Andacht Neujahr 01.01.2023 von Lektorin Gerlinde Abel

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DU BIST EIN GOTT DER MICH SIEHT:

So heißt es in der Jahreslosung für dieses neue Jahr.

Wir machen uns auf den Weg durch das neue Jahr mit Gott und erwarten hoffnungsvoll und getrost, was er Neues schaffen wird und was er in unserem Leben wachsen lässt.

Lied   64 Der du die Zeit in den Händen hast

Psalm 121

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.

Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt vom Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,

und der dich behütet, schläft nicht.

Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

Der Herr behütet dich;

der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

daß dich des Tages die Sonne nicht steche

noch der Mond des Nachts.

Der Herr behüte dich vor allem Übel,

er behüte deine Seele.

Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang

von nun an bis in Ewigkeit!

Wir befinden uns auf den ersten Seiten der Bibel. Sie erzählen von Menschen,     komplizierten Familienverhältnissen, von Lug und Trug, von Scheitern und Neuanfängen. Mit diesen Menschen schreibt Gott Geschichte(n). Mit Menschen, die glauben und zweifeln. Mit Menschen, die sich an seine Verheißungen klammern, auch wenn sie lange auf ihre Erfüllung warten müssen.

Text: Genesis 16, 13

13 (Und sie nannte den Namen des HERRN, der mit ihr redete:)

Du bist ein Gott, der mich sieht.

(Denn sie sprach: Gewiss hab ich hier hinter dem hergesehen, der mich angesehen hat.)

In der Jahreslosung 2023 geht es um Ansehen und angesehen Sein. Der Satz steht in der Geschichte von Hagar. Eine berührende Geschichte. Ich werde sie Ihnen kurz erzählen. Hagar ist die Magd von Sara, Abrahams Frau. Sara kommt auf die verzweifelte Idee, Hagar ihrem Mann als Zweitfrau zu empfehlen, da sie selbst kein Kind bekommen kann. Als Leihmutter sozusagen. Abraham willigt ein und Hagar wird schwanger. Es kommt wie es kommen muss: Hagar wird gegenüber ihrer Herrin hochmütig und sieht auf sie herab – was Sara natürlich verletzt und kränkt. Da sie aber – Abrahams Frau – am längeren Hebel sitzt, demütigt sie wiederum die Magd. Bis Hagar es nicht mehr aushält und in die Wüste flieht. Zwei Frauen, die sich nach Ansehen sehnen – aber nur auf-einander herabsehen können.   Hagar also in der Wüste. Sie findet eine Quelle am Weg – und dort wird sie gefunden. Vom Engel des Herrn. Der redet sie an: „Hagar, Saras Magd, wo kommst du her und wo willst du hin?“ Hagar erzählt. Der Engel hört zu und schickt sie dann wie-der zurück in ihre schlimme Situation bei Abraham und Sara. Aber nicht ohne eine Perspektive: Er verheißt ihr, dass das Kind in ihrem Leib ein Sohn werden und viele Nachkommen haben wird. Er soll Ismael heißen, das bedeutet: Gott erhört. Denn, sagt der Engel: „Gott hat dein Elend erhört.“ Hagar fühlt sich angesehen. Angesehen von Gott. Und bekommt dadurch Kraft und Mut, ihren Weg weiterzugehen. „Und sie nannte den Namen des Herrn, der mit ihr redete: Du bist ein Gott der mich sieht. Die Jahreslosung 2023 ist also ein Name. Der Name Gottes: Du bist ein Gott der mich sieht. Sie soll uns in den nächsten 365 Tagen begleiten, will Orientierung geben in diesen bewegten Zeiten, trösten und bestärken im Schweren, unterstützen und begleiten bei den vielen Herausforderungen. Heute sehen wir auf dieses ungewisse neue Jahr vor uns – und vielleicht kann uns die Jahreslosung ermutigen und stärken: Unser Gott ist der „Du-bist-ein-Gott-der-mich-sieht“.

Ansehen, gesehen, wertgeschätzt werden – das ist ein Grundbedürfnis der menschlichen Seele. Unser Leben ist manchmal ein Wettbewerb im „gesehen werden“. Und oft ein andauerndes Leiden daran, dass man eben nicht so viel Aufmerksamkeit bekommt, wie man es möchte.
Und endlos viele Menschen liefern sich in den Sozialen Medien ein gnadenloses Gefecht um Aufmerksamkeit, um Klicks, ums gesehen werden. Das noch perfektere Foto, … nur damit jemand mich mit likes belohnt … auch wenn das Präsentierte längst nicht mehr das echte eigene Leben ist. Dieser Engel hat eine Botschaft. Und zwar eine Doppelte: Hagar ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst: Du musst zurück zu Abraham und Sarai. Der Engel begründet es nicht. Es ist halt so. Und irgendwie scheint mir, dass bei vielen Problemen unseres „ich werde nicht gesehen“ die Antwort lautet: „es ist halt so“. Die Welt ist, wie sie gerade ist. Und das wird sich auch mit dem Jahreswechsel nicht ändern. Krisen sind da. Den Krieg in der Ukraine kann man nicht einfach wegzaubern. Oft können wir Rahmenbedingungen unseres Leben nicht einfach verändern Hagar muss zurück – vorerst zumindest – nicht für immer. Das war die schlechte Nachricht. Aber es gibt auch die gute Nachricht: Du bist schwanger und wirst bald einen Sohn bekommen. Nenne ihn Ismael (›Gott hört‹), denn der HERR hat gehört, wie du gelitten hast. Das ist die Botschaft, die Hagar gebraucht hat: Sie, die sich so endlos verloren gefühlt hat. Ausgeliefert . Die als Besitz behandelt worden ist, nicht wie ein Mensch. Gott hat das alles gesehen.
Das Unrecht – die Demütigung – ihre Tränen. Erlebnisse, wofür sie kaum Worte finden würde. Gott hat es gesehen, hat mit ihr mitgefühlt. Gott hat sie gesehen, und nimmt sie bei der Hand. Ein Mensch mit eigener Würde.
Mit einer Hoffnung.

EG+ 6 1+2   +5+6   Von guten Mächten wunderbar geborgen…

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Bleiben Sie behütet und gesund!

Es grüßt Sie herzlich, Lektorin Gerlinde Abel

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