Andacht Rogate 05.05.2024 von Pfarrer Alexander Donges

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Liebe Leserinnen und Leser,

Gott ist wie ein Hirte, der uns beschützt und leitet. Davon spricht der Dichter in Psalm 23. Und viele Leute in der Bibel haben sich von Gott leiten lassen. Manche sogar in die Wüste. Und Vertrauen darauf gesetzt, dass sie wohl behütet gehen und wiederkommen.

So feiern wir diese Andacht im Namen Gottes, der wie ein Hirte für uns ist, im Namen des Sohnes, der von Gott geleitet und begleitet wurde und im Namen des Heiligen Geistes, der uns den Weg weist. Amen

Tagesgebet

Gott, wir warten. Auf das Ende von Krankheit und Hunger. Auf das Ende von Kriegen und Terror. Auf das Ende der Angst. Auf Befreiung. Wir warten. Auf vernünftige Verhandlungen. Über Frieden.
Über die Bewahrung der Schöpfung. Über gerechte Verteilung der Güter der Erde. Wir warten und hoffen. Auf dich, Gott. Denn wir sind müde geworden. Siehst du das? Es geht schon so lange. Gott, hilf uns. Amen

Schriftlesung 1. Mose 16, 1-16 – Hager und Ismael

Lied: EG 209 „Ich möchte, dass einer mit mir geht“

 Predigt

Es ist heiß. Unerträglich heiß. Denn Hagar ist in die Wüste geflohen. Weg von den Demütigungen. Eine junge und schwangere Frau ist sie. Und weiß nicht mehr weiter. Da plötzlich tritt ein Engel zu ihr und sie wird von ihm mit ihrem Namen angesprochen: Hagar. Hagar, der Name heißt übersetzt „Fremde“. Und fremd ist sie hier auch in der Wüste, weit weg von den anderen. Geflohen ist sie und hat ihre Heimat hinter sich gelassen. Wer ist Hagar, diese Frau, die erste weibliche Gestalt der Bibel, die von Gott durch einen Engel angesprochen wird? Sie ist eine Ägypterin, die als Magd bei Sarah und Abraham lebt. Da Sarah bislang kinderlos geblieben ist, gibt sie Hagar ihrem Mann Abraham, damit er „zu ihr gehe“. Und wie es die Geschichte will, bekommen sie ein Kind. Und dieses Kind gilt als legitimer Erbe. Quasi eine Art „Leihmutter“ soll Hagar sein. Und wie es der Zufall will, kommt es zu Konflikten. Die schwangere Hagar flieht noch vor der Geburt, weil sie die Demütigungen ihrer Herren nicht mehr erträgt. So findet der Engel sie in der Wüste und spricht sie an: „Hagar, wo kommst du her und wo willst du hin?“ Der Engel sagt Hagar zu, dass sie einen Sohn gebären wird, dessen Name „Ismael“, „Gott hört“ heißen soll. Hagar wird wieder zurückkehren zu Sarah und Abraham. Aber vorher nennt sie Gott beim Namen: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Die Jahreslosung des letzten Jahres. Gesehen werden. Wahrgenommen, ernstgenommen werden. Das brauchen Menschen. „Mich sieht niemand“, höre ich manchmal als Klage. Oder: „Niemand sieht, was ich hier tue.“ Nicht gesehen zu werden, das kränkt und das ist der innere Motor für Konflikte. Nicht gesehen werden, das macht einsam und lässt Menschen in Not allein. In Berthold Brechts Dreigroschenoper heißt es: „Denn die einen sind im Dunkeln, und die anderen sind im Licht. Und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“ Dazu ist die Jahreslosung ein Gegenwort: Für Gott ist niemand im Dunkeln. „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Der Engel Gottes wendet sich gerade der Fremden zu. Und Gott sieht auch die Menschen, die im Dunkeln sind. Die Menschen, die eine Zeit lang im Licht waren, aber aus dem Blick geraten sind. Und das können wir gut in der heutigen Zeit sehen. 2021 das schreckliche Hochwasser im Ahrtal. Wochen und Monate lang wurde intensiv auf die Menschen geschaut, medial berichtet und sie in den Fokus der Berichterstattungen gerückt. 3 Jahre später kaum ein Wort mehr, obwohl die Menschen dort immer noch unter den Folgen der Flut leiden. Menschen, die Angehörige damals verloren haben und/oder ihre Existenz in der Flut untergehen sehen mussten. Auch wenn wir immer nur partiell Menschen in den Blick nehmen, die Hilfe brauchen, so ist es umso erleichternder zu wissen, dass es einen Gott gibt, der gerade die sieht, die von uns teilweise aus dem Blick geraten oder die wir überhaupt nicht erst im Blick haben. Ein Gott, der mich sieht, ist ein Gott, zu dem ich ganz persönlich Kontakt habe. Ein Gott, der mich nicht aus den Augen verliert und zu dem ich jederzeit kommen kann. Und das gerade in den Zeiten, wo es mir nicht so gut geht, wo mich Dinge beschäftigen, wo ich das Gefühl habe ich stehe hier alleine, wie Hagar in der Wüste. Das sind solche Situationen, wo ich mit keinem anderen reden kann, meine Ängste und Sorgen von anderen Menschen nicht verstanden werden, aber es einen gibt, der zuhört und der mich sieht. Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

 Fürbittengebet

Lebendiger Gott, auf dem Weg durch die Zeit fragen wir uns: Wohin willst du uns führen? Auf festen Straßen und auf Abwegen und in Irrungen, auf Pisten ins Ungewisse, an Kreuzungen und Gabelungen gehst du mit uns. Alle unsere Wege sind schon da in deinem ewigen Gedächtnis. So vertrauen wir uns dir an und bitten dich für alle, die selbstgewiss ein Ziel anvisieren, die den schnellsten Weg suchen, die vorwärts wollen, dass du sie nicht ihren eigenen Plänen überlässt, sondern sie hältst in deinen höheren Gedanken. Wir bitten dich für alle, die sich zurückziehen, die ihre Zuversicht verloren haben, die am Sinn ihrer Wege zweifeln und sich überfordert fühlen von den Aufgaben ihres Lebens, dass sie dir im Innersten vertrauen können. Wir bitten für alle, die nicht mehr weiterwissen, die von Angst und Hunger und Traumen zur Flucht getrieben sind, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, dass sie dich, undenkbar, spüren. Wir bitten dich für alle, die umkehren und neue Wege erkunden und gehen, wo noch keine Wege sind, die ihren eigenen gewohnten Schritten nicht mehr trauen, die nach der verborgenen Wahrheit ihres Lebens suchen, dass sie dir begegnen. Wohin willst du uns führen? Du führest uns auf rechter Straße um deines Namens willen. So preisen wir dich heute und jeden Tag und mit jedem Schritt.  Amen

EG+ 37 Möge die Straße uns zusammenführen Strophen 1+2+4

Segen

Gott, der Dreieinige, segne und bewahre dich auf all deinen Wegen. Amen

Bleiben Sie behütet und gesund! Es grüßt Sie herzlichst,

Ihr Pfarrer Alexander Donges

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