Liedandacht EG 508, 02.10.2022 von Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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Der Friede Gottes sei mit Euch! Amen.

Das Erntedankfest ist ein Fest mit bleibender Aktualität. In den letzten Jahren ist bei vielen Menschen in Europa ein neues Bewusstsein für die Herkunft und Qualität von Lebensmitteln gewachsen – in der Stadt und auf dem Land.   – „Wir pflügen, und wir streuen“ ist in vielen Gemeinden zu „dem“ Erntedanklied geworden. „Ein Muss.“ –

Lied: Lobet den Herren, alle, die ihn ehren (EG 447)

Psalm 104 nach Jörg Zink

Ich will Dich rühmen, Gott, wie unendlich reich sind Deine Werke! In Deiner Weisheit hast Du sie alle erschaffen, und die Erde ist Deiner Schöpfungen voll.
Da ist das Meer, so groß, weit und breit! Ein Gewimmel, Tiere, groß und klein.
Sie alle warten auf Dich, dass Du Ihnen Nahrung gibst zur rechten Zeit.
Wenn Du Ihnen gibst, dann essen sie. Wenn Du Deine Hand auftust, werden sie satt an guter Speise. Wendest Du Dich ab, so erschrecken sie, nimmst Du weg ihren Atem, so sterben sie und werden wieder zu Staub. Gibst Du Ihnen Deinen Atem, so entstehen sie und neu wird das Leben auf der Erde.

Gebet

Gott des Lebens, aus deiner Fülle sind wir, was wir sind. Wir danken dir dafür und bitten dich, dass du uns jeden Tag daran erinnerst: Wir dürfen leben auf deiner schönen Erde – wir und all die anderen auch. Dir sei Ehre und Lob in Ewigkeit. Amen

Lied: Wir pflügen und wir streuen (EG 508)

Ansprache

Liebe Leser*innen,

„Dankeschön“, ist eines der wunderbarsten Wörter. „Dankeschön“ – denn Danken macht das Leben schön. Das „Danken“ hat eine unglaubliche Kraft. Diese Kraft können wir an uns selber leicht spüren. Wenn jemand freundlich und überraschend zu uns „Dankeschön“ sagt, huscht fast von selbst ein Lächeln in unser Gesicht. Wenn ein kleines Kind zu einem heraufschaut und „Danke“ sagt, dann sind wir glücklich.

Danke. Die Kraft des Dankens können wir an diesem Tag heute spüren. Am Erntedanktag geben wir uns ganz hinein in den Dank. Wir werden zu dankbaren Menschen. Wir schauen dankbar zurück. Auf die Ernte unseres Sommers. Auf die Ernte dieses Jahres. Und wir schauen nach vorne. Ein großer Lehrer des Danke-Sagens ist für uns Matthias Claudius. Sein großes Danklied „Wir pflügen, und wir streuen“ kann uns heute beim Danken unterstützen. Es soll in uns den Dank noch fröhlicher, noch tiefer machen. Matthias Claudius hat dieses Lied ursprünglich nicht für den Gottesdienst geschrieben. In seiner Erzählung „Paul Erd­manns Fest“ wird ein Erntedankfest auf dem Lande beschrie­ben. „Wir pflügen, und wir streuen“ ist darin das Bauernlied, im Wechsel gesungen zwischen Vorsänger und „allen Bauern“. Es ist im Original etwas anders und beginnt ganz wunderbar mit Anklängen an die Schöpfungsgeschichte: „Im Anfang war‘s auf Erden nur finster, wüst und leer; und sollt was sein und werden, musst es woanders her.“ Claudius besingt das Wunder des Werdens. Das Wunder, dass so viel ist und so viel wird. Das Wunder der Natur, der Schöpfung Gottes. Es ist ein großes Dank-Bekenntnis: Ich danke dir, Gott, meinem Herrn, dass alles ist, wie es ist. Weil alles so wunderbar gemacht ist. Und wenn wir genau hinsehen, dann können wir gar nicht anders: Dann müssen wir zustimmen. Dann müssen wir geradezu danken. Dankbar für alles, was kommt, was ist. Dann können wir gar nicht anders, als aus dem Dank zu leben.

Haben Sie einen grünen Daumen? Manchen Menschen sagt man nach, dass in ihrer und durch ihre Hand alles besonders gut wächst. Zum Wachsen – das wissen Gartenfreunde gut – braucht es neben Tau, Regen und Sonne die gestaltende Hand. Die romantische Sicht von Matthias Claudius lässt uns schmunzeln: Gott „wickelt seinen Segen“, hat Claudius gedichtet, in jene Naturgesetze ein, die der Gärtner benutzt, um einen Nutz- oder einen Ziergarten anzulegen. Deswegen auch: Von Gott kommt alles her. – Unter den Bedingungen unserer heute fast industriellen Fertigung von Lebensmitteln wirkt das schon sehr romantisch. Denn: können wir angesichts unserer heutigen Produktionsprozesse und angesichts dessen, was wir beispielsweise über Genetik wissen, noch in gleicher Weise singen, reden und denken wie Matthias Claudius? – Wenn wir allerdings das Bild, das uns Matthias Claudius in seinem Lied vor Augen malt, ernst nehmen, muss man diese Frage wohl mit ja beantworten. All die Naturgesetze, all das Äußere, das wir sehen und immer besser wissenschaftlich beschreiben können, wird von Claudius nur als Hülle angesehen, als „Papier“, wenn Sie so wollen, in das Gott „seinen Segen“ eingewickelt hat. Von daher können unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse Gott nicht, wie manche glauben, aus der Natur verdrängen. Er sendet Tau und Regen und Sonn- und Mondenschein und wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein. Diese Strophe enthält nicht nur ein schönes Bild. Sie ist, wenn man so will, Programm. Gottes Segen ist in der Welt verborgen. – Ein zweiter Gedanke drängt sich mir in diesem Zusammenhang auf. Wenn unsere Erde, unsere Natur doch so geschaffen ist, dass sich in ihr auch Gottes Segen findet, „zart und künstlich eingewickelt“, wie Matthias Claudius gedichtet hat, sollten wir dann mit unseren Eingriffen nicht auch vorsichtiger sein, als wir oft sind? Wissen wir wirklich genug über die möglichen negativen Folgen, die solche Eingriffe haben, wie sie beispielsweise die Gentechnik versucht? Wohl soll, wohl muss alles durch unsere Hände gehen. Doch muss es hier auch Grenzen geben. Wo diese jedoch genau liegen, ist im Einzelfall oft schwer auszumachen und deshalb umstritten. – Die dritte und vierte Strophe wenden sich von der Nahrungskette nun zum weiteren Blick: Die großartige Natur und ihre Erscheinungen laden uns Menschen zum Staunen und Danken ein. – Von Gott kommt alles her. Alles. Das Nahe und das Ferne – was für Matthias Claudius zu seiner Zeit bestenfalls zu ahnen war, ist in unserer global erkundeten Welt für uns anders. Nah und fern – wir wissen Bescheid. Wir wissen um die Reisernte in Thailand und den Wirbelsturm in Südamerika. Wir essen Lebensmittel aus aller Herren Länder, und natürlich würzen wir Gerichte exotisch. – Dass dies alles so selbstverständlich für uns ist, begünstigt oft einen verschwenderischen und selbstherrlichen Umgang mit dem, was wir haben. Was wir von Gott haben. Deswegen täte unserer Welt ein neues Bewusstsein für die Kostbarkeiten dieses Lebens gut. – Kann uns der Danktag zu dankbareren Menschen machen? Wenn wir ehrlich in unser Leben schauen: Nur sehr wenig ist selbstverständlich. Und unendlich sind die Gründe dafür, dankbar zu sein: Für die Strohhalme, wie für die Sterne in der Nacht, für den Johannisbeersaft und den Boskop am Abend, dass die Wolken ziehen und irgendwo nachts oder früh morgens Menschen Brot backen – für uns. – Eine Dankes-Melodie, ein großes Danklied. An diesem Tag können wir nicht bei uns selbst stehen bleiben. Das Geheimnis des Dankens ist ja genau das: Ich bleibe nicht bei mir allein. Im Danken weiß ich, dass ich mich anderen verdanke. Ich bleibe nicht bei mir stehen. Da gibt es andere, die für mein Leben wichtig sind. Den Schöpfer des Lebens, Gott. Die Menschen, die mich ins Leben geführt haben. Die mich begleitet haben. Die Menschen, die jetzt mit mir leben, mich aushalten, wie ich bin. Sich mit mir freuen. Mit mir lachen. Mit mir weinen. Mit mir still sind. Mit mir reden. – Wir bleiben nicht bei uns selbst stehen. Wenn wir uns in die Bewegung dieses Tages hineinbegeben, dann sind wir sehr bald große Entdecker. Wir entdecken, wofür wir alles dank­bar sein können. Die Eindrücke eines Ausfluges, die Schön­­heit einer Landschaft, ein gutes Essen, das unverwechselbare Gesicht eines Menschen, das Streicheln des Windes auf mei­ner Haut, eine Melodie, die mich verzaubert hat, die Strahlen der Sonne an einem Herbsttag wie heute, ein Kirchenraum… Dankbar bleiben wir nicht bei uns selbst stehen. Und merken auf einmal wieder, wie kostbar alles ist. Der Tag, der uns geschenkt ist. Die Ernte, die wir einfahren. Die Menschen, mit denen wir leben.   Denn alles Gute kommt her von   Gott dem Herrn – Dankeschön! – Amen.

Fürbittengebet / Vaterunser

Du unser Gott, wir danken dir.

Für unser tägliches Brot, für die Arbeit, die wir haben, für den Mut, Neues zu entdecken. Hilf allen, die nicht genug haben. Und lass uns alle das, was wir haben, miteinander teilen.

Du unser Gott, wir danken dir für die Kinder. Sie sind die Freude unseres Lebens. Sie sind die Zukunft unserer Welt. Lass sie in Frieden und in der Liebe aufwachsen, damit es glückliche und zuversichtliche Menschen werden.

Wir bitten dich auch für die Menschen nah und fern in Krankheit und Trauer, deren Ernte trübe war in diesem Jahr, in diesen Tagen. Für alle, die im Herbst ihres Lebens stehen. Sei du ihnen nahe und hilf ihnen, ihr Leben zu tragen und auf dich und Christus zu schauen.

Guter Gott, wir bitten dich für unsere Welt. Lass die Christen in aller Welt für den Frieden eintreten. Lass die Liebe in die Herzen der Menschen einziehen, damit sie miteinander die Güter der Erde gut verwalten und gerecht verteilen. Lass Toleranz und die Liebe zum Nächsten wachsen.

Vater unser im Himmel,…

Segen

Der Herr segne und behüte dich; er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen +++

 

Bleiben Sie behütet und gesund!

Es grüßt Sie herzlich,

Ihre Diakonin/Prädikantin Sabine Klatt

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