Andacht Pfingstsonntag, 05.06.2022 von Pfarrerin Dr. Anna Scholz

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Friede sei mit Euch. Es ist Pfingsten. Wir feiern das Fest des Heiligen Geistes, der Kraft, die uns verbindet, untereinander und mit den Menschen vor uns, die auf diese Kraft vertraut haben.

Lied: Komm, heilger Geist (EG+ 34)

Psalm 57 EG 728

Gebet

Gott, wir hoffen auf Deine Nähe. Wir spüren sie nicht immer und sehen können wir sie auch nicht, aber wir sehnen uns nach Dir. Sei bei uns, hier in unserer Gemeinschaft. Hilf uns, auf Deine Kraft zu vertrauen, richte uns auf und mach uns Mut. Denn Deine Güte reicht, so weit der Himmel ist und Deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen. Amen.

Lied: Zieh ein zu Deinen Toren (EG 133, 1.3.6)

Schriftlesung Joh 14

15 Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. 19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben.Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. 25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. 27 Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Halleluja

Glaubensbekenntnis

Lied: Befiel du deine Wege (361, 1.6-8)

Ansprache

Liebe Leser*innen,

als vor ein paar Jahren meine Oma, in unserer Familie wurde sie „Emi“ genannt, gestorben ist, da ist das ein ganz großer Schmerz für mich gewesen. Emi war der Mittelpunkt unserer Familie, jede Woche rief sie an, hatte ein Ohr für die kleinen und großen Sorgen und oft auch einen Rat – manchmal auch solche Ratschläge die man erstmal nicht hören wollte, die sich aber im Nachhinein dann oft als richtig entpuppt haben. Eine kleine Person war sie, mindestens zwei Köpfe kleiner als mein Großvater, aber immer eilte sie auf ihren hohen Absätzen in Haus und Garten umher und hielt alles zusammen. Sie konnte die besten süßen und fettigen Pfannkuchen der Welt backen und zugleich achtete sie immer darauf, dass alle genug gesunden Salat zu essen bekamen. Sie liebte Musik und hatte oft ein Lied auf den Lippen, und natürlich sorgte sie dafür, dass alle in der Familie ein Instrument lernten – bei mir war das ziemlich hoffnungslos, aber zwei meiner Onkel sind dann tatsächlich klassische Musiker geworden – ihr ganzer Stolz. Ihr Tod kam plötzlich und für uns alle überraschend. 93 Jahre alt ist sie geworden und trotzdem konnten wir es alle nicht fassen, dass unsere Emi auf einmal nicht mehr bei uns war.

15 Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch.

So sagt Jesus das zu seinen Freunden. Verunsichert und aufgewühlt sind sie, alle wissen, der Abschied naht, und keiner von ihnen kann sich vorstellen, wie das sein wird, ein Leben ohne diesen besonderen Freund.

Und Jesus sagt: 16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.

Schon ein paar Jahre vor ihrem Tod hat meine Oma angefangen, uns gelegentlich etwas Kleines aus ihrem Besitz zu schenken. Bei mir waren das duftende Seifen, die meine Oma immer in ihrem Kleiderschrank liegen hatte – weswegen sie immer von einem speziellen Duft umgeben war. Ich habe dann diese Seifen auch in meinem Kleiderschrank gelegt. Und dann, als Emi gestorben war, da bekamen sie plötzlich eine besondere Bedeutung. Immer nämlich, wenn ich jetzt meinen Kleiderschrank öffne, kommt es mir vor, als wäre Emi in dem Duft, der daraus hervorströmt. Ja, als würde sie im Duft Ihrer Seife aus dem Schrank herauskommen. Und mir über die Wage streicheln, wie früher. Und ich denke an sie und sie ist mir oft nah, auch wenn sie schon lange nicht mehr lebt. Und es ist mir, als hörte ich manchmal ihre Worte. Und ich spüre ihre Nähe und denke – Emi würde jetzt dies oder das sagen. Und manchmal denk ich, das wollte sie so, als sie mir damals die Seifen geschenkt hat. Vielleicht hat sie gewusst, dass auf diese Weise etwas von ihr bleibt.

19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. So sagt Jesus das zu seinen Freunden, kurz vor dem Abschied. Der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Heute, an Pfingsten, erinnern wir uns an diesen Abschied Jesu und daran, wie der heilige Geist die Kraft geworden ist, die uns als Christen verbindet und uns die Gegenwart Gottes in unserem Leben zeigt. Und ich glaube, man kann sich das so ähnlich vorstellen, wie die Verbindung zu einem geliebten Menschen, der nicht mehr lebt und trotzdem irgendwie noch da ist. Vielleicht, wie bei meiner Emi in einem Duft. Oder in den gemeinsam erzählten Geschichten, die an ihn oder an sie erinnern… wenn wir sagen, „weißt du noch“… und dann gemeinsam lachen. Oder vielleicht auch zusammen weinen. Eben dann, wenn wir Gefühle und Erinnerungen teilen. Wir sehen unsere verstorbenen Menschen nicht mehr. Aber wir können ihnen nah sein, wenn wir uns erinnern. Vielleicht einen Gegenstand in die Hand nehmen, der von einem gemeinsamen Erlebnis erzählt. Alte Photos betrachten. Aus der Lieblingstasse des Verstorbenen einen Kaffee trinken. Und dann ist da eben doch wieder Gegenwart. Und wir können leben. Und weiterleben. Mit Liebe im Herzen. Denn vielleicht ist es ja überhaupt so, dass die wirklich wichtigen Dinge, die, die uns leben lassen und die uns helfen, getröstet zu werden, und zuversichtlich zu sein, die Dinge sind, die man nicht sieht, sondern auf unsichtbare Weise spürt. Eben so ein „Heiliger Geist“, ein Geist der Erinnerung, ein Geist der Gegenwart und ein Geist der Zukunft, der in unseren Herzen wohnt. Wie das Gefühl beim Gedanken an einen ersten Kuss, aus dem eine lange Beziehung geworden ist. Oder an den Duft eines zusammen gekochten Lieblingsessens, bei uns Pfannkuchen nach Emis Geheimrezept, natürlich immer mit ihrem mahnenden Wort im Ohr, dass es dazu auch einen Salat geben muss. Wenn wir zusammen das Abendmahl feiern und Brot und Wein teilen, dann ist das so etwas: Es geht nicht um dieses Brot und diesen Saft, den wir zusammen trinken. Sondern es geht darum, dass wir so etwas wie eine Erinnerung teilen. Und darin Jesus mit seinem heiligen Geist, dem Geist der Liebe und des Friedens unter uns gegenwärtig ist. Indem wir zusammen da stehen und das gemeinsam machen. Und es im Frieden tun, auch wenn wir den oder die, die neben uns steht vielleicht gar nicht gut kennen. Wir verbinden uns. Untereinander und mit den Hoffnungsgeschichten aus den Zeiten, die vor uns waren. Es geht ums Mut fassen, für die Zukunft, jede und jeder mit ihrer eigenen Geschichte, und eigenem Glück und eigenem Schmerz. Und trotzdem in einer Gemeinschaft. Getröstet und mit Frieden. Jesus sagt: Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht so, wie die Welt gibt, also nicht so, wie das, was wir sehen, was wir anfassen können oder mit unserer menschlichen Vernunft analysieren und in die Logiken unserer Gegenwart einpassen. Sondern so, dass wir es innerlich fühlen, dass das, was unser Leben trägt und uns Hoffnung macht, mehr ist, als das, was offensichtlich vor Augen steht. Ein heiliger Geist, der uns verbindet und uns hilft, nach vorne zu schauen.   Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. So soll es sein, auch für uns. Amen.

Lied: Geh aus, mein Herz (EG 503, 1.6.8)

Fürbitten / Vaterunser

Gott, auf unserer Welt ist vieles nicht so, wie es sein soll. Immer noch ist Krieg in der Ukraine und auch an anderen Orten müssen Menschen um ihr Leben fürchten und Frieden ist nicht in Sicht. Wir bitten Dich, dass Du die Menschen, die solches Leid erleben, nicht alleine lässt. Wir bitten Dich: Gib deinen Geist der Wahrheit und des Friedens in die Herzen derer, die an verantwortlicher Stelle Einfluss nehmen könne, auf das, was geschieht. Und wir bitten Dich: Gib denen, die helfen, Kraft. Lass sie nicht den Mut verlieren. Und hilf auch uns, hinzusehen, wo wir etwas tun könne, mit dem was uns möglich ist. Hilf uns, nicht vor Angst gelähmt zu sein, sondern die Chancen, die wir haben, zu nutzen. Vater unser im Himmel …

Lied Geh aus, mein Herz, EG 503, 13.14)

Segen

Der Herr segne und behüte dich;

Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen + + +

 

Bleiben Sie behütet und gesund!

Es grüßt Sie herzlich, Ihre

Pfarrerin Dr. Anna Scholz

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