Andacht Silvester/Neujahr zur Jahreslosung 2022 von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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Zu Beginn eines neuen Jahres, ist es zu spüren: Gottes Gnade, die uns bewahrt hat bis hierher; Gottes Treue, die uns begleiten wird auch auf den neuen, unbekannten Wegen dieses Jahres. Darauf vertrauen wir.

Lied: Nun lasst uns gehn und treten (EG 58,1.3.7.15)

Gebet

Herr, unser Gott, wir sind am Beginn des neuen Jahres und wollen auf dein Wort hören. Rede du nun zu uns, öffne uns die Augen für die Aufgaben, die vor uns liegen. Lass uns wach in das neue Jahr gehen, dass wir dich hören mitten im Lärm des Alltags. Und gib uns den Mut, auf dein Wort hin, immer wieder Neues zu wagen. Amen

Predigt zur Jahreslosung, Joh 6,37

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Leser*innen,

das Gefühl, vor einer Tür zu stehen und nicht zu wissen, wer einen wie empfängt und was einen dahinter erwartet, kennen wir alle. Jede Tür kann andere Gefühle in uns auslösen. Stehen wir vor dem Amtszimmer einer Behörde, der Haustür von Freunden, der Sprechzimmertür einer Arztpraxis oder stürmen gleich unsere Kinder oder Enkel herein?

Unzählige Türmomente erleben wir im Laufe unseres Lebens – hinter und vor Türen. Wunderschöne und unangenehme Türen können verbinden und trennen. Meist hängt es von beiden Seiten ab – vor und hinter der Tür.

Der Satz der diesjährigen Jahreslosung ist eine schlichte Feststellung: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ So ist das. Bei Gott, bei Jesus. Wer zu ihm kommt, der wird nicht abgewiesen. Ganz im Gegenteil: der findet eine offene Tür. Dem begegnen weit ausgebreitete Arme. Garantiert sieben Tage 24 Stunden lang. Immer.

Vor einer Woche haben wir Weihnachten gefeiert und vielleicht haben Sie noch die Worte aus dem Beginn des Johannesevangeliums im Ohr. Da ging es um das Kommen des Lichtes in die Finsternis, das Kommen Jesu in seine Welt. Aber: Er war nicht willkommen … „Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. … Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Joh 1,5.11)

Die Weihnachtsgeschichte erzählt es plastisch: Kein Platz in der Herberge! Jesus kommt im Stall zur Welt. Von Anfang an bis zu seinem Tod musste er die Erfahrung machen: Nicht willkommen! Abgewiesen.

Umso mehr fallen mir auf diesem Hintergrund die vielen Geschichten in der Bibel auf, die davon erzählen, wie ER mit Menschen umgeht, die zu ihm kommen. Wer zu ihm kommt, krank oder gesund, fröhlich oder traurig, zweifelnd oder voller Vertrauen – keiner wird abgewiesen, sondern findet bei ihm offene Ohren und ein zugewandtes Herz.

Ganz besonders kommt das für mich im Gleichnis vom verlorenen Sohn zum Ausdruck. Jesus erzählt es und schenkt uns damit ein Bild von Gott, das bestimmt Viele von uns so im Kopf haben: Der Vater, der seinen reuevoll heimkehrenden Sohn schon von weitem sieht, Mitleid bekommt und ihm mit offenen Armen entgegenläuft. Dieser Vater weist seinen Sohn, der zu ihm kommt, nicht ab, sondern öffnet ihm die Tür und sein Herz.

So ist Gott. So ist Jesus. Jesus Christus spricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“

Nun haben sich die Zeiten natürlich geändert. Jesus lebt schon lange nicht mehr leibhaftig auf dieser Erde. Und das wirft die Frage auf, wie wir heute im Jahr 2022 zu ihm kommen können. Wo kann ich ihn finden?

Ich finde ihn in seinem Wort. In den Geschichten der Evangelien. In den unzähligen Erfahrungen, die Menschen mit Jesus, mit Gott gemacht haben und die ich immer wieder nachlesen oder hören kann. Da wird er für mich lebendig. Da höre ich seine Stimme, Bilder entstehen in meinem Kopf und ich nehme im Herzen wahr, dass er mir nahe ist.

Und wenn ich im Gebet zu ihm rede, dann spüre ich nicht nur mich selbst besser, sondern finde auch zu ihm. Die Jahreslosung versichert uns: Wenn wir durch sein Wort und im Gebet zu ihm kommen, dann wird er uns nicht abweisen, sondern uns begegnen.

Darum ist mir auch der Gottesdienst so wichtig. Hier höre ich Gottes Wort. Hier ist Raum zum Beten. Hier erfahre ich Gemeinschaft mit Schwestern und Brüdern, durch die er mir begegnet.

Und wenn wir miteinander Abendmahl feiern – ich hoffe inständig, dass das endlich wieder möglich wird – dann kann ich seine Liebe sehen und schmecken in Brot und Wein. Beim Segen höre ich, dass ich bei ihm angesehen bin.

Darum versuche ich, auch in meinem Alltag regelmäßig in der Bibel zu lesen und zu beten, täglich das Losungsbuch „Licht und Kraft“ zu lesen. Das klappt mal mehr mal weniger gut … Aber ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass diese Augenblicke mir zu wertvollen Kraftorten geworden sind. Besonders wenn es drunter und drüber geht oder ich mich über jemanden ärgere. Dann sind es vielleicht nur wenige Worte oder Gedanken. Aber darauf kommt es nicht an.

Es berührt mich, dass Jesus vor meiner Tür steht und nur eintritt, wenn er nicht abgewiesen wird. Er fragt dabei nicht einmal nach meinen „Gastgeberinqualitäten“. Seine verschweigt er jedoch nicht. In seinen „Ich-Bin-Worten“ stellt er sich als der von Gott Gesandte vor:

„Ich bin das Brot…“

„Ich bin das Licht der Welt…“

„Ich bin die Tür…“

„Ich bin die Auferstehung und das Leben…“ …

Was für ein Angebot, was für eine Einladung! Und doch hält sich die Begeisterung vieler Menschen damals wie heute in Grenzen. Oft bleibt sie ungehört oder landet ungelesen im Papierkorb. Vielleicht auch, weil sie den Gastgeber nicht kennen und sich lieber in ihren vertrauten vier Wänden aufhalten.

Wie gut, dass die Tür Tag und Nacht geöffnet bleibt und Jesus keiner Frage ausweicht, jedes Gebet hört. ER hält es auch aus, wenn wir gerade viel Wichtigeres zu tun haben, als uns mit IHM und seiner Einladung zu befassen.

Nur wenn ich Jesu Einladung folge, lerne ich seine Gastgeberqualitäten kennen. ER hört nicht auf, jede und jeden unermütlich persönlich einzuladen. – ER wartet und wenn wir vor seiner Tür stehen, wird er uns nicht abweisen. Amen

Fürbittengebet / Vaterunser

Gott, für viele von uns sind anstrengende Monate zu Ende gegangen:

Die Corona-Pandemie, das Leid derer, die alleine waren während der Krankheit oder auch im Sterben.

Die vielen jungen Menschen, denen Monate ihrer Jugend verloren gegangen sind und all die Menschen, deren Existenz durch Kurzarbeit und Lockdown bedroht war und ist.

Die Flutkatastrophen in Folge der Klimaerwärmung haben viele Menschenleben gekostet und milliardenschwere Schäden angerichtet. Wie viele Menschen haben alles verloren.

Nun sind wir in der vergangenen Nacht über die Schwelle zum neuen Jahr getreten – dem dritten Jahr der Pandemie – und hören deine Einladung: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“

Zeige du, Gott, uns neue Wege! Hilf uns, uns auf das Wesentliche zu besinnen. Schenke uns ein gutes Jahr, in dem wir die Pandemie bewältigen und all diejenigen nicht alleine lassen, die Unterstützung und Begleitung benötigen. Schenke uns die Gabe, einander nahe zu sein, zu teilen.

Bewahre uns vor Selbstüberschätzung und schenke uns Vertrauen: Gott- und Selbstvertrauen, das uns ermöglicht mutig, entschlossen, aber behutsam und achtsam unsere Fähigkeiten einzubringen.

Du hast in Jesus Christus den Bann des Bösen gebrochen, hast neue Wege gezeigt und wirst uns nicht abweisen. Dir, Gott, vertrauen wir uns und diese Welt an.

Vater unser im Himmel, … Amen

Lied: Nun lasst uns gehn und treten (EG 58,11)

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich; er lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig; er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen

Bleiben Sie behütet und gesund. Ihre

Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

 

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