Andacht Trinitatis 12.06.2022 von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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Trinitatis feiern wir heute, das Fest der göttlichen Dreieinigkeit: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Wir glauben an Gott den Vater, der unser Ursprung ist und das bleibende Geheimnis, in dem wir grünen. Wir glauben an den Sohn, der Mensch geworden ist und uns den Weg zum Leben führt. Wir glauben an den Heiligen Geist, der uns das Leben aufschließt, für den Vater und den Sohn.

Lied: O komm, du Geist der Wahrheit (EG 136,1)

Psalm 145 (Auszüge)

Ich will dich erheben, mein Gott, du König, und deinen Namen rühmen immer und ewiglich. Der HERR ist groß und sehr zu loben und seine Güte ist unausforschlich. Kindeskinder werden deine Werke preisen und deine gewaltigen Taten verkündigen. Dein Reich ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft währet für und für. Ehr sei dem Vater …

Gebet

Heilige Dreifaltigkeit, wir glauben, bekennen und verehren das Geheimnis deiner Majestät – du bist der eine wahre Gott: Festige unseren Glauben und bewahre uns vor allem, was ihn bedroht. Dir, Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, sei Ehre in Ewigkeit. Amen

Lied: Brunn alles Heils, dich ehren wir (EG 140)

Lesung: Jesaja 6,1-13

In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel. Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: Mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße und mit zweien flogen sie. Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens und das Haus ward voll Rauch. Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.  Da flog einer der Serafim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm,  und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei.  Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich! Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Höret und verstehet’s nicht; sehet und merket’s nicht! Verfette das Herz dieses Volks und ihre Ohren verschließe und ihre Augen verklebe, dass sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich nicht bekehren und genesen. Ich aber sprach: Herr, wie lange? Er sprach: Bis die Städte wüst werden, ohne Einwohner, und die Häuser ohne Menschen und das Feld ganz wüst daliegt. Denn der HERR wird die Menschen weit wegführen, sodass das Land sehr verlassen sein wird. Auch wenn nur der zehnte Teil darin bleibt, so wird es abermals kahl gefressen werden, doch wie bei einer Terebinthe oder Eiche, von denen beim Fällen noch ein Stumpf bleibt. Ein heiliger Same wird solcher Stumpf sein.

Ansprache

„Wie im Himmel“ – kennen Sie diesen Film? Er ist sehr empfehlenswert! „Wie im Himmel!“ erzählt die Geschichte eines Spitzenmusikers. Als gefeierter Dirigent erleidet er seinen Zusammenbruch und kehrt daraufhin ins ländliche Schweden zurück, wo er seine Kindheit verbracht hat. Dort übernimmt er den Kirchenchor. Durch das Singen geschehen Veränderungen bei diesem ganz normalen Menschen…Auf einem Chorwettbewerb locken sie Hunderte weitere Sängerinnen und Sänger zu einem Gesang aus tiefster Seele, – und es hört sich an „wie im Himmel“. „Wie im Himmel“ sieht sich der junge Mann namens Jesaja um 740 vor Christus. Er hört himmlische Chöre: die Serafim, Engel, mit ihrem Ruf: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth. Und er sieht etwas vom Himmel: Gott, den Herrn, riesig groß und erhaben. So groß, dass der Saums eines Mantels die ganze Tempelhalle ausfüllt. Gott passt nicht in den Raum des Allerheiligsten. Der Raum im Tempel symbolisiert seine Gegenwart wie eine lichte Wolke, die man nicht fassen kann und die sein Geheimnis verhüllt. Doch Gott selbst ist viel größer. So erhaben hat ihn kein Mensch zuvor gesehen. Jesajas Vision führt in weit über das Irdische hinaus. Er sieht Gott wie im Himmel – thronend mit einem Hofstaat von Engeln um sich. Mächtig braust ihr Gesang, so dass der Tempel bebt. Dreimal Heilig – die Zahl der Vollkommenheit für den vollkommenen Gott. Heilig ist Gott, das bedeutet: er ist nicht von dieser Welt, sondern ganz anders, ganz besonders und ganz souverän. Wer Gottes Namen „heiligt“, der gesteht ihm respektvoll seine Ausstrahlung und seine starke Wirkkraft zu. Das Heilige zieht man nicht in den Schmutz; dem nähert man sch mit Achtung, Würde und Demut: Mose musste sogar die Schuhe ausziehen, als Gott ihm seinen Namen offenbarte, damals am brennenden Dornbusch. Und bis heute nehmen Männer den Hut ab im heiligen Raum der Kirche. Heilig heißt: Gott geweiht, zu Gott gehörig. Doch heilig mit seinem ganzen wesen ist nur der heilige Gott selbst. Ihn preisen die Engel mit ihrem Dreimal-Heilig. Sie nennen ihn Jahwe Zebaoth: Herr der Heere. So verehren sie Gott als Herrscher über alle Mächte im Himmel und auf der Erde. Alle Lande sind seiner Ehre voll! – Wie hören Sie dieses Lob Gottes? Zustimmend oder eher kopfschüttelnd? Ja, natürlich ist Gott Herr über alle Lande, aber seine Ehre wird doch nicht überall gewahrt! In so vielen Ländern sehen wir Gottes Ehre geschmälert durch Kriege und Terror, durch Ausbeutung und Unterdrückung. Wie passt der Egoismus vieler christlicher Länder zu Gottes Ehre? Müssten sie nicht denen helfen, die in Not sind – um Gottes Ehre willen? Und die vielen kleinen Bosheiten, die tagtäglich unter uns Menschen geschehen, in jedem Dorf und jeder Stadt – beflecken sie nicht Gottes Ehre in allen Landen? Entscheidend aber ist: das Lob der Engel. Alle Lande sind seiner Ehre voll! – das ist vom Himmel aus gesungen. Es zeigt die Sicht des Himmels. Auch wenn es auf der Erde oft anders aussieht, im Himmel gilt bereits, dass Gott der Herr ist, erhaben und heilig. Über alle Lande erstrecken sich seine Gegenwart und sein Einfluss. Wie im Himmel! Nur sehen wir es noch nicht, und auch das Lob der Engel hören wir noch nicht. Aber einer hat es gehört und gesehen: Jesaja. Man könnte vermuten, da jubelt er mit, ist dankbar und glücklich und fühlt sich „wie im siebten Himmel“. Weit gefehlt. Erschüttert spürt Jesaja die Distanz zwischen sich und dem, was im Himmel geschieht. Hart und heftig wird ihm bewusst: „Ich bin nicht würdig, mitzusingen. Ich kann nicht bestehen vor diesem heiligen Gott. Ich vergehe vor ihm. Denn meine Lippen sind unrein, wie die aller Menschen um mich herum. Zu viel Schlechtes haben sie geredet, unfähig sind sie, Gottes Macht zu bekennen und seine Herrlichkeit zu preisen. So ähnlich hatte es Mose bereits erfahren, als Gott zu ihm sagte: Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht. Jesajas Leben scheint nicht mehr fest zu stehen. Er kann vor Gott nicht bestehen. Weh mir, ich vergehe, ruft er. Können wir das nachvollziehen? Oder stellen wir uns Gott so lieb und vertraut vor, dass wir seine Heiligkeit nicht mehr ernst nehmen? Sprüche wie „Gott einen guten Mann sein lassen“ oder der Ausruf „Ach Gottchen!“ zeigen eher in die respektlose Richtung. Im Himmel aber ist Gott kein „Gottchen“. Vielmehr sieht Jesaja ihn groß, erhaben, heilig. Verstummen vor ihm oder wenigstens achtungsvoll schweigen, das ist zuallererst angemessen. Schweige und höre – und irgendwann kannst du vielleicht einstimmen in den Gesang zu Gottes Ehre. Für Jesaja steht vorher das Erschrecken, dass er unrein ist und unwürdig. Doch dann erfährt er in seiner Vision eine überraschende Wende: Ein Bote Gottes berührt seine Lippen mit einer glühenden Kohle vom Altar. Wie ein Sakrament der Vergebung ist das. „Hiermit ist deine Schuld weggebrannt, deine Sünde gesühnt.“ Nichts mehr kann ihm den Mund verschließen. Er ist frei, als Prophet von Gott zu reden. Genau dazu wird Jesaja dann beauftragt. Hier bin ich, sende mich! Gott sucht einen Boten und Jesaja sagt: „Ja. Ich bin da für dich. Sende mich zu den Menschen.“ Hätten Sie auch JA gesagt? Hat ein Mensch überhaupt eine Wahl nach so einer Vision, die ihn wie im Himmel sein lässt? Kann ein Mensch Nein sagen zu dem Gott, vor dessen Lichtglanz und Heiligkeit er eigentlich vergehen müsste? Ob Jesaja darüber nachgedacht hat, erfahren wir nicht. Jedenfalls steht er fortan Gott zur Verfügung. Er ist zum Propheten berufen für sein ganzes Leben. Rätselhaft ist dann sein erster Auftrag: Er soll zu seinem Volk reden, aber die Menschen werden verstockt sein. Nicht hören, nicht sehen, nicht verstehen und sich nicht bekehren. Und als Folge dessen nicht genesen, also nicht heil werden, keinen Frieden finden. Das kann doch nicht das Ziel sein! Welchen Sinn hätte dann sein Reden als Prophet? Jesaja hofft auf eine Wendung und fragt: Herr, wie lange? Doch Gott kündigt ihm Schlimmes an: Das Land wird wüst werden, der drohende Krieg mit dem Nordreich und mit Syrien wird ganze Arbeit leisten. Sogar die letzten Überlebenden sollen nochmals überfallen werden. Da bleibt nur wüstes Land, in dem niemand Gott die Ehre gibt. Nur eine kleine Hoffnung gibt es für die Zukunft: Ein heiliger Same steckt im Baumstumpf. Daraus wird Gott etwas Neues wachsen lassen, etwas, das heilig ist und zu ihm gehört, etwas zu seiner Ehre.   Mit dieser Spur Hoffnung endet das heutige Predigtwort. Doch das Wort weist weit über sich hinaus und stiftet Hoffnung für unseren Glauben: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. Diesen Gesang kennen wir und können ihn vermutlich auswendig. Wir singen ihn bei jeder Abendmahlsfeier. Da stimmen wir ein ins große Lob der Engel. Wir sind hineingenommen in Gottes Gegenwart – wie im Himmel. Amen.

Fürbittengebet / Vaterunser

Behütender, gnädiger und Frieden schaffender Gott, wir suchen deinen Segen für uns und für diese Erde. Wir bitten für alle, die anderen zum Segen werden wollen, für deine ganze Kirche, die einzelnen Gemeinden, die verschiedenen Dienste, Einrichtungen, Gemeinschaften und Kommunitäten, – und für alle, die darin mitarbeiten. Wir bitten für alle, denen in Politik oder Wissenschaft ein Amt anvertraut wurde, dass sie – ob sie es wissen oder nicht – anderen zum Segen werden. Besonders bitten wir für alle, die sich um das Ende von Kriegen bemühen. Wirke ein Schweigen der Waffen und einen dauerhaften Frieden. Wir bitten für alle, deren Lebenspläne durchkreuzt wurden, für alle, die krank oder vom Leben geschlagen sind, dass ihnen dein Angesicht leuchte in dieser Dunkelheit, dass Menschen ihr Angesicht auf sie erheben und sie begleiten. – Vater unser …

Segen

Der Herr segne und behüte dich, er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden. Amen +++

 

Bleiben Sie behütet und gesund.

Es grüßt Sie herzlich, Ihre

Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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