Andacht Kantate, 28.04.2024

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Ich freue mich, dass wir auch auf diese Weise miteinander verbunden sind – im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

„Thank you for the music“ – „Danke für die Musik“, so heißt einer der bekanntesten Hits der Kult-Band ABBA. Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid besingen darin die Musik als Freudenbringerin, Lebenselixier und Identitätsstifterin: „Danke für die Musik, die Lieder die ich singe! Dank für all die Freude, die sie bringen! Wer kann ohne sie leben, was wären wir denn ohne ein Lied oder einen Tanz? Deswegen sage ich: Danke für die Musik und dass sie mir gegeben wurde!“ – So die Übersetzung des Liedes.

Meditation zu Psalm 98

Ein neues Lied singen, das will ich.   Die alte Leier ersetzen, befreit werden vom Ohrwurm, der mich quält, eine neue Melodie finden. Ein neues Lied singen, das kann ich. Du, Gott, legst es mir auf die Lippen, dein Geist lässt mich wieder fröhlich sein und meinen Mund lachen. Ein neues Lied singen, das wage ich. Ich lasse mir nicht den Mund verbieten, stimme ein in das Lied deiner Schöpfung, Gott, und singe dir zur Ehre.   Ich singe eines neues Lied. Ich singe es mit der Nachtigall, stimme ein in den Hauch des Windes und das Brausen der Wellen. Ich singe mit aller Kreatur, die nicht schweigen kann, um dich, Gott, zu loben.

Lied: Du meine Seele singe (EG 302)

Impuls zu Kolosser 3,12-17

Liebe Leser*innen!

Musik ist ein wesentlicher Teil des kirchlichen Lebens und eine wichtige Ausdrucksform des Glaubens. So würdigte auch schon Jahrhunderte vor ABBA Martin Luther die Musik folgendermaßen: „Die Musik ist aller Bewegung des Herzens eine Regiererin. Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Fröhlichen traurig, die Verzagten herzhaft zu machen, denn die Musik.“ Ja, was wäre ein Gottesdienst ohne Gesang und Musik? Was wären die christlichen Gemeinden ohne ihre musikalischen Gruppen? Ohne Kantoreien, Orchester, Gospelchöre, Vokalensembles, Bläser- und Flötenkreis, ohne Kinder- und Jugendchöre und all die haupt- und nebenamtlichen Musiker*innen und Leiter*innen? Schließlich ist es kein Geheimnis, sondern wissenschaftlich nachgewiesen: Musik macht Menschen glücklicher, gesünder und ausgeglichener. Mit Musik lassen sich Situationen meistern, in denen Worte fehl am Platz wären. Deswegen ist es auch total sinnvoll, zum Beispiel bei Bestattungen gemeinsam zu singen – gegen die Sprachlosigkeit. Eine wertvolle Tradition, die leider immer mehr verloren geht, weil Menschen glauben, sie könnten nicht singen und es sei der Situation nicht angemessen. Das Gegenteil ist der Fall: wie gut kann es tun, sich im Gesang mit anderen verbunden zu fühlen und der Traurigkeit so ein Ventil zu verleihen. Musik hilft uns zu entspannen und Stress abzubauen. Durch Musik lassen sich Menschen bewegen, versöhnen, anrühren. Sie schafft Gemeinschaft! Mit Musik lassen sich am besten die ganz großen Gefühle transportieren und bearbeiten. Und an diesem Sonntag Kantate dürfen wir auch daran denken, dass die klassische Kirchenmusik zum Bildungs- und Kulturgut in Deutschland gehört. Nicht umsonst sprechen wir Evangelischen oft mit Stolz von Johann Sebastian Bach als dem 5. Evangelisten. In seinen Werken lässt sich die Frohe Botschaft oft umfassender als in jeder Predigt erspüren – einfach, weil Wort und Klang gemeinsam diese viel nachhaltiger vermitteln können als Worte allein. Natürlich gilt das auch für viele andere Komponisten. In diesem Zusammenhang steht auch unser Gesangbuch, das aus gutem Grund als „Schatzkästchen“ bezeichnet wird. Es beinhaltet unglaublich vielfältige Formen der Verkündigung, der Möglichkeit, dem Glauben Ausdruck zu verleihen. Und natürlich sehen wir auch die andere Seite: dass viele Menschen Orgelmusik, Oratorien oder Kirchenlieder inzwischen fast fremd und manchmal ein wenig bis ziemlich merkwürdig sind. Es gibt Berührungsängste in Bezug auf das Gesangbuch, die alten Lieder darin, auf das Singen selbst, die vermeintlich hohen Töne und ungewohnten Tonsprünge, die Klänge der Orgel usw. Der heutige Sonntag Kantate gibt uns die Gelegenheit, jene, die behaupten, sie könnten überhaupt nicht singen, aber auch die Fragenden und Unsicheren von der heilsamen und bezaubernden Wirkung der Kirchenmusik in all ihren Facetten zu überzeugen oder zumindest einmal kosten zu lassen und zu locken. Als Vorbild dienen uns da die Kinder, die in einer Geschichte des Neuen Testaments ganz zweckfrei singen und jubeln und loben können, nämlich als sie sehen, wie Jesus Blinde und Lahme im Tempel heilt. Sie rufen „Hosianna dem Sohn Davids“. Die Priester im Tempel ärgert das. Weil sie Jesus nicht als den erkennen, der er ist. Ihnen ist auch ein solch ungebremstes Gotteslob nicht möglich, weil sie festgelegt sind in den Formen, wie sie ihren Glauben äußern. Ihnen ist das Vertrauen als Grundgefühl abhandengekommen, das die Kinder spontan und herzerfrischend singen lässt. Jesus hat den natürlichen und unvermittelten Herzensgesang der Kinder lieber als das missmutige und misstrauische Urteilen der Erwachsenen. Er zitiert einen Vers aus Psalm 8: „Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du [Gott] dir Lob bereitet.“ Diese Geschichte aus dem Matthäusevangelium (Mt 21,14-16) zeigt, dass unser Leben nicht sang- und klanglos ablaufen muss. In der Musik können wir schon jetzt etwas von der Schönheit des Reiches Gottes erfahren. Da lautet mit Paul Gerhardt die Devise: „Ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen.“ (EG 503,8).

Der für den heutigen Sonntag vorgesehene Predigttext fasst das Gesagte nun in wunderbarer Art und Weise zusammen: So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und  vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid  in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar. Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit;  mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.  Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“ Hier, liebe Leser*innen, finden wir den Schlüssel zum heutigen Sonntag Kantate: Musik kann unsere besten Eigenschaften aus uns hervorlocken, sie kann Liebe und Frieden stiften. Sie bringt die Frohe Botschaft auf den Punkt und vermag etwas ganz Großes in uns wachsen zu lassen: Dankbarkeit! ABBA hatte recht! Der Sonntag Kantate lädt uns dazu ein, das Gesangbuch in die Hand zu nehmen, darin zu blättern und Altes neu zu entdecken. Dieses und jenes Lied ist den meisten von uns natürlich bekannt. Zum Beispiel Choräle wie „Lobe den Herren“ oder „Großer Gott, wir loben dich!. Aber, blättern Sie doch mal weiter zu den Liedern, die Sie noch nicht kennen. Vor allem im EGPlus. Lesen sie leise, lesen Sie laut, summen und singen Sie. Vielleicht bekommen Sie ja sogar Lust darauf, ein Lied auswendig zu lernen. Das hat in unserer Kirche ja auch eine lange Tradition. Davon können viele Ältere unter uns sprichwörtlich ein Lied singen. Vielleicht haben Sie auch Freude daran, ein Lied gemeinsam mit der Familie oder Freund*innen zu singen oder zu musizieren. Vielleicht bekommen Sie auch Lust, das Zuhören neu zu lernen; den Klängen und Worten ganz bewusst zu lauschen. Dazu gehört auch, sich auf die himmlischen Klänge in Kirchenräumen einzulassen und sie zu genießen. So dass wir ganz bewusst sagen werden: „Thank you for the music, God!“ Amen

Fürbittengebet / Vaterunser

Ein frohes und dankbares Lied fällt uns nicht immer leicht. In unser Danken bricht oft die Klage, in unsere Freude die Sorge. Wir bitten dich, dass wir trotz allem, was unser Leben verdunkelt, deine Liebe wahrnehmen und deine Treue spüren. Wir bitten dich für die Menschen, denen Leid und Sorgen den Mund verschlossen haben, dass sie nicht mehr singen, sondern nur noch seufzen können. Lass ihnen dein Licht leuchten, damit die Schatten aus ihren Herzen weichen. Wir bitten dich für die Mutlosen und Einsamen, die Kranken und die Trauernden, die dich nicht mehr loben können, sondern weinen. Trockne ihre Tränen und schenke ihnen wieder Hoffnung. Wir bitten dich für alle, die singen und sich an der Musik erfreuen, dass sie darin dein Rufen hören und sich deiner Liebe öffnen. Hilf uns, dass wir dir zur Ehre singen, und dein Lob vor aller Welt verkündigen. Gott der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, unsere Gedanken und Gebete sind auch bei unseren Schwestern und Brüdern in der Ukraine, in Palästina, in Israel und den umliegenden Ländern in ihrer Angst und Not. Wir beten auch für alle anderen Regionen der Welt,   in denen es Konflikte, Unruhen oder Unterdrückung gibt. Wir beten, dass Versöhnung Hass entwaffnet, Frieden Krieg besiegt, Hoffnung Verzweiflung überwindet, und dass deine Pläne des Friedens in Erfüllung gehen. – Vater unser im Himmel, …

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen

 

Bleiben Sie behütet und gesund!

Es grüßt Sie herzlichst Ihre

 

Sabine Klatt