Andacht Ostern 2022 von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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Friede sei mit euch. Ostern ist das Fest unaussprechlicher Freude. Die frohe Botschaft „Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“ soll allen Menschen weitergesagt werden. Eigentlich müssten wir auf den Straßen tanzen, uns lachend in die Arme fallen und vor Freude singen. Dass wir das nicht tun – zumindest nicht das Tanzen und in die Arme fallen -, liegt nicht allein an Corona. Es liegt nicht ganz so in unserem Naturell wie den Südländern. Von einem Ostfriesen habe ich gelernt, dass im Norden ein freundliches Zunicken über eine Distanz von zehn Metern und ein einsilbiges „Moin“ bereits eine ausgesprochen herzliche Begrüßung ist.   Dennoch begrüße ich Sie alle mit „Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja“.

Lied: Wir wollen alle fröhlich sein (EG 100, 1-4)

Psalm 118 in einer Übertragung

Diesen Tag hat Gott gemacht, wir dürfen uns freuen und fröhlich sein. Gemeinsam loben wir dich, Gott, denn du hast uns das Leben geschenkt. Diesen Tag hat Gott gemacht, wir dürfen uns freuen und fröhlich sein. Die Bäume und Blumen blühen in leuchtenden Farben, beginnen neu zu leben. Die Erde zieht ein neues Kleid an, überall weckt neues Grün unsere Lebensfreude. Und wir freuen uns über dich, Gott, denn du hast uns das Leben geschenkt. Es wird wieder heller werden in der Welt, die Sonne wärmt mit ihren Strahlen und erweckt alles zu neuem Leben. Ein Licht geht aus von Ostern, das Licht der Liebe Gottes. Wir feiern die Auferstehung. Wir atmen auf und spüren, dass du es gut mit uns meinst. Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!

Gebet

Gott, du Schöpfer der Welt, du hast allen Kreaturen das Leben geschenkt. In Jesus Christus bist du zu uns gekommen und hast uns gezeigt, wie wir in der Liebe miteinander unser Leben führen können. Im Wunder der Auferstehung zeigst du der Welt, dass Leben immer wieder neu entsteht. So bitten wir dich, verwandle unsere Nacht in den Tag, verwandle unsere Sorgen in Hoffnung, verwandle unsere Trauer in Freude. Führe uns aus der Finsternis ins Licht, aus dem Tod ins neue Leben auf dass wir deine Auferstehung verkünden. Amen.

Ansprache zum Predigttext Mk 16,1-8

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Und als der Sabbat vergangen war, kauften  Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus,  dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

Liebe Leser*innen, Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Das ist der Zeitpunkt des Osterfestes nach dem Bericht des Evangelisten Markus. Christliche Gemeinden bemühen sich, diesem Zeitpunkt möglichst nahe zu kommen. Deswegen feiert man Osternacht. Es gibt Posaunenchöre, die spielen mit der aufgehenden Sonne am Ostermorgen Auferstehungschoräle. Eine sehr schöne Tradition. Die Morgendämmerung ist eine ganz besondere Stunde. Etwas Neues beginnt, ein neuer Tag, noch ganz unverbraucht. Man weiß nicht, was er bringen wird. Der Tag liegt vor einem wie ein unbeschriebenes Blatt. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Wer diese „sie“ sind, wird uns vorher erzählt. Es sind drei Frauen: Maria von Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und Salome. Alle drei haben Jesus zu Lebzeiten kennengelernt, sie haben ihm zugehört. Sie waren von ihm beeindruckt, vielleicht haben sie ihn sogar geliebt in der ihnen je besonderen Weise. Sie gehörten zu seinen Jüngerinnen, auch wenn sie im Kreis der zwölf Jünger nicht mit aufgeführt sind. Früh am Morgen gehen sie los, der Tag hat gerade erst begonnen. Sie wissen, was sie tun wollen. Sie haben ein festes Ziel. Dafür sind sie gut vorbereitet. Am Tag zuvor haben sie wohlriechende Öle gekauft. Nun wollen sie den Leichnam Jesu salben. Auf diese Weise wollen sie Abschied nehmen. Mit dieser Absicht gehen sie hinein in das Grab. Die Sorge, die sie unterwegs umgetrieben hat, wie sie das mit dem großen Stein lösen, die erübrigt sich von selbst. Der Stein ist weggerollt. Die Frauen nehmen das so hin. Noch verläuft alles nach Plan. Dann aber wird deutlich: der Tag wird ganz anders werden, als sie sich das zuvor überlegt hatten. Sie werden den Leichnam Jesu nicht salben. Sie werden ihrer Trauer so nicht Ausdruck geben können. Stattdessen ist da ein Engel. Immer, wenn es in der Bibel besonders unerklärlich wird, erscheint ein Engel. Und das ist auch gut so. Dann muss man nicht umständlich erklären, warum jetzt hier Unerklärliches geschieht. Ein Engel steht für eine besondere Art und Weise der Nähe Gottes zu den Menschen. Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. So sagt es der Engel. Plötzlich ist das Vorhaben der Frauen unmöglich geworden. Sie können nicht tun, weswegen sie doch eigentlich an diesen traurigen Ort gekommen sind. Der Grund ihres Kommens war, die Sache mit Jesus ein für alle Mal zu beenden.

Nun aber sollen sie sich erneut auf den Weg von Jesus begeben. Das bringt die Frauen durcheinander. So schnell können sie nicht umdenken. Sie waren gekommen, um schweigend Abschied zu nehmen und nun sollen sie von der Auferstehung reden. Vom neuen Leben. Das geht ihnen zu schnell. Sie flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich sehr. Mit diesem Satz endet das Markus-Evangelium. Es folgen noch ein paar Verse, die sind aber später hinzugefügt, wohl, weil man damals schon dachte: So kann die Geschichte von Jesus doch nicht enden! Evangelium heißt – Frohe Botschaft! In den anderen Evangelien steht am Ende etwas Hoffnungsvolles: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende, so lesen wir bei Matthäus. Markus dagegen schreibt: Sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich sehr. Wortlos fliehen die Frauen. Sie verstummen angesichts der unfassbaren Nachricht. Christus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben ans Licht gebracht. (nach 2. Tim 1,10) Das ist bis heute eine unfassbare Nachricht. Dennoch ist es diese Nachricht, von der aus der christliche Glaube weitergetragen wurde. Es muss ja so gewesen sein, irgendwann hat das Schweigen ein Ende gefunden. Irgendwann konnten die Frauen erzählen, was sie erlebt hatten. Und auch all die anderen, die mit Jesus zusammen gewesen sind, haben erzählt: Jesus ist nicht tot, er ist auferstanden. Einfacher ist das mit Ostern nicht. Ein Weg der Trauer, der in einer starken Hoffnung endet. Diesen Weg gehen wir jedes Jahr von Gründonnerstag über Karfreitag bis hin zum Ostersonntag. Dieser Weg lässt sich durch Osterbräuche in der Familie vertiefen. Unser christlicher Glaube geht über den Tod hinaus. Was ist das für eine wunderbare Hoffnung in einer Zeit, da uns mit einem möglichen Sterben viel Angst gemacht wird? Christus ist Herr über Leben und Tod. Getragen von dieser Hoffnung ist eine Elisabeth von Thüringen hingegangen zu den Kranken und Sterbenden. Sie hat sich nicht abschrecken lassen. Viele andere sind ihrem Weg in ähnlicher Weise gefolgt. Keiner von uns weiß, wie er oder sie in der direkten Begegnung mit Tod und Sterben reagieren wird. Aber man kann doch hoffen, dass auch dann und gerade dann der Glaube an den auferstandenen Christus trägt. Für unser Leben stehen viele Tage zur Verfügung, für unseren Tod nur ein einziger. Und dieser Tag wird uns einem neuen Licht entgegenführen. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Das ist mehr als eine Zeitangabe. Welche Hoffnung geht von jenem Ostermorgen aus, an dem den Frauen verkündet wird: Habt keine Angst! Ihr sucht Jesus, er ist nicht hier. Er ist auferstanden. Jeder Sonntag ist ein kleines Ostern, jeder Sonntag bringt in besonderer Weise unseren Alltag durcheinander. Und manchmal werden vielleicht auch unsere Pläne umgeworfen und es passiert etwas ganz Überraschendes. Möge es eine freudige Überraschung sein. Amen.

Lied: Große Leute, kleine Leute feiern fröhlich Ostern heute (EG+ 17,1-3)

Fürbittengebet /Vaterunser

Jesus, du bist auferstanden. Du hast das Böse überwunden und uns hast du befreit.

Der Tod hat nicht das letzte Wort. Auf dein Wort hören wir, und dich bitten wir: Für deine Kirche, die wir gemeinsam sind. Steh an unserer Seite, denn du bist auferstanden. / Gott, wir bitten dich für die Menschen, die Neues beginnen und schaffen, für Kinder und Erwachsene, die wir taufen, für alle Jugendlichen, die auf der Suche sind, für all die, die sich in diese Gemeinde einbringen mit ihren Stärken und Schwächen. Steh an ihrer Seite, denn du bist auferstanden. / Gott, wir bitten dich für Menschen, die dafür sorgen, dass Glaube bleibt und wächst, die ihren Kindern und Enkeln von dir erzählen, für Frauen und Männer, die deine Botschaft weitersagen, für Junge und Alte, die sich zu Christus bekennen. In dieser und für diese Welt bist du auferstanden, wahrhaftig auferstanden.

Vater unser im Himmel, …

Wochenspruch

„Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Off 1, 18)

Lied: Gott, dein guter Segen (EG+ 33, 6)

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

 

Ich wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest.

Bleiben Sie behütet und gesund.

 

Es grüßt Sie herzlich,

Ihre Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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