Videoandacht auf Platt, 2. So. n. Trinitatis, 21.06.2020 hier: Übersetzung Hochdeutsch!

Herzlich willkommen im Garten vom „Landfräulein Hassenhausen“. Wem meine Sprache irgendwie „spanisch“ vorkommt, dem sei gesagt, dass diese Andacht heute auf Platt gehalten wird. Und wer es dann wirklich nicht versteht, der kann sie auf unserer Homepage www.ev-kirche-hassenhausen.de auf Hochdeutsch lesen.

Eigentlich wollten wir uns heute hier im Garten treffen und zusammen mit vielen Menschen feiern, aber Corona erlaubt das leider nicht.

Wenn wir aber schon mal hier in der Natur sind, so will ich diese Andacht auch auf die Natur beziehen. Weil: Unsere Kirchengemeinde ist „wie ein großer Blumengarten“.

Und so lasst uns diese Andacht feiern im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Sommerpsalm

Wir freuen uns, dass du alles so gut gemacht hast. Du meinst es gut mit uns.

Das Leben ist schön, lieber Gott. Danke, dass du es mir geschenkt hast. Ich kann mich freuen, lachen, aber auch traurig sein. Ich bin gerne auf der Welt. Manchmal könnte ich die ganze Welt umarmen. Dann gefällt mir alles und alles macht mir Spaß. Manchmal würde ich mich am liebsten verkriechen. Dann passt mir gar nichts. Gut, dass andere mich so aushalten: Meine Freunde, meine Eltern. Das hilft mir. Eigentlich ist jetzt im Sommer alles schön. Es ist warm, wir können im Freien sitzen und spazieren gehen. Menschen und Tiere fühlen sich wohl. Ich auch. Lass mich die anderen Menschen nicht vergessen, die es nicht so gut haben wie ich. Hilf mir, freigiebig zu sein und zu teilen, wo ich es kann. Mach mich aufmerksam für die ganze schöne Welt. Ich will dir dabei helfen, für sie zu sorgen.

Wir freuen uns, dass du alles so gut gemacht hast. Du meinst es gut mit uns. Amen.

Musik und Textlesung EG 503 1-4.6) Geh aus mein Herz

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

2. Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide, als Salomonis Seide.

3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fliegt aus seiner Kluft und macht sich in die Wälder; die hochbegabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Felder, Berg, Hügel, Tal und Felder.

4. Die Glucke führt ihr Völklein aus, der Storch baut und bewohnt sein Haus, das Schwälblein speist die Jungen, der schnelle Hirsch, das leichte Reh ist froh und kommt aus seiner Höh ins tiefe Gras gesprungen, ins tiefe Gras gesprungen.

6. Die unverdrossne Bienenschar fliegt hin und her, sucht hier und da ihr edle Honigspeise; des süßen Weinstocks starker Saft bringt täglich neue Stärk und Kraft in seinem schwachen Reise,in seinem schwachen Reise.

Ansprache

Ich lese aus Kolosser 3, die Verse 12-14: 12 So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; 13 und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! 14 Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.

Und weiter steht im Evangelium des Johannes im 15. Kapitel, Verse 9-12: 9 Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! 10 Wenn ihr meine Gebote haltet, bleibt ihr in meiner Liebe, so wie ich meines Vaters Gebote gehalten habe und bleibe in seiner Liebe. 11 Das habe ich euch gesagt, auf dass meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde. 12 Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch liebe.

Liebe Gemeinde, unsere Kirchengemeinde ist wie ein Garten, in dem viele verschiedene Blumen wachsen und blühen. Alle haben da ihren Platz: Ihre Verschiedenheit und Buntheit machen unser Miteinander interessant. Um bei uns anerkannt zu sein, braucht die Rose kein Gänseblümchen zu werden und das Vergissmeinnicht keine Sonnenblume. Jeder ist wichtig, so wie er ist und sich einbringt. Es muss sogar Platz für Brennnesseln geben! – Wir werden einmal genau hinschauen, was im Garten unserer Kirchengemeinde alles grünt und blüht. Natürlich blüht noch so manches mehr hier, aber ich kann nicht alles benennen:

1. Die Sonnenblume fällt natürlich auf, weil sie meistens alle Blumen überragt. Sie erinnert uns an die Sonne, ohne die es kein Leben gibt. Wir danken allen, die wie wärmende Strahlen in unserer Mitte wirken.

2. Die Rose strahl Schönheit und Zärtlichkeit aus und ist Symbol für die Liebe. Der Duft, der von ihr ausgehen kann, weckt in uns Sehnsucht nach Geborgenheit. Der Inder und Hindu Mahatma Gandhi hat einmal die Bedingung dafür genannt, was wir tun müssen, damit alle Menschen Christen werden. Er sagt: „Denkt an das Geheimnis der Rose. Alle mögen sie, weil sie so gut riecht. Also riecht gut, ihr Christen!“

3. Es gibt auch unscheinbare Blumen in unserem Gemeindegarten – wie zum Beispiel das Gänseblümchen. Seine frischen Augen schauen uns an wie die von Kindern. Sie sind unübersehbar, kleine Sonnen mitten unter uns. Sie überraschen uns immer wieder und fordern uns ein.

4. Das Stiefmütterchen könnte an Arbeitslose, an Kranke oder an manche allein erziehende Mütter oder Väter erinnern, mit denen das Leben stiefmütterlich umgeht. Aber das Blümchen ist sehr robust; es übersteht sogar den Winter. So mag das Stiefmütterchen Mut machen, auch in schwierigen Lebenssituationen durchzuhalten.

5. Das Veilchen erinnert mich an die ganz Treuen in unserer Gemeinde, die weder das Wetter noch das Bett davon abhält, uns hier Gemeinschaft erleben zu lassen. Danke auch an alle treuen Ehrenamtlichen, ohne die unsere Gemeindearbeit vertrocknen würde.

6. Es gibt auch stolze Lilien unter uns. Wir schätzen ihr Aussehen, aber oft nehmen sie Abstand, weil sie meinen, was Besonderes zu sein. Manche suchen sich schon beim Reinkommen in die Kirche den Platz, um beim Friedensgruß (beim Abendmahl) nur den „Richtigen“ die Hand zu reichen.

7. Manche gleichen auch einem Kaktus. Egal, wie wir uns nähern, wir treffen auf Stacheln und tun uns weh. Aber kein Kaktus hat die Stacheln so dicht, dass nicht noch Platz für eine Blüte wäre! Schauen wir also geduldig nach Blüten, weil, manchmal bringt ein Kaktus besonders schöne hervor.

8. Das tränende Herz lässt uns an die Menschen unter uns denken, die oft traurig oder deprimiert sind oder denen ein lieber Menschen krank geworden ist, ja vielleicht gestorben ist. Sie brauchen ganz besonders Fingerspitzengefühl und unser Gebet.

9. Die Tulpe ist ein Sinnbild für die Hingabe: Sie geht auf wie der Kelch auf dem Altar ins Unendliche. Sie erwartet bei all ihrer dienenden Hingabe das Entscheidende „von oben“. Dank an alle, die sie sich unbewusst zum Vorbild nehmen und die Gutheit nie als Dummheit ansehen.

10. Das kleine Vergissmeinnicht ist leicht zu übersehen. Es erinnert mich an viele alte und allein gelassene Menschen, die oft am Gemeindeleben nicht mehr teilnehmen können, wie sie’s gerne täten. Jeder von denen ruft uns zu: „Vergiss mich nicht!“ Gerade jetzt in der Coronazeit ganz besonders.

11. Manchmal wachsen in unserem Gemeindegarten unversehens auch Wildkräuter und graben sich zäh ins Erdreich ein. Zum Beispiel der Löwenzahn. Er kann jungen Menschen Hoffnung für alte Tage machen: Das pralle Gelb ist schnell verblüht. Aber dann entfaltet sich das Wunder der weißen Pusteblume, die besonders von den Kindern geliebt wird. Ein Trost für die Tage, wenn unser Haar weiß geworden ist.

12. Hinter der Brennnessel ist jeder Gärtner her. Man will sie entfernen, obwohl sie eine Heilpflanze ist. Wenn man eine Brennnessel anfasst – im übertragenen Sinn also mit einem Kritiker in der Gemeinde – ist zwar schmerzhaft, aber sie fördert auch die Durchblutung. Danke also auch denen, die uns immer wieder in Frage stellen. Diesen Vorgang, wir könnten auch sagen „dieser Brennnesseltee“ hält uns gesund und beweglich.

13. Zum Schluss will ich das rote Band um die vielen Blumen aus dem Kirchengemeindegarten legen und sie zum Strauß binden. Wir haben es in den Lesungen gehört: Die Liebe ist das Band, das uns – die wir so verschieden sind – zusammenhält. Jesus sagt: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Dann riecht unser Garten gut und zieht vielleicht auch andere an. Amen.

Fürbittengebet

Lasst uns füreinander und miteinander beten:

Unser Schöpfer, dir ist die Welt und alles, was darinnen ist. Du bist der Ursprung und die ewige Quelle allen Lebens. Du hast die Erde herrlich gestaltet und liebst alles, was du geschaffen hast. Nichts davon willst du verderben, sondern in seiner unvergleichlichen Schönheit bewahren.

Gott aller Menschen, wecke unsere Sinne für die Größe und Vielfalt deiner Schöpfung. Lehre uns das Staunen über deine wunderbare Fülle alles Lebendigen. Lehre uns dankbar werden für den Reichtum deiner Gaben. Schärfe unsere Wahrnehmung und unser Bewusstsein, damit wir das Miteinander alles Geschaffenen erkennen und achten.

Barmherziger Gott, wir haben viele deiner Gaben missbraucht und hoffen auf dein erbarmen. Hilf, dass wir mehr auf deine Schöpfung achten und sie nicht weiter zerstören, sondern sich auch noch kommende Generationen daran freuen können.

Und gemeinsam beten wir, wie Jesus es uns gelehrt hat: Vater unser im Himmel …

Segen

Der gesegnete Regen, der köstliche sanfte Regen, ströme auf dich herab, so wie er die Wiesen wieder frisch ergrünen lässt. Die Blumen mögen anfangen zu blühen und ihren köstlichen Duft ausbreiten, wo immer du gehst. Der Regen mag dein Gesicht erfrischen, dass es rein und glatt wird wie ein See, in dem sich das Blau des Himmels spiegelt und manches Mal ein Stern. Leicht möge der Wind dich umwehen und dich tragen wie eine Feder, so wie Gottes Geist dich anhaucht und du wieder neue Kraft schöpfst. Das Licht der Sonne mag dich anstrahlen, dass du Wärme und Licht spürst im Angesicht, der Glanz und die Schönheit von Gottes guter Schöpfung. So segne dich der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Seien Sie  herzlich gegrüßt von Ihrer Diakonin/Prädikantin

Sabine Klatt

Und bleiben Sie gesund!

21.06.2020 �

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