Andacht letzter So. n. Epiphanias, 30.01.2022 von Pfarrerin Dr. Anna Scholz

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EGplus 34 Komm heilger Geist

Friede sei mit Euch. Wir halten inne in unserem Alltag, um uns berühren zu lassen von Gott, von Musik, von Worten. Um unsere Herzen frei werden zu lassen, von allem, was uns bedrückt. Wir tun das im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.

Lied EG plus 41 Wohl denen, die noch träumen

Psalm 126

Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Dann wird man sagen unter den Heiden: Der Herr hat Großes an ihnen getan; des sind wir fröhlich. Herr, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freude und bringen ihre Garben.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn…

Gebet

Gott, wir danken Dir für Deine Nähe, für die Kraft, die Du uns gibst, für deinen freundlichen Beistand und für den liebenden Blick, mit dem Du uns anschaust. Sei uns heute nah und schenk uns Frieden. Das bitten wir durch Jesus unseren Bruder, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schenkt, heute und immer. Amen.

Schriftlesung: MT 5 , 13-16 – SALZ UND LICHT

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. Ihr seid  das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst
euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie  eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Glaubensbekenntnis

EG plus 102 Da wohnt ein Sehnen tief in uns

Predigt

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr Salz, womit soll man salzen? Wir sind Salz? Salz das haltbar macht? Salz, das Würze gibt? Wie ist es, wenn unser Salz nicht mehr salzt, wenn wir zu wenig davon haben? Wenn das Leben uns unsere eigene Würze vergessen lässt? Oder wir nicht mehr finden, was uns haltbar und stark macht?

  1. Zum Beispiel sie: Sie ist Krankenschwester. Jeden Tag eilt sie von Zimmer zu Zimmer. Schüttelt Kissen auf. Hilft beim Waschen und beim Gang ins Bad. Macht Verbände neu. Reicht Essen an. verteilt Medikamente. Wenig Zeit ist für jeden Einzelnen. Und manchmal kann sie das Licht der grell erleuchteten Flure sogar zuhause noch sehen. Abschalten ist schwierig, jeden Tag hat sie es mit dem Leid der anderen zu tun, setzt ihre Kraft ein, manchmal mehr als sie hat. Sieht Menschen sterben. Hält Hände. Bloß, wer hält sie?
  2. Oder er: Opa ist er und das eigentlich schon lange. Nur, früher hat er das noch nicht so richtig gemerkt Da hat er gearbeitet, und das nicht wenig. Manager war er. Man weiß ja, was das heißt. 60 Stunden, das Normale, das ist doch klar. Familie, das hat ihn noch nie so richtig interessiert. Das hat er seiner Frau überlassen. Jedenfalls meistens. Er hatte zu tun, er hatte Verantwortung. Er hatte Gedanken, man hat ihn gebraucht. Jetzt hat er Ruhestand, jetzt ist er Opa. Seine Tochter arbeitet, er muss sich um sein Enkelkind kümmern. Eigentlich weiß er garnicht so richtig, wie das geht, Opa. Er war Manager. 60 Stunden, das Normale. Man hat ihn gebraucht. Jetzt weiß er eigentlich nicht, was er noch anfangen soll hier im Leben. Er ist Opa. Sein Tochter arbeitet auch nachts. Er ist bei seinem Enkelkind. Er mag das Kind. Aber so richtig glücklich macht ihn das nicht. Familie, das ist eigentlich nichts für ihn. Dass alle immer ihre Familienfotos rumzeigen, das versteht er nur zum Teil. Für ihn ist das nix. Er ist doch Manager. Er hatte Gedanken, man hat ihn gebraucht. Jetzt ist er Opa. Er bringt sein Enkelkind ins Bett. Er liest was vor. Das machen Opas so. Sein Enkelkind weint. Was soll er jetzt machen. Es vermisst seine Mutter, das ist klar. Er ist Opa. Er ist Manager. Was soll er anfangen, hier im Leben? Tränen sind salzig, warum, Opa, sagt das Kind. Er blickt auf sein Enkelkind. Er streckt seine Hand aus. Er streichelt. Er schluckt. Er blickt auf sein Enkelkind. Er ahnt es.. Sein Leben.
  3. Oder sie: Ihre Haut ist voller Risse. Die salzige Gischt brennt darin. Eng ist es auf dem kleinen Boot. Viel hat sie nicht mitnehmen können und viel hatte sie auch nicht, da wo sie aufgebrochen ist. Geh nach Europa, hat die Mutter gesagt. Da ist das Wasser sauber und es gibt Arbeit. Wir sammeln alles Geld zusammen, damit du ins Boot steigen kannst. Da kannst Du was lernen. Ein besseres Leben. Von da kannst Du uns helfen. Schick uns Geld. Du musst gehen. Sie wollte nicht gehen. Sie ist gegangen. Durch die Wüste. Durch die Sonne. Bis zur Küste. Bis zum Boot. Sie hat Angst. Sie hat Hunger. Sie ist schwach. Das Boot wankt. Werden sie je ankommen? Jeder kennt die Geschichten von den vielen, die es schon versucht haben. Um sie herum: Menschen voll Angst, Menschen voll Hoffnung. Das Meer rauscht. Es ist Nacht. Nur Sternenlicht über ihnen. Das Boot wankt. Menschen schreien. Sie denkt an zuhause. Sie denkt an die Mutter. Sie sieht die Sterne.Dunkelheit. Ihr Leben. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter. So leuchtet es allen, die im Hause sind. Wir sind das Licht? Licht, das das Leben hell und freundlich macht? Licht, das Wege zeigt? Licht, das Hoffnung macht, da wo es dunkel ist?

Müde sitzt sie im Schwesternzimmer. Draußen leuchten die Lichter der Stadt, drinnen rührt sie ihren Kaffee um, nimmt einen Schluck. Irgendwie durchhalten, die Nachtschicht noch, dann ist Pause. Schrill gellt der Klingelton aus dem Lautsprecher, über der Tür leuchtet die Lampe auf. Sie springt auf. Eilt los. Hilft und tröstet. Im Schwesternzimmer ist der Kaffee kalt geworden. Aber daneben liegt eine Blume. Und ein Brief: „Danke für Ihre Arbeit. Sie tun so viel.“. Sie lächelt. Jemand hat sie gesehen. Ihr Leben ist hell, jedenfalls diesen Moment.

Und er: Er steht in der Küche. Er schmiert Butter aufs Brot. Schulbrote, wann hat er die zum letzten Mal gesehen? Als er ein Kind war. Als es noch nicht so viel Butter gab. Und keine Plastikdosen. Jetzt ist er Opa. Er legt ein Bonbon neben das Brot. Opas machen sowas. Danke, Opa, ruft sein Enkelkind. Ich hab dich lieb. Er winkt. Er sieht seinem Enkelkind nach. Früher war er Manager. Man hat ihn gebraucht. Jetzt ist er Opa. Man braucht ihn. Er lächelt. Es geht weiter. Sein Leben.

Und sie: Die Wellen werden stärker. Das Boot ächzt. Werden sie ankommen? Sie sind so viele. Sie haben Angst. Manche weinen. Sie denkt an zuhause. Sie fängt an zu singen. Ein Lied ihrer Heimat. Vergiss unsere Lieder nicht, hat die Mutter gesagt. Sie singt lauter. Das Meer rauscht. Ein Lied der Hoffnung, sie kennt es schon lange. Sie singt. Jemand stimmt ein. Viele singen. Ein Lied der Hoffnung auf dem dunklen Meer. Sie sind stark. Sie sind Menschen. Sie wollen leben. Da ist die Küste. Ein heller Streifen. Was wird sie erwarten? Sie schwimmt. Das Wasser ist salzig. Sie ist am Strand. Es kommt jemand entgegen. Licht aus hellen Lampen. Stimmen. Wird jemand das Lied ihrer Hoffnung hören? Wird jemand das Licht ihrer Hoffnung sehen? Sie steht auf. Sie folgt den Lampen. Sie will weitergehen. Sie will es schaffen. Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt. So lasst Euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. So hat, das erzählt die Bibel, vor langer Zeit jemand gesprochen. So hat jemand zu Menschen gesprochen, die auf der Suche waren nach Hoffnung und einem guten Weg für ihr Leben. So hat jemand gesprochen, der den Menschen, die auf der Suche waren, zugetraut hat, dass sie es können: Würze für die Welt sein. Haltbares schaffen. Kostbares vor dem Zerfall bewahren. Licht sein für andere, auch da, wo die Dunkelheit groß ist. Ein hoher Anspruch. Ein großer Zuspruch. So hat jemand gesprochen, der von sich selbst gesagt hat: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Hören wir seine Worte. Suchen wir, wo die Würze ist, die wir dem Leben geben können. Ein wacher Blick für den anderen. Ein freundliches Wort, auch zu einem Fremden. Eine neue Aufgabe, die wir für uns entdecken, auch wenn sie ganz anders ist, als das, was wir bisher zu können glaubten. Aufmerksam sein, auch über den Tellerrand unserer Existenz hinaus. Dafür sorgen, dass Gutes nicht verloren geht. Dafür sorgen, dass neues einen guten Geschmack bekommt. Salzen wir, mit dem Salz das wir haben. Suchen wir, wo wir das Leben hell machen können. Entdecken wir im anderen das Licht, das in ihm leuchtet. Auch wenn man es nicht gleich sieht. Folgen wir dem Weg, den wir sehen. Schauen wir hin, was am Wegesrand ist. Helfen wir, wo wir können. Lassen wir uns anrühren und erfüllen von dem, was wir finden. Leuchten wir, mit dem Licht, das in jedem von uns ist. Amen

EG plus 75 Wo Menschen sich vergessen

Fürbitten

Gott, wir danken Dir für die Kraft, die Du uns gibst und wir denken heute besonders an Menschen, deren Kräfte aufgebraucht sind, weil sie sich einsetzen für andere, weil sie in schwiereigen Arbeitsverhältnissen sind, weil ihnen Anerkennung fehlt. Und wir bitten für alle Menschen, die eine Behinderung haben oder eine Krankheit. Für alle, die nicht auf der Sonnenseite der Gesellschaft stehen für alle, die ein Licht im Leben brauchen. Vaterunser… Amen

EG Plus 144 Verleih uns Frieden gnädiglich

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich; er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; er erhebe sein angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen + + +

Bleiben Sie behütet und gesund. Es grüßt Sie herzlich Ihre Pfarrerin Dr. Anna Scholz

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