. Berührungen oder ein Lächeln. Und auch Traurigkeiten und Sorgen, die vielleicht ein bisschen leichter werden, wenn du sie nicht für dich allein behältst. Wenn du isst und satt wirst, dann danke dem Herrn, deinem Gott. Er hat dir dieses gute Land gegeben. Ich glaube, in jedem Menschen ist so ein gutes Land. Ein Land voller Schätze, aus denen du etwas machen kannst. Eine gute Saat, die aufgehen kann. Etwas, das Gott dir geschenkt hat. Dir ganz persönlich. Etwas, das du bebauen kannst, in dir selbst. Und mit anderen teilen. Mit einem fröhlichen Herzen.

So habt ihr in jeder Hinsicht und zu jeder Zeit alles, was ihr zum Leben braucht. Nicht jeder das Gleiche. Eine kann gut Gemüse anbauen und ernten und die tollsten Gerichte kochen. Einer kann die schönsten Geschichten erzählen. Eine kann stundenlang anderen zuhören. Einer kann besonders gut Feuer machen und Würstchen grillen. Eine kann gut zeichnen. Einer kann sich Gedichte ausdenken. Eine hat gute Ideen und kann toll organisieren. Einer kann wunderbar Trompete spielen oder Klavier. Eine kann Mauern und Häuser bauen. Einer kann Blumen pflanzen und schöne Sträuße binden. Eine kann Skateboard fahren. Einer ist gut in Mathe und kann es sogar anderen erklären. Und eine schießt beim Fußball die meisten Tore. All das brauchen wir zum Leben. Und es ist alles da. Nicht für jeden das Gleiche. Und manchmal haderst Du vielleicht damit, dass andere mehr haben oder etwas gut können, was du auch gern könntest. Aber ich sag euch was: Jeder kann etwas, das wertvoll ist. Und das sich teilen lässt mit anderen.

Jeder soll so viel geben, wie er selbst sich vorgenommen hat. Nichts wird dir fehlen.

Es reicht. Für dich und für mich und für andere. Ich glaube, wir Menschen sind so bunt und vielfältig wie die Früchte des Gartens und des Feldes, manche leuchtend und glänzend, manche ein bisschen schrumplig und holzig, manche wachsen schnell, andere langsam, manche sind süß und andere bitter. Aber in allen ist ein guter Same, aus dem etwas wachsen kann. In dem Land in das Gott uns bringt. Er hat es uns geschenkt. Und wir können es teilen, mit fröhlichem Herzen. Damit gutes entstehen kann, für alle – wenn jeder gibt, was er oder sie sich vorgenommen hat. Und was sie oder er hat und kann. Alle sind kostbar und wertvoll. Daran halt ich fest, auch wenn es immer wieder und immerzu auf der Welt Streit und Schwierigkeiten gibt, Hunger und müde Füße, Kampf und Krieg, und ich manchmal auch mutlos und hoffnungslos bin: Es ist da, das gute Land, das wir bebauen können. Für jeden von uns. Wenn wir nicht wegschauen, wenn ein anderer in Not ist. Und hinsehen, wo das gebraucht wird, was wir geben können. Mit fröhlichem Herzen und mit Gottes Hilfe. Dafür möcht ich sagen:

Danke dem Herrn, deinem Gott. Amen.

Lied: Jeder Teil dieser Erde (EG 635)

Fürbittengebet / Vaterunser

Wir haben viele Gründe, dir zu danken, du großzügiger Gott: für die Schönheit der Erde und für die Weite des Meeres, für Berge und Hügel, Flüsse und Bäche, für die Vielfalt der Tiere, die Vögel des Himmels und die Fische im Meer. – Wir danken dir für Sonne und Regen, für das Wachsen der Saat und das Reifen der Früchte, für die Blumen auf dem Feld und den Schatten der Bäume. Du beschenkst uns reichlich und füllst unsere Hände mit Gaben, damit wir uns freuen, damit wir in Fülle leben und mit unserem Nächsten teilen. – Wir bitten dich, dass du uns die Augen öffnest, damit wir hinter dem Reichtum der Gaben dich erkennen als den Schöpfer und Erhalter allen Lebens. – Wir bitten dich, dass du uns die Ohren öffnest, damit wir im Singen der Vögel und im Rauschen des Waldes das Danklied hören, das alle Kreatur dir zu Ehre anstimmt. – Wir bitten dich, dass du unsere Kehle öffnest, damit wir einstimmen in das Lob der Schöpfung und dir danken unser Leben lang. – Wir bitten dich, dass du unsere Herzen öffnest, damit wir die Not sehen, die es in der Welt gibt, damit wir unsere Hände öffnen und von dem abgeben, was du uns schenkst. – Vater unser im Himmel,…

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich; er lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig; er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. – Amen, Amen, Amen

 

Es grüßt Sie herzlich, Ihre Pfarrerin Anna Scholz

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